Interview Fondsmanager Jan Beckers zum Tech-Beben: „Wir legen nach“

Jan Beckers
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Seit Wochen verlieren Tech-Titel an Boden. Auch das Fondshaus BIT Capital, in den Vorjahren noch gefeiert, bekommt das zu spüren. Gründer Jan Beckers sieht den Dämpfer allerdings als Chance – und will Millionenbeträge nachlegen

Jan Beckershat die Berliner Start-up-Szene mitgeprägt, seit 2019 investiert er als Fondsmanager in Techaktien. 2020 und im ersten Halbjahr 2021 gehörten seine Fonds zu den Top-Performern in Europa.

Tech-Werte haben es schon seit ein paar Monaten schwer. Zuletzt sind auch die Kurse vieler Big-Tech-Aktien eingebrochen. Wie blicken Sie auf diese Entwicklung?

JAN BECKERS: Das interessante Ereignis, das man jetzt gerade sieht, ist: Wir haben aktuell mehr als 500 Unternehmen im Nasdaq, die mehr als 80 Prozent ihres Wertes im Vergleich zum Höchststand von 2021 verloren haben. Das sind viele Unternehmen, die gleichzeitig gut und besser als die Erwartungen der Analysten gewachsen sind. Das heißt: Sie sind im Ergebnis im Vergleich zu vorher noch mal günstiger geworden, als es jetzt nur der 80-prozentige Abschlag belegt. Das ist eine Entwicklung, die ist wirklich massiv.

Warum?

Viele dieser Werte haben den Höchststand in Q1 oder Q2 letzten Jahres erreicht, sind dann leicht heruntergeglitten und haben ab November mit voller Inflations- und Zinsangst einen regelrechten Crash erfahren. Wenn man das für den Nasdaq betrachtet, ist der ohne die sieben größten Werte letztes Jahr ordentlich gefallen und mit den sieben größten Werten ordentlich gestiegen. Das heißt im Grunde: Apple und Amazon, Google, Facebook und Co. haben den ganzen Index oben gehalten und darunter gab es starke Verwirbelungen.

Ihre Fonds sind in den letzten Monaten dadurch auch gebeutelt worden. Wie haben Ihre Anleger und Investoren darauf reagiert?

Es ist für uns alle natürlich schmerzhaft, wenn fast jede Aktie, die wir in unserem Universum haben könnten, teilweise massiv nach unten zeigt. Das ist auch für uns nicht schön, gehört aber leider dazu. Das Gute ist, unsere Anleger sind größtenteils ziemlich „mature“.

Inwiefern?

Wir haben in Webinaren und Podcasts versucht zu erklären, was da passiert ist und Beispiele gezeigt. Viele haben die Marktphase als eine Opportunity gesehen und nutzen sie. Die Daten und die Kursverläufe der Unternehmen geben das her. Für Anleger, die verstanden haben, wie günstig teilweise die Unternehmen im Portfolio sind, ist es beruhigend, weil sie wissen: Das kommt wieder an der Stelle.

Welche Titel haben denn zuletzt verdient an Boden verloren und welche nicht?

Es gibt natürlich Titel, die wurden zu Recht abgestraft wie Peloton, wo Management- und handwerkliche Fehler gemacht wurden. Aber es gibt auch Unternehmen wie beispielsweise Upstart. Upstart ist eine AI-Landing-Plattform und hat ihren Umsatz im letzten Jahr um 245 Prozent steigern können. Seitdem hat das Unternehmen trotzdem in der Spitze mehr als 80 Prozent des Wertes eingebüßt – obwohl Upstart alle Prognosen und Erwartungen der Analysten übertroffen hat. Hier sehen wir eine Übertreibung, die sich im Laufe der Zeit korrigieren wird.

Gibt es denn bestimmte Aktien, die für diese Entwicklung besonders anfällig waren?

Unternehmen, die weniger lange an der Börse sind und die tendenziell schneller wachsen, traf in der Breite ein Abverkauf. Wenn man beispielsweise in die USA guckt, war der bekannteste Fonds dieser Art, Ark, eben wegen dieser Entwicklung schon 2021 stark im Minus – und jetzt noch mal stärker. Wir haben es geschafft, dass unsere Fonds, die seit Jahresanfang dabei waren, 2021 ein zweistelliges Plus erzielen konnten. Der BIT Global Leaders brachte für seine Anleger über 30 Prozent Rendite ein.

Stichwort Ark – Fondsmanagerin Cathie Wood hat bereits die Parole ausgegeben, dass man jetzt erst recht in günstige Tech-Werte investieren soll. Hat Sie damit Recht?

