FusionFranklin Templeton und Legg Mason schaffen neuen Fonds-Riesen

Franklin-Resources-Chairman Johnson sieht nur Vorteile in der Übernahme Getty Images

Nach starken Mittelabflüssen in den vergangenen Jahren tritt die Fondsgesellschaft Franklin Templeton die Flucht nach vorne an. Mit einem Mega-Zukauf katapultiert sie sich in die Top Ten der weltweit größten Vermögensverwalter. Ihre Muttergesellschaft Franklin Resources hat am Dienstag den Kauf des Konkurrenten Legg Mason für 6,5 Mrd. Dollar (einschließlich 2 Milliarden Dollar an Schulden) verkündet.

Der Zusammenschluss der beiden US-Vermögensverwalter ist der bisherige Höhepunkt einer Konsolidierungswelle im globalen Assetmanagement, in dem auch wegen des Aufstiegs passiver Produkte der Wettbewerbs- und Kostendruck steigt. Bei Investoren kamen die Nachrichten gut an, die Aktien legten zunächst kräftig zu.

Die gemeinsame Gesellschaft aus Franklin Templeton und Legg Mason würde nach aktuellen Daten auf ein verwaltetes Vermögen von rund 1,5 Billionen Dollar kommen. Sie wäre damit die zehngrößte globale Fondsgesellschaft. Unangefochtener Marktführer ist Blackrock mit 6,8 Billionen Dollar (alle Daten zu verwalteten Vermögen entsprechen den zuletzt von den Unternehmen mitgeteilten Werten) vor Vanguard (5,6) und State Street (2,5). Es folgt ein dichtes Feld an Anbietern, zu denen auch der größte europäische Anbieter Amundi (1,8 Billionen Euro) und die Allianz-Tochter Pimco (1,9) zählen.

Die in Kalifornien beheimatete Franklin Templeton verliert seit sechs Jahren Kundengelder. Im europäischen Geschäft soll 2019 nach Medienberichten rund ein Fünftel der investierten Gelder abgeflossen sein. Auch Legg Mason verzeichnete im vergangenen Jahr Mittelabflüsse in einem positiven Kapitalmarktumfeld.

Für negative Schlagzeilen sorgten auch die hohen Verluste, die der Star-Fondsmanager von Franklin Templeton, Michael Hasenstab, mit argentinischen Staatsanleihen erlitt. Der von ihm gemanagte Templeton Global Bond Fund erlitt laut dem Branchenmedium Citywire Abflüsse von 4,1 Mrd. Euro. Während eines Auftritts am Mannheimer Fondskongress Ende Januar verlor Hasenstab dazu kein Wort, kündigte jedoch an, vieles künftig anders machen zu wollen und sich wieder stärker auf die Ursprünge seines Geschäfts zu konzentrieren.

Fusionswelle rollt über die Branche

Der Zusammenschluss ist der jüngste einer ganzen Reihe von Fusionen mittelgroßer Vermögensverwalter. In jüngerer Vergangenheit hatten sich Janus Capital und Henderson Global Investors sowie Standard Life Investments und Aberdeen Asset Management zusammengeschlossen. Dies waren Versuche, sich dem härteren Wettbewerb in der Branche zu stellen, der vom Aufkommen günstiger passiver Indexfonds und den niedrigen Zinsen herrührt. Erst am Montag kündige die britische Gesellschaft Jupiter den Kauf von Merian Global Investors für 370 Mio. Pfund an.

Franklin Templeton und Legg Mason versuchen durch Größe dem härteren Wettbewerb zu begegnen. Allerdings bestehen für einen Erfolg dieses Ansinnens einige Hindernisse. Die Geschichte beider Firmen ist eine Geschichte von Übernahmen und Zusammenschlüssen. Beides hat die Mittelabflüsse und teils mäßige Performance der Produkte in jüngster Zeit nicht verhindert. Warum sollte nun gerade ein Mega-Deal helfen?

Bei Fusionen ist die Aussicht auf mögliche Kostensenkungen immer ein wichtiges Argument. Im konkreten Fall steht auch dahinter ein Fragezeichen: Denn zum einen soll die Autonomie jeder Organisation wie die Struktur von Legg Mason mit einer Reihe selbstständig operierender Investmentfirmen erhalten bleiben. Wie man bei solch einem Deal die „kollektive Stärken“, wie es in der Mitteilung heißt, ausnutzen will, bleibt abzuwarten.

Muss sich auch die DWS einen Partner suchen

Möglicherweise könnten die Fusionspartner ihr Geschäft mit börsennotierten Indexfonds (ETF) zusammenlegen und damit stärken. Denn bislang spielen beide in diesem Segment keine wichtige Rolle. In der gemeinsamen Erklärung der beiden Gesellschaften taucht das Wort ETF allerdings nicht auf.

In jedem Fall wird die Fusion über die USA hinaus an Bedeutung haben und auch in Europa den Konsolidierungsdruck in der Branche erhöhen. Dies betrifft insbesondere den nach verwalteten Vermögen größten deutschen Assetmanager DWS. Mit 767 Mrd. Euro droht die die Deutsche Bank-Tochter den Anschluss zu verlieren an die globale Spitzengruppe. In der Vergangenheit war ein Zusammengehen der DWS mit dem Vermögensverwalter der Schweizer Großbank UBS spekuliert worden. Allerdings ist die DWS durch ihr starkes ETF-Geschäft unter der Marke Xtrackers besser für den Kostenwettbewerb in der Branche gerüstet als viele andere Anbieter.

 


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