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Kolumne Impotente Bundesbank

Christoph Bruns
Christoph Bruns
© Lyndon French
Die Demission von Jens Weidmann ist Ausdruck des Bedeutungsverlustes der Bundesbank. Mit der Errichtung der EZB ist die einst mächtige deutsche Zentralbank überflüssig geworden

Wieder einmal hat die Deutsche Bundesbank ihren Präsidenten durch Rücktritt verloren. Anlass zu größerer Besorgnis besteht nicht, denn der Schaden ist lange schon angerichtet. Hintergrund der Amtsaufgaben ist die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank. Diesbezüglich waren die Rücktritte von Axel Weber und Jürgen Stark im Jahr 2011 ganz klare Signale an die Bevölkerung, wohin die Reise der Europäischen Zentralbank gehen würde. Weber und Stark haben Recht behalten und seinerzeit nobel gehandelt.

Der Rücktritt von Jens Weidmann besitzt dagegen keine wichtige Symbolkraft . Die Fakten sind längst geschaffen und lassen sich auch nicht mehr zurückdrehen. Die Tradition der Deutschen Bundesbank ist mit der Abschaffung der D-Mark erloschen.

Inhaltlich ähnelt die EZB der Banque de France. Es ist auch kein Zufall, dass nach Claude Trichet mit Christine Lagarde bereits zum zweiten Mal französischer geldpolitischer Geist an der Spitze der Zentralbank weht, während das mit weitem Abstand wirtschaftlich größte Land des Euroraumes keine entsprechende Repräsentanz gefunden hat.

Bundesbank – eine unwichtige Bundesbehörde

Heute kümmert sich die EZB hauptsächlich um die Finanzierung der Staaten des Euroraums. Künftig soll noch die Klimapolitik hinzukommen. Jedermann kann erkennen, wie gering das Interesse der EZB an Geldwertstabilität ist. Die Hartnäckigkeit, mit der die hohen Preissteigerungsraten derzeit ignoriert werden, spricht Bände.

Als Kapitalanleger darf man sich aber nicht allzu sehr an der Vergangenheit festbeißen, sondern muss die Gegebenheiten zur Kenntnis nehmen und ähnlich dem Segler die Segel entsprechend setzen. Jene, die frühzeitig den Kurs der EZB haben kommen sehen, konnten sich einer Jahrhunderthausse an den Aktienmärkten und einer steilen Bergfahrt an den Immobilienmärkten erfreuen. Und ein Ende ist nicht abzusehen, denn nennenswert hohe Zinsen sind im Euroraum einfach kaum mehr vorstellbar. Insofern geht die größte Gefahr für die Minderheit der Klugen, die auf dynamische Sachwerte setzen, heute wie auch in der Vergangenheit von der Raffgier des Staates und seiner Steuersysteme aus. Es sei in diesem Zusammenhang etwa an die hohe und doppelte Besteuerung ausgeschütteter Gewinne bei Aktiengesellschaften erinnert.

Was nun die Bundesbank angeht, so ist sie eine überdimensionierte und zugleich unwichtige Bundesbehörde. Sollte die kommende Bundesregierung an einem schlanken Staat interessiert sein, so wird sie in Frankfurt Ginnheim gewiss manches Einsparungspotential vorfinden. Denn die Bundesbank ist seit der Errichtung der EZB unwichtig und impotent. Es wäre aufrichtig, diese Erkenntnis auch in Berlin einmal laut auszusprechen.

Christoph Bruns ist Fondsmanager, Vorstand und Hauptaktionär der Fondsgesellschaft Loys AG. Hier finden Sie weitere Kolumnen von Christoph Bruns

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