AktienFünf Aktien-Favoriten aus China

Die chinesische Wirtschaft erholt sich langsam, davon profitiert auch der AktienmarktGetty Images

Catherine Yeung

Das Hoffnungszeichen kommt aus Autohäusern in der chinesischen Provinz. Bei einem der Händler sind die Verkäufe in diesem Monat schon um 14 Prozent gestiegen, nachdem sie sich im ersten Quartal noch fast halbiert hatten. Diese Anekdote erzählt im Interview Catherine Yeung, Investment Director bei der Fondsgesellschaft Fidelity International in Hongkong. Von dort aus beobachtet sie mit ihrem Team den chinesischen Aktienmarkt und wählt Unternehmen für die Anlage aus.

Zwischen drei und fünf Konferenzen mit Unternehmen stehen derzeit pro Tag in ihrem Kalender, selbst auf dem Höhepunkt des Lockdowns sprach sie regelmäßig per Videokonferenz mit den Management-Teams der von ihr beobachteten Unternehmen. Wie lautet das Fazit aus all den Gesprächen? „Wir hören von den Unternehmen: China geht wieder an die Arbeit.“

Die Anekdote über den Autohändler deckt sich mit Aussagen von Daimler. Dessen Finanzchef Harald Wilhelm hatte kürzlich vor Analysten gesagt, in China würden sich die Verkäufe beginnen zu erholen. Im März habe das Unternehmen mit knapp 62.000 Fahrzeugen etwa so viele Autos verkauft wie im Vorjahresmonat.

Sorgen um die Weltwirtschaft

Auch wenn längst noch nicht alle Sektoren wieder zulegten und das Risiko einer zweiten Infektionswelle besteht, so sendet die chinesische Volkswirtschaft nach ihrem historischen Einbruch im ersten Quartal Hoffnungssignale aus, auch wegen der Unterstützung durch den Staat. „Der Auslastungsgrad zeigt eine gewissen Widerstandsfähigkeit und die jüngsten Zahlen zum Einzelhandel waren deutlich verbessert im Vergleich zum Datensatz im Monat zuvor. Auf dem chinesischen Binnenmarkt sehen die Dinge im Vergleich zum Februar besser aus“, sagt Yeung.

Sorgen bereite den Firmen, mit denen sie spricht, allerdings die schwache Weltwirtschaft. „Es gibt die negativen Auswirkungen der globalen makroökonomischen Situation“, sagt sie. Dazu zähle auch, dass mit weiterhin hohen Infektionszahlen in Europa und Nordamerika die Nachfrage nach chinesischen Exportgütern schwach bleiben wird. „Wir verfolgen den Nachrichtenfluss aus globaler Perspektive, der Trend geht derzeit in die richtige Richtung und ähnelt dem, was wir in China gesehen haben. Gerade Deutschland entwickelt sich unglaublich gut.“

 


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Yeung und ihr Team wählen in diesem Umfeld das aus, was gemeinhin Qualitätsaktien (High Conviction Names) genannt wird, also Unternehmen mit starker Marktstellung und robusten Bilanzen. Einer der wichtigsten Punkte in der Analyse ist für sie derzeit der Bargeldbestand. „Entscheidend in dieser Situation ist es, sehr engmaschig die Cashflows der Unternehmen zu überprüfen. Wir investieren nicht in solche Unternehmen, die Cash verbrennen“, berichtet sie. „Wir fragen im Moment jede Unternehmensführung: Wie packen sie in einer Phase mit sinkenden Umsätzen die Herausforderungen in ihrer Branche an?“

Außerdem betrachtet sie Dividenden recht genau, sei China doch aktuell „einer der wenigen hellen Flecken, wo die Ausschüttungen normal weiter gehen oder sogar steigen“. Dies gelte beispielsweise für Großbanken wie ICBC, die gut kapitalisiert seien und deren Aktien Dividendenrenditen von vier bis sechs Prozent verzeichnen. Außerdem gebe es in China regulatorische Vorgaben für die Ausschüttungspolitik von Unternehmen, die auch Minderheitsgesellschafter angemessen berücksichtige, erläutert Yeung. Damit würden chinesische Aktien auch global für jene Investoren attraktiv, die ein regelmäßiges Einkommen einer der Anlage erzielen wollen, so genannte Income-Strategien.

China legt Wert auf das S in ESG

Zu ihren Favoriten zählt auch der E-Commerce-Gigant Alibaba, wohl auch in Deutschland eine der bekanntesten chinesischen Aktien. „Alibaba ist eine ikonische Marke geworden und besitzt ein eigenes Ökosystem“, sagt Yeung. „Das Unternehmen profitiert davon, dass der E-Commerce durch die Corona-Pandemie eine Beschleunigung erfahren hat.“ Die starke Marktstellung werde wohl auch nicht von Regulierern in Zweifel gezogen, was auch mit der chinesischen Debatte um ESG-konforme Investitionen zu tun habe. In Europa wird stark für das E für Environmental (Umweltaspekte) diskutiert, während der Expertin zufolge in China das S für Social (Soziales) dominiert. „In China wird über den Nutzen eines Unternehmens für die Gesellschaft diskutiert, und darüber ihr etwas zurückzugeben“, erläutert sie. „Alibaba benennt als Geschäftsziel, den Konsum für alle zugänglich zu machen.“

Neben der Industrial & Commercial Bank China (ICBC), einer der vier großen Geschäftsbanken in China, und Alibaba nennt Yeung drei weitere von ihr favorisierte Aktien aus China. Dies sind der Versicherer China Life Insurance, der auch im Assetmanagement aktiv ist, der Ölkonzern CNOOC sowie der Immobilienentwickler China Overseas Land & Investment.