GastbeitragInsurtechs und Versicherer – Duell mit offenem Ausgang

Neue Player auf dem Versicherungsmarkt: Clark ist ein Online-Versicherungsmakler
Neue Player auf dem Versicherungsmarkt: Clark ist ein Online-Versicherungsmakler

Über Start-ups und Digitalversicherer wird in der Versicherungsbranche viel und kontrovers diskutiert. Immer mehr kommen als neue Player auf den Markt und versuchen mit ihren Geschäftsmodellen die klassischen Versicherer herauszufordern und die Branche zu disruptieren. Bis vor kurzem schien klar: Der deutsche Versicherungsmarkt ist über Jahre gewachsen, die Rollenmodelle sind fest verteilt – und wer welche Segmente besetzt, ist im Grunde auch entschieden. Doch das könnte sich in absehbarer Zeit ändern.

In den letzten Jahren war im Markt eine Vielzahl an Neugründungen zu sehen, die sich mit originellen Ansätzen bestimmten Ausschnitten der Wertschöpfungskette eines Versicherers gewidmet haben. Die meisten bewegten sich dabei direkt am Point of Sale und stellten die Bedürfnisse der Kunden eindeutig in den Vordergrund. Aber das Bild hat sich verändert und es ist wieder eine breitere thematische Aufstellung bei den neuen Playern gefragt, gerade bei Themen wie IT, Betrieb und Schaden oder Kooperationen mit etablierten Marktteilnehmern. Den Kunden am Markt abzuholen, ist dabei nach wie vor alles andere als einfach und zudem teuer. Ihm dann noch optimale Prozesse und schnelle Verarbeitung zu bieten, war und ist für einige Start-ups einfach zu viel.

Herausforderungen für Start-ups sind groß

Auch abseits dessen sind die Herausforderungen für Insurtechs in der Branche groß. Zum einen gibt es eine Vielzahl an Versicherungsunternehmen, die ihren Anteil am Kuchen der zur Verteilung stehenden Kundenrisiken suchen. Zum anderen haben die Vermittler im Markt, über die ein Großteil des Geschäfts läuft, klare Favoriten, mit denen sie über Jahre – mitunter auch Jahrzehnte – ihre Erfahrungen gemacht haben. Sie kennen deren Leistungsfähigkeit, aber auch die jeweiligen Schwächen ganz genau. Deshalb springen Makler auch nicht sofort auf den nächsten Zug auf.

Ein Insurtech, das in der hart umkämpften Versicherungsbranche bestehen will, muss über ein vielseitiges, flexibles und in sich homogenes Team verfügen. Markterfahrung ist hier unverzichtbar. Welche Ressourcen wann und wie eingesetzt werden sollen, muss akribisch geplant werden. Zudem muss im Vorfeld genau überprüft werden, wo es über Kooperationen oder Dienstleister Möglichkeiten gibt, eigene Angebotslücken zu füllen sowie zusätzliche Themen und Services zu besetzen – ohne dabei die eigene Leistungsfähigkeit zu überfordern.

Die Bafin setzt einen klaren regulatorischen Rahmen

Hinzu kommen die gesetzlichen Anforderungen. Nur wer diesen als Unternehmen genügt, kann überhaupt eine Lizenz der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) erhalten. Das gilt auch für volldigitalisierte Versicherer. Denn eine der zentralen Aufgaben der Bafin ist es, den Verbraucher zu schützen. Dazu legt sie hohe Maßstäbe an die Zulassung eines Risikoträgers an und hat eindeutige Ansprüche an die Kapitalisierung für den ordentlichen Betrieb eines Versicherungsunternehmens.

So sorgt die Bafin für einen klar definierten Korridor, in dem sich das regulierte Unternehmen zu bewegen hat. Es ist ein Regelwerk, das sowohl den Kunden schützt als auch gleiche Spielregeln für die Markteilnehmer sicherstellt. Versicherung ist eine Dienstleistung, also ein imaginäres, geruchs- und geschmackloses Produkt, ein Leistungsversprechen. Da spielt Vertrauen eine besondere Rolle. Nur über einen klar regulierten Markt mit berechenbaren Teilnehmern ist es möglich, dieses Vertrauen aufzubauen und zu erhalten. Ganz gleich, ob digitaler oder klassischer Versicherer.