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Pleitekonzern Finger weg von der Wirecard-Aktie – trotz Kurshoch

Symbolbild: Wirecard
Symbolbild: Wirecard
© Alexander Pohl / IMAGO
Die Aktie des insolventen Zahlungsdienstleisters Wirecard erlebt zum Jahresanfang ein Kurshoch an den Märkten. Anleger sollten von den Aktien aber weiterhin die Finger lassen

Seit Jahresanfang ist der Kurs der Wirecard-Aktie deutlich im Plus und erlebt vor allem zum Wochenanfang einen Höhenflug: Am Dienstag erreichte die Aktie zwischenzeitlich einen bisherigen Höchstwert bei 1,72 Euro . Zum Vergleich: Als die Börsen am 4. Januar öffneten waren es noch 30 Cent pro Titel. Zum Dienstagabend schloss die Aktie schließlich bei 1,04 Euro – mit einem Gewinn von 112 Prozent. Am Mittwoch ging es zwischenzeitlich bis auf 1,30 Euro.

Wirecard-Aktie


Wirecard Aktie Chart Kursanbieter: L&S RT Das Handelsvolumen ist seit Wochenbeginn deutlich höher als noch Ende 2020. Dem Handelsblatt zufolge wurden seit September durchschnittlich 1,3 Millionen Titel pro Tag ver- und gekauft. Am Montag stieg diese Summe um fast das Zehnfache an. Am Dienstag wurden sogar rund 70 Millionen Aktien gehandelt – und auch am Mittwoch lag das Volumen bis zum frühen Nachmittag bei 23 Millionen Stück. An der Stuttgarter Börse galten Wirecard bis zum frühen Nachmittag sogar als die meistgehandelten Aktien.

Spekulationen in den Sozialen Medien

In den sozialen Medien sorgt das Kurshoch des Skandalkonzerns für Erstaunen und Misstrauen, ist die Aktie seit Bekanntwerden des Bilanzbetrugs durch den Zahlungsdienstleister doch vor allem durch ihren Fall ins Bodenlose in Erinnerung geblieben: Nach der Verweigerung des Testats durch Wirtschaftsprüfer EY am 18. Juni verlor die Aktie binnen 24 Stunden um fast 70 Prozent an Wert . Danach sank der Kurs – verstärkt durch weitere Enthüllungen – unermüdlich weiter, bis er zum Jahresende mit 30 Cent seinen bisherigen Tiefstand erreichte.

Auf Twitter fragten erste User daher schon am Montag, was es mit dem plötzlichen Kursplus auf sich habe.

Und auch bei Instagram posteten Nutzer erstaunt die Kurs-Charts der vergangenen Tage:

Mit der Lage beim insolventen Zahlungsdienstleister hängen die jüngsten Entwicklungen jedenfalls nicht zusammen: Mittlerweile wird der Konzern abgewickelt, sein ehemaliger Chef Markus Braun sitzt in Untersuchungshaft, Ex-Vorstand Jan Marsalek ist auf der Flucht und wird per Haftbefehl gesucht. Schlagzeilen über Wirecard sind ausschließlich negativ und hängen mit neuen Enthüllungen rund um den Bilanzbetrug zusammen.

Einige Social-Media-Nutzer vermuten hinter dem Kurshoch daher Shortseller, die auf die Entwicklung der Wirecard-Aktie Wetten abgeschlossen haben könnten. Die erhöhte Nachfrage sei demnach eine Folge des Versuchs, die Leerverkäufe zu schließen. Dagegen spricht allerdings, dass die bislang geshorteten Aktien nur einen Bruchteil des zuletzt gehandelten Volumens ausmachen. Dem Handelsblatt zufolge ist der Anteil der geshorteten Aktien außerdem seit dem Sommer auf einem hohen Niveau – obwohl die Aktie schon damals den Großteil ihres Wertes verloren hatte. Demnach setzt ein Großteil der Shortseller auf ein weiteren Kursverfall – und damit einen genau gegensätzlichen Trend.

Stattdessen rücken zunehmend Spekulanten und sogenannte Daytrader in den Blick. Sie versuchen von den Kursschwankungen an der Börse zu profitieren, indem sie binnen kurzer Zeit Aktien kaufen und wieder verkaufen. Gerade Pennystocks – Aktien mit einem Kurs unter einem Euro – sind beliebt bei solchen Spekulationen. Aber auch hier reicht der Erkenntnisstand bislang nicht über Vermutungen hinaus.

Für Anleger gilt: Finger weg von der Wirecard-Aktie

Auch wenn die Gründe für das überraschende Kurshoch vorerst ungeklärt bleiben, sollten sich Anleger auf keinen Fall zum Kauf der Wirecard-Aktie verleiten lassen. Schon Ende Juni mahnte Frankfurt-Korrespondent Stefan Schaaf auf Capital.de: „Finger weg von den Wirecard-Überresten am Kapitalmarkt, also der Aktie und der einen ausstehenden Anleihe.“

Was noch an Substanz in dem Unternehmen stecke, gehe im Zuge der Abwickung an Finanzamt und Sozialversicherungen. Dann würden die Gläubiger bedient. Ob dann noch etwas für die Anleihen-Investoren übrig bleibe, sei ungewiss. Viel könne es aber nicht sein und man werde Jahre auf die Zahlungen warten müssen. Leer ausgehen würden in jedem Fall die Aktionäre, die als Eigentümer der Firma noch hinter den Gläubigern kommen.

An diesem Fazit hat sich auch ein halbes Jahr später nichts geändert: Die Wirecard-Aktie ist nahezu wertlos – und das wird auch so bleiben.

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