StrafzölleIm Handelsstreit schweigen die Waffen

Die Zeichen stehen auf Entspannung: Chinas Staatschef Xi Jinping und US-Präsident Donald Trumpdpa

Im Handelsstreit zwischen China und den USA ist Entspannung in Sicht. Am heutigen Mittwoch wollen die Regierungen beider Länder in Washington den ersten Teil eines Handelsabkommens unterzeichnen. Damit läuten die Streitparteien allerdings keinen Frieden ein, sondern nicht viel mehr als einen Waffenstillstand, urteilen Beobachter. Die Kapitalmärkte dürften höchstens kurzfristig Rückenwind bekommen. Anleger müssen im Hinterkopf behalten, dass der Streit wieder eskalieren könnte – zumindest, bis Teil zwei des Abkommens unterzeichnet ist.

Der chinesisch-amerikanische Handelskonflikt schwelt bereits seit zwei Jahren. Gestartet hat ihn US-Präsident Donald Trump, indem er Anfang 2018 Strafzölle auf mehrere chinesische Importgüter verhängte. In den folgenden Monaten überzogen sich Washington und Peking gegenseitig mit immer neuen Einfuhrzöllen. Unter dem Streit leidet die Wirtschaft beider Länder, auch der Welthandel wurde in Mitleidenschaft gezogen. Das Handelsbilanzdefizit der USA gegenüber China, das Trump mittels der Strafzölle reduzieren will, ist nicht der einzige Grund für den Konflikt. Implizit fechten die beiden weltgrößten Wirtschaftsnationen die Frage aus, wer in Zukunft wirtschaftlich und technologisch die Nummer Eins ist.

Nur eine Teileinigung im Handelsstreit

Das Teilabkommen, das nun für eine Waffenruhe sorgen soll, beschäftigt sich denn auch nicht nur mit Zollfragen. Es legt unter anderem fest, dass US-Unternehmen, die in China aktiv sind, nicht mehr ihre Geschäftsgeheimnisse offenbaren müssen. „Zum ersten Mal in einem Handelsabkommen hat China zugestimmt, ausländische Unternehmen nicht mehr dazu zu zwingen, ihre Technologie an chinesische Unternehmen zu übertragen, wenn sie Zugang zum Markt oder administrative Genehmigungen bekommen wollen“, heißt es in einer Zusammenfassung des Deals, die die US-Regierung veröffentlicht hat. Auch der Schutz geistigen Eigentums und Maßnahmen gegen Produktpiraterie spielen eine wichtige Rolle in dem Abkommen.

Ausgerechnet beim Thema Zölle bleibt das Teilabkommen hinter den Erwartungen vieler Investoren zurück. Zwar verpflichtet sich China dazu, in den kommenden zwei Jahren seine US-Importe zusätzlich zu den bisherigen Einfuhren um Güter im Wert von 200 Mrd. US-Dollar zu steigern. Falls sich Peking an seinen Teil der Vereinbarung hält, will die US-Regierung zudem keine neuen Abgaben auf Importe aus China erheben. Die bisherigen Strafzölle sollen jedoch im Großen und Ganzen bestehen bleiben, bis Teil zwei des Abkommens unterzeichnet ist. Das wird erst nach weiteren, mutmaßlich schwierigen Verhandlungen der Fall sein – und erst nach den US-Präsidentschaftswahlen im November dieses Jahres.

„Wir gehen davon aus, dass die Spannungen auch nach dem Phase-Eins-Handelsdeal anhalten“

Tom Donilon

Für die Märkte stellt der erste Teil des Handelsabkommens nicht den Befreiungsschlag dar, auf den viele Anlageprofis gehofft hatten. Auf kurze Sicht könnte der Waffenstillstand zwischen China und den USA zwar die Aktienkurse unterstützen. Mittelfristig ist aber vor Abschluss von Phase zwei noch nicht viel gewonnen, sagen Marktbeobachter. Auch neue Spannungen sind denkbar: Es würde zu Trumps Politikstil passen, wenn er trotz der ersten Einigung neue, weiterreichende Forderungen stellen würde, um sich vor der Wahl im November als knallharten Verhandler zu inszenieren.

Langfristig dürfte sich der Wettbewerb zwischen Washington und Peking fortsetzen, urteilt Tom Donilon, Präsident des Blackrock Investment Institute – zumindest jener Teil des Wettstreits, bei dem es um die technologische Vorherrschaft geht. „Wir gehen davon aus, dass die Spannungen auch nach dem Phase-Eins-Handelsdeal anhalten“, schreibt Donilon in einem aktuellen Marktkommentar.