Vermögensaufbau22 Mythen und Fakten über ihr Vermögen

Euro-Münzen
Eine Menge „Schotter“: Vermögensaufbau in Zeiten von Minizinsen ist eine Kunst für sich

01 Anlageklassen

Immobilien dominieren das Privatvermögen

Fast jeder zweite Euro des neu gebildeten Geldvermögens aller Deutschen fließt in kurzfristige und liquide Anlageformen. Im Mix des Gesamtvermögens – immerhin knapp 12.000 Mrd. Euro – fällt dieses Phänomen jedoch kaum ins Gewicht, denn den dominieren Immobilien: Wohnungen und Häuser machen mehr als die Hälfte des Besitzes der Bundesbürger aus. Die Bedeutung von Spar- und Termineinlagen sowie Sparbriefen bei deutschen Geldinstituten nimmt laut Bundesbank sogar ab: So entfällt nicht einmal ein Sechstel des Gesamtvermögens auf kurzfristige Einlagen wie Sparbücher. 

Lieber Beton als Gold

02 Finanzbildung

Deutsche Anleger sind nicht blöd

Das Vorurteil, die Deutschen hätten von Geldanlage weniger Ahnung als die meisten anderen Nationen, hält sich hartnäckig – trifft aber nicht zu. In einem globalen Vergleich der University of Washington, bei dem Fragen zu Zins, Inflation und Anlageprodukten beantwortet werden mussten, landete Deutschland in der Spitzengruppe – weit vor den aktienaffinen Angelsachsen. 

03 Vermögensvergleich

Die Aufholjagd hat begonnen

Arme Deutsche! Gerade einmal 50.000 Euro beträgt der Median unseres Haushaltsvermögens; die eine Hälfte der Bundesbürger besitzt mehr, die andere weniger. Im internationalen Vergleich ist dieser Wert ziemlich niedrig, er unterschlägt allerdings die vergleichsweise hohen staatlichen Rentenansprüche der Deutschen.

Zum einen liegt der Rückstand daran, dass die Anlagen der meisten Bundesbürger relativ wenig Rendite abwerfen, zum anderen besitzen per Sommer 2015 nur 46 Prozent der Menschen eine eigene Immobilie – weit weniger als in anderen Staaten.

Immerhin bessert sich die Lage: Der Median des deutschen Haushaltsvermögens stieg laut Credit Suisse in den vergangenen zehn Jahren um rund 64 Prozent, in den USA betrug der Zuwachs lediglich 57, in Großbritannien gar nur 29 Prozent.

04 Sparanreize

Die hohe Sparquote ist irreführend

Deutsche Haushalte sparen derzeit rund neun Prozent ihres verfügbaren Einkommens – das ist ein international hoher Wert, aber weniger als noch vor fünf Jahren, als die Quote bei zwölf Prozent lag. Doch die Interpretation der Sparquote im Zusammenhang mit dem Vermögensaufbau lädt gleich in zweifacher Hinsicht zu irreführenden Deutungen ein. Erstens interpretieren viele, die Sparquote sinke, weil sich Sparen in Zeiten der Nullzinsen nicht mehr lohne.

Arme konsumieren mehr

Doch Zinsen sind für die Höhe der Sparquote kaum von Bedeutung. Viel wichtiger sind das Einkommen – je höher, desto mehr wird gespart – sowie die Einkommenserwartungen. Denn je optimistischer die Menschen in die Zukunft blicken, desto geringer die Sparmotivation und höher die Lust am Konsum und umgekehrt. In turbulenten Zeiten dominiert hingegen das Angstsparen. Daher erreichte die Sparquote in den wirtschaftlich turbulenten 70er-Jahren auch Höchstwerte von 17 Prozent. Zuletzt wiesen Forscher der TU Chemnitz diese Zusammenhänge nach.

Diese Erkenntnisse haben auch für die zweite Fehlinterpretation eine Bedeutung: Die hohe Sparquote heißt nicht automatisch, dass wir ein Volk der bienenfleißigen Sparer seien. Denn die Höhe der Sparquote wird vor allem von den einkommensstarken Haushalten nach oben gezogen. Die einkommensstärksten Haushalte legen fast jeden fünften Euro zur Seite – während im einkommensschwächsten Drittel zwischen 50 und 80 Prozent der Haushalte überhaupt nicht sparen wollen oder können, wie aus Bundesbank-Daten hervorgeht. 

05 Ungleichheit

Erben allein hilft nicht

Eine ungleiche Vermögensverteilung wird von vielen Gesellschaften missbilligt. Dass Erbschaften die Konzentration von Reichtum in den Händen weniger erhöht, ist laut neuerer Untersuchungen indes nicht nachzuweisen. Zudem haben mehr deutsche Millionäre mit wenigstens 30 Mio. Dollar Vermögen ihren Besitz erwirtschaftet (41 Prozent) als geerbt (28 Prozent). Beim Rest spielten beide Quellen eine Rolle, so eine Studie der Großbank UBS.

06 Aktienquote

Besser klein anfangen als klein aufhören

Typische Vermögensaufbau-Strategien sehen vor, mit einer relativ hohen Aktienquote in jüngeren Jahren zu beginnen und diese schrittweise bis zum Renteneintritt abzusenken, um das Verlustrisiko zu begrenzen.

Womöglich ist diese Strategie gar nicht so klug, wie es scheint. Die US-Ökonomen Wade Pfau und Robert Arnott haben belegt, dass Anleger in den vergangenen 130 Jahren selbst im ungünstigsten Fall höhere Durchschnittsrenditen und größere Endsummen erzielten, wenn sie ihre Aktienquote graduell bis zum Renteneintritt von 20 auf 80 Prozent erhöhten, statt sie von 80 auf 20 Prozent zu senken.

Die Erklärung widerspricht der Intuition, nach der ein Börsencrash kurz vor Rentenbeginn viel Vermögen unwiederbringlich vernichtet. Tatsächlich ist eine starke Marktkorrektur zu Beginn einer längeren Sparphase, wenn der Aktienanteil noch sehr hoch ist, viel gefährlicher für Investoren: Mit einem sinkenden Anteil an Aktien schrumpfen auch die Chancen, die Verluste in den Folgejahren wieder aufzuholen.

07 Hauskauf

Immobilien sind absolut bezahlbar

Immobilien sind in Deutschland so erschwinglich wie seit Jahren nicht mehr – von Top-Lagen in Großstädten abgesehen. Die Preise von Häusern und Wohnungen sind zwar seit 2009 im Schnitt gestiegen – zuvor waren sie aber 15 Jahre lang gesunken. Da zugleich die Zinsen extrem zurückgegangen sind, können sich immer mehr Bundesbürger eine Immobilie leisten.