Jetzt oder in den nächsten Wochen und Monaten wird man in gute Tech-Titel reinkommen zu Preisen, die in den letzten fünf Jahren nicht für möglich gehalten wurden – und die es wahrscheinlich in den nächsten fünf Jahren nicht mehr so geben wird. Das sehen wir ganz genauso. Das sieht fast jeder, der in diesem Umfeld investiert.

Wann wird das so weit sein?

So genau kann man es mit dem Timing nie sagen. Als mittel- und langfristig orientierte Anleger haben wir als BIT Capital gerade einen zweistelligen Millionenbetrag nachinvestiert. Ich selber habe einen zweistelligen Millionenbetrag persönlich investiert und investiere weiter in den nächsten Wochen.

Welche Branchen und Bereiche haben denn das meiste Potential?

In vielen Fällen hat es Fintech überproportional hart getroffen und in ganz vielen Fällen davon auch sehr, sehr ungerechtfertigt. Hier werden wir die Opportunities zu nutzen wissen. Auch bei Software sehen wir seit langem wieder interessante Opportunities. Wir haben vorher fast nicht mehr in Software investiert. Viele der Unternehmen sind in den letzten Jahren einfach zu teuer geworden. Aktuell haben einige massiv an Wert verloren, obwohl sich nicht unbedingt etwas an ihren Geschäftsaussichten verändert hat.

Wie sieht es denn mit Blick auf chinesische Tech-Titel aus?

China hat seine ganz eigenen Risiken. Diese Risiken sind vielfach eingepreist. Man muss in China aber ein Risikoaufschlag nehmen. Das heißt, man muss eine zusätzliche Safety-Margin bei seinen Investments haben, weil die Risiken der Regulatorik durchaus real sind.

Auch Krypto hat in den letzten Monaten an Wert eingebüßt. Was sind hier Ihre Erwartungen für die nächsten Monate auch mit Blick auf die beiden Krypto-Fonds von BIT Capital?

Krypto hat sich 2021 – mit allen Aufs und Abs – gut entwickelt. Erst als Inflation und Zinsen die dominierenden Themen wurden begannen die Kurskorrekturen. Da es vielfach ähnliche oder die gleichen Investoren sind, die Tech verstehen und auch in Krypto investieren, gibt es in diesen Phasen eine hohe Korrelation. Nichtsdestotrotz hat sich die Technologie gut weiterentwickelt, die Anzahl der Nutzer ist deutlich gestiegen und das regulatorische Risiko hat weltweit abgenommen. Man weiß nie ganz genau, was kurzfristig passiert, aber es gibt eine hohe Wahrscheinlichkeit dafür, dass jetzt wiederum ein guter Einstiegszeitpunkt da ist.

Was heißt das für BIT Capital – ist geplant, auch bei Krypto wieder stärker einzusteigen und nachzuinvestieren?

Auf jeden Fall: Wir haben auch mit dem BIT Global Crypto Leaders-Fonds vor nicht allzu langer Zeit zugelegt. Man sollte aber bei Krypto im Kopf haben: Die potenzielle Upside ist hoch, die Downside ist potenziell aber auch immer höher als bei Aktien. Insofern halten wir es für gut, ein breiteres Portfolio zu haben. Unsere Anlagestrategie lautet deshalb: Wir investieren in bewährte Krypto-Unternehmen und wir investieren in die bewährten Coins. Das ist der Sweet Spot: Hier sind überproportionale Returns möglich ohne die vielen Totalausfälle, die es bei Krypto geben wird.

Wie wird die Fed-Zinserhöhung, die jetzt im März ansteht, die Kurse beeinflussen?

Ich kann vor allen Dingen aus Sicht unserer Equity sprechen: Da sind Unternehmen, die unter ihrem tangiblen Buchwert traden oder sie zuletzt 80 Prozent verloren haben, obwohl sie sehr solide Zahlen geliefert haben. Die Zinsen müssten bei einem ganz anderen Level stehen, um das zu rechtfertigen. Wir maßen es uns nicht an die absoluten Makro-Spezialisten zu sein, aber wir sind ziemlich gut darin, Unternehmen zu finden, die kontinuierlich wachsen. Wir können uns wenige Szenarien vorstellen, wo diese Unternehmen gleichzeitig wachsen und dabei günstiger werden. Insofern legen wir nach und hoffen, viele Anleger können das ebenfalls nachvollziehen und sind mit uns am Ende auf der Gewinnerseite.

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