Capital-TestFondsranking: Wie sich Aktivfonds im Corona-Jahr schlugen

Zum zehnten Mal ermittelte Capital die besten Fonds des JahresJiaqi Wang

In Jahren wie diesen schlägt eigentlich die Stunde der aktiven Fondsmanager: Denn im Blitzcrash von 2020 konnten sie beweisen, wie nervenstark und umsichtig sie sind – und anschließend durch geschicktes Investieren ausnutzen, dass die Märkte abrupt wieder steigen, bis heute. Wobei sich inzwischen ein großer Wechsel vollzogen und eine Branchenrotation stattgefunden hat: Aktien, die noch im Sommer 2020 rasant zulegten, schwächeln inzwischen, Techaktien etwa. Dafür ziehen nun die Kurse der konservativeren Papiere viel stärker wieder an. Und die Arbeit eines guten Managers ist es ja gerade, die Aktien mit unausgeschöpftem Potenzial herauszufiltern und die hochgepushten wieder abzustoßen. Genau das aber fiel etlichen Fondsmanagern in den vergangenen zwölf Monaten recht schwer, wie das neue Capital-Fondsranking zeigt, das zum zehnten Mal vom Fonds- und Analysehaus Greiff Research Institut erstellt worden ist.

Die neue Capital ist im Handel

Zudem brachte die aktive Auswahl den Fondsmanagern wenig Vorteile gegenüber den Passivfonds, erklärt Olaf Stotz, Professor für Asset Management von der Frankfurt School of Finance: „Die übertriebenen Bewertungen vieler Aktien konnten aktive Fondsmanager gar nicht für sich ausnutzen, zumindest nicht als Long-Anleger“, also mit dem Ansatz, Aktien zu kaufen und dauerhaft zu halten. „Dazu hätten sie schon Aktien shorten müssen, also auf fallende Kurse setzen.“ Für aktive Fonds war es deshalb 2020 gar nicht so leicht, ihre Vergleichsindizes zu schlagen. Aber es war auch nicht unmöglich. Denn etliche Fonds schafften es sehr wohl. Und das, obwohl der MSCI World auf Jahressicht immerhin 38 Prozent zulegte. Eine hohe Bürde also für globale Aktienfonds.

Der diesjährige große Fondstest zeigt aber nicht nur, welche aktiven Fonds im Coronajahr noch souveräner liefen als die Indizes. Welche also durch eine besonders aktive Titelauswahl mit Überrendite glänzten. Sondern der Test legt erstmals offen, ob sich die Fondssieger des allerersten Greiff-Capital-Tests von 2011/2012 auch über den gesamten Zehnjahreszeitraum gut bewährten. Im Klartext: Hätten sich die empfohlenen Fonds von damals im Rückblick für den Leser gelohnt?

Nicht auf Trendthemen setzen

Das Ergebnis dieser Auswertung ist beeindruckend: Viele der Top-Fonds, die wir damals empfahlen, hielten sich tatsächlich bis heute in den Siegerlisten und hängten ihre Konkurrenz ab. Zwar schlugen nicht alle damaligen Sieger auch in den Folgejahren den Markt, doch diejenigen die es schafften, übertrumpften ihn recht deutlich: Sie lieferten in der Spitze einen Mehrwert von 141 Prozent über zehn Jahre – im Vergleich zu einer reinen Index-Anlage. Der durchschnittliche Mehrwert der Siegerfonds von 2011/12 liegt auf Zehnjahressicht bei 17 Prozent, das entspricht – wegen des Zinseszinses – einer jährlichen Überrendite von rund 1,6 Prozent.


Auf C+ finden Sie das Fondsranking mit umfangreichen Tabellen, die alle Siegerfonds aus den unterschiedlichen Kategorien zeigen


Welche Fonds die Besten von heute sind, das verrät die diesjährige Siegerliste, und die hielt für Greiff-Chef Volker Schilling einige Überraschungen parat: Denn es gab zum einen sehr viele Sieger und auch sehr viele Neuzugänge. Letzteres ist für Schilling ein deutliches Warnzeichen: „In dem Ausmaß haben wir das zuletzt im Jahr 2000 erlebt“, sagt er, „meist passiert es in der Endphase der Euphorie im Fondsbusiness.“

Von daher ist es gerade jetzt wichtig, nicht einfach auf ein Trendthema aufzuspringen und einen Fonds vor allem nicht nur nach seiner Vergangenheitsrendite auszusuchen, mahnt auch Asset-Management-Forscher Olaf Stotz: „Gerade bei den Technologiefonds denken viele Menschen: Das ist ein gutes Thema und deshalb ein gutes Investment. Aber sie beachten nicht, zu welchen extremen Bewertungsniveaus sie diese Fonds derzeit kaufen.“ Die Kurse sehr vieler Informationstechnologie-Aktien sind in seinen Augen stark überhitzt. Daher seien weitere Steigerungen in diesem Maße extrem unwahrscheinlich. Zudem würden Geldstraffungen der Notenbanken besonders diesen überbewerteten Marktbereichen einen Dämpfer verpassen. Bezeichnenderweise schafften es auch nur sehr wenige Themenfonds in die diesjährige Siegerliste.

Die 10-Jahres-Betrachtung ist wichtig

Überraschend viel Ertrag erzielten US-Aktienfonds, die zuletzt ebenfalls einen guten Lauf hatten. Aber – das ist ebenfalls eine Überraschung – auch mit europäischen Aktienfonds waren in der Spitze rund 15 Prozent Jahresrendite auf lange Sicht drin.

„Gerade die Aktivität eines Fonds ist dabei ein guter Schätzer für seine zukünftige Performance“, sagt Schilling. Daher sollten Anleger den Finger entlang der Spalte „Information Ratio 10 Jahre“ wandern lassen, um aussichtsreiche Fonds auszumachen. Rückblickend schlugen sich viele Überaktive jedenfalls erstaunlich stetig, belegt die 10-Jahres-Liste. Wer sich einen Überflieger aus dieser Liste aussucht, der kann zumindest bei künftigen Marktabstürzen darauf hoffen, „dass sich seine Leidensphase verkürzt“, sagt Schilling. Denn solche Siegerfonds werden wohl durch aktives Handeln alles daran setzen, danach bald wieder zu den Siegern zu gehören.