Geldanlage5 Lehren für Privatanleger aus dem Wirecard-Desaster

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Symbolbild GeldanlageGetty Images

Irgendwann im Frühjahr, als alle mehr oder minder zu Hause festsaßen, erreichte die Redaktion der Anruf eines Lesers. Er habe etwas Geld gespart und wolle in zwei Jahren eine Wohnung kaufen. Bis dahin könnte er doch, so der Privatanleger, das Geld in die Wirecard-Aktie stecken, dann werde seine Hypothek doch deutlich kleiner ausfallen. Das Unternehmen sei schließlich die Zukunft, und der Kurs solle sich auf 1000 Euro in den nächsten Jahren verzehnfachen. Das habe er gehört, selbstverständlich aus sicherer und vertraulicher Quelle.

Der Leser hat hoffentlich den Rat befolgt, das Geld für zwei Jahre auf dem Tagesgeldkonto zu belassen. Ansonsten hat er nicht nur seine Immobilienfinanzierung geschrottet, sondern gehört zu der großen Zahl deutscher Privatanleger, die mit Wirecard sehr viel Geld verloren haben. Damit sich das beim nächsten Hype möglichst nicht wiederholt, sollten diese fünf Lehren aus der Pleite des Dax-Unternehmens für die Geldanlage befolgen.

#1 Die Basics beherzigen: Diversifikation und Geduld

Die wohl wichtigste Anlageregel, auf die Capital auch immer wieder hinweist, lautet: breit streuen, in der Sprache der Finanzmärkte Diversifikation genannt. Dahinter steckt die Idee, dass jede einzelne Anlage ihre spezifischen Risiken und Chancen hat. Läuft es bei der einen Anlage einmal schlecht, entwickelt sich eine andere besser. Klassischerweise wird ein Portfolio deshalb auf risiko- und ertragsstarke Aktien sowie risiko- und ertragsarme Anleihen aufgeteilt In Zeiten negativer Renditen für Staatsanleihen gilt dies zwar nur noch eingeschränkt – aber grundsätzlich noch immer, wie sich während des Einbruchs der Aktienmärkte im März zeigte.

Doch auch für den in Aktien angelegten Teil des Geldes gilt das alte Börsianer-Wort: Nicht alle Eier in einen Korb. Mit anderen Worten: Nicht alles auf eine Aktie setzen. Geht der Einsatz mit einer Aktie gut, dann ist die Rendite zwar hoch. Aber: Geht das Investment in die Hose, dann ist auch alles Geld weg. Wer die Hälfte seines Geldes in Wirecard gesteckt hat, der hat binnen einer Woche auch die Hälfte verloren – aller Voraussicht nach sogar für immer. Wer nur fünf Prozent in Wirecard angelegt hatte, der verliert nur fünf Prozent – und weil eine andere Aktie gleichzeitig gut lief, ist das Depot sogar im Gleichgewicht.

Nun ist es aber eher unwahrscheinlich, dass viele Aktien sich als solche Gurken wie Wirecard erweisen. Eine breit gestreute Anlage in unterschiedliche Aktien reduziert deshalb die Risiken stark. Und weil es viel Zeit und auch Geld kostet, sich einen guten Korb zusammenzustellen, gibt es die Komplettlösung, einen Aktienfonds. Bei einem aktiven Fonds teilt man sich dann diese Kosten für die Suche nach guten Aktien mit anderen. Wobei, trotzdem sind viele aktive Aktienfonds teuer und liefern dafür eine schlechte Performance ab.

Günstiger sind börsengehandelte passiven Fonds, die ETF. Sie folgen einem Index wie dem wichtigsten deutschen Aktienindex, dem Dax, oder dem US-Leitindex S&P 500. Capital rät zu einer breiten Anlage in den Industrieländer-Aktienindex MSCI World, der 1600 Aktien enthält und dem die Pleite seines Mitglieds Wirecard-Pleite schnuppe sein kann.

Die Anlage in ETF führt zur zweiten Basisregel: Geduld. Wer vor zehn Jahren in einen Dax-ETF eingestiegen ist, hat jedes Jahr im Schnitt fast sieben Prozent (einschließlich Dividenden) verdient. Nach zehn Jahren hat sich der Einsatz damit fast verdoppelt. Das ist ordentlich und auf jeden Fall weniger riskant als nur eine oder wenige Aktien zu kaufen. Wer damit zufrieden ist, der darf von hier an gern zur Unterhaltung weiterlesen. Wer mehr möchte, den erwarten noch vier weitere Tipps.