Interview Facebook begräbt Kryptowährung – was bleibt von Diem?

Meta-CEO Mark Zuckerberg sagt vor dem Justizausschuss des US-Senats aus
Meta-CEO Mark Zuckerberg sagt vor dem Justizausschuss des US-Senats aus
© IMAGO / MediaPunch
Für Facebook war die Digitalwährung Diem ein Megaprojekt, viele namhafte Partner beteiligten sich. Doch auf Druck der Regulatoren dampfte der Konzern sein Krypto-Projekt immer weiter ein. Jetzt soll Diem komplett verschwinden – und die Reste verkauft werden

Gescheitert ist das ambitionierte Kryptoprojekt an den Aufsichtsbehörden. Die umstrittene Digitalwährung Diem, die einst vom sozialen Netzwerk Facebook (heute: Meta) initiiert wurde, löst sich einem Bericht von Bloomberg zufolge auf. Laut Insidern will man die Vermögenswerte verkaufen, um den zahlreichen Investoren zumindest etwas zurückzugeben – außer des großen Reputationsschadens.

Meta, das zu dem Zeitpunkt noch Facebook hieß, hatte 2019 Partner wie Paypal, Visa, Mastercard oder Stripe zusammengetrommelt, um eine eigene Währung zu erschaffen. Allen war sofort klar, welche Macht für Facebook aus dem Mega-Projekt erwachsen könnte – die Politik war alarmiert.

Anfang 2020 gab das Projekt dem Druck der Behörden nach, es wollte künftig auf den „gemischten“ Währungskorb aus Dollar, Euro, Pfund, Yen und Singapur-Dollar verzichten, wie damals Finance Forward exklusiv berichtete. Stattdessen sollte Libra, wie das Projekt anfangs hieß, jeweils nur an eine Währung gekoppelt werden. Später verkleinerte man das Projekt nur auf eine Dollar-Basis. Das Projekt wechselte von der Schweiz in die USA, der Kopf David Marcus verließ das Unternehmen.

Jetzt ist es offenbar komplett vorbei: Die kalifornische Bank Silvergate soll die Diem-Technologie für 200 Mio. Dollar kaufen, berichtet das „Wall Street Journal“ . Sie kooperierte seit einiger Zeit mit dem Facebook-Projekt.

Über die wichtigsten Fragen, die sich daraus ergeben, hat Finance Forward mit dem Krypto-Experten und Podcast-Host Alexander Bechtel am Mittwochnachmittag gesprochen.

Wie ist der Zustand von Diem aktuell?

Letztlich handelt es sich derzeit nur noch um einen Stablecoin, der an den US-Dollar gebunden ist. Davon gibt es aber schon mehrere. Das Alleinstellungsmerkmal war die Ausrichtung auf grenzüberschreitende Zahlungen und finanzielle Inklusion. Hier ist die Diem-Association aber am Regulator gescheitert. Wenn Meta das Projekt nun verkauft, ist Facebook ja aller Wahrscheinlichkeit nach komplett raus. Ohne den Netzwerkeffekt der namhaften Partner, von denen das Projekt gelebt hat, bleibt eigentlich nur doch die Technologie, die Marke und das geistige Eigentum. Schwer zu sagen, welchen Wert diese Dinge besitzen, vor allem, da die Marke ja schon sehr gebeutelt ist. Nicht umsonst hat man sich damals von Libra zu Diem umbenannt.

Jetzt soll die kalifornische Bank Silvergate Diem übernehmen. Was könnte sie damit vorhaben?

Silvergate war als potenzieller Issuer von Diem schon in das Projekt eingebunden und dadurch ein natürlicher Kandidat. Ich glaube nicht, dass Silvergate das von langer Hand geplant hat, sondern sie haben jetzt die Gelegenheit genutzt. Generell gibt es schon ein starkes Wachstum im Stablecoin-Markt. Die große Herausforderung ist aber die Regulierung. Es gibt bis heute keinen Stablecoin, der voll reguliert ist. Dadurch ist durchaus noch im Platz im Markt. Und in diese Nische will Silvergate nun hineingehen. Meta beziehungsweise Facebook hat vermutlich erkannt, dass das Projekt so weit weg war von der ursprünglichen Idee eines globalen Stablecoins, dass sie sich nun lieber auf andere Dinge fokussieren wie das Metaverse. Aus dem riesengroßen Libra-Projekt ist nun ein relativ kleines Stablecoin-Projekt geworden – weswegen es auch nicht so ungewöhnlich ist, dass nun ein vergleichsweise kleiner Player wie Silvergate es weiterbetreiben will.

Was genau übernimmt Silvergate da?

Welche Assets genau verkauft werden sollen, ging aus der bisherigen Berichterstattung nicht hervor. Die Technologie und das geistige Eigentum besitzen durchaus einen Wert. Diem hat seine eigene Blockchain inklusive Programmiersprache namens Move gebaut. Bislang habe ich davon nur Positives gehört. Der Käufer oder die Käuferin sollte vor allem darauf achten nicht das durchaus angekratzte Image mitzukaufen.

Als anderer potenzieller Käufer wurde Paypal genannt. Was hätte das US-Fintech mit Diem anfangen können?

Für Paypal wäre es ein Fast-Track zum Stablecoin gewesen, da Technologie und Wissen direkt mitgekauft werden. Allerdings kenne ich Paypals Pläne nicht und kann daher nicht einschätzen, ob das technische Setup überhaupt zur Strategie von Paypal passt.

Icon1

Kennen Sie schon unseren Newsletter „Die Woche“ ? Jeden Freitag in ihrem Postfach – wenn Sie wollen. Hier können Sie sich anmelden


Mehr zum Thema



Neueste Artikel