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Dani Parthum Ehefinanzen: Entmündigen Sie sich nicht aus Bequemlichkeit selbst

Dani Parthum
Dani Parthum
© Tom Salt
Arbeitsteilung in der Ehe und in Beziehungen ist praktisch und gut. Dabei hapert es aber oft, etwa bei der so wichtigen Finanzplanung und Altersvorsorge. Diese überlassen viele Ehefrauen ihren Männern – und entmündigen sich damit selbst

Zwei schnelle Fragen: Wie hoch ist Ihr Ehevermögen? Wie und wo ist es angelegt und welche Rendite bringt es? Wissen Sie es auf Anhieb? Und: Welche Anteile des Vermögens sind für die Altersvorsorge und wer hat Zugriff darauf?

Sehr viele verheiratete Frauen ziehen bei solchen Fragen Augenbrauen und Schultern hoch. „Darum kümmert sich mein Mann“, heißt es ausweichend. „Ich habe davon zu wenig Ahnung.“ Und das Thema hat sich erledigt. Vermeintlich. Bis zu dem Tag, an dem einer die Ehe beendet, mit Rentenbeginn kaum Geld da ist trotz hoher Einkommen oder der Ehemann überraschend stirbt. Wie bei der Freundin einer Bekannten.

Der tödliche Unfall stellte die 70-Jährige von heute auf morgen vor die Aufgabe, die ehelichen Finanzen zu regeln. Welche Gelder auf welchen Konten lagen und worin der Ehemann investiert hatte – alles das wusste sie nicht. Das Ehepaar gehörte zu den Besserverdienern, beide Akademiker. Die langfristigen Finanzentscheidungen waren in seinem Verantwortungsbereich gelandet, die täglichen Finanzen hatte sie im Blick. Als ihr klar wurde, wie abhängig und unwissend sie die Ehejahrzehnte gewesen war, und sie das meiner Bekannte schilderte, mündete diese Erkenntnis in dem empörten Ausruf: „Er hat mich entmündigt!“

„Er hat mich entmündigt!“ Wirklich?

Hatte er das? Oder hat sie seine Bereitschaft, das Finanzielle der Ehe zu regeln, stillschweigend angenommen, weil es komfortabel für sie war? Zum Entmündigen gehören in der heutigen Zeit zwei. Das Eherecht schreibt nichts dergleichen mehr vor – wie noch bis in die 1960er-Jahre, als der Ehemann das ausschließliche Recht hatte, das gemeinsame Vermögen und das Vermögen der Ehefrau zu verwalten. Die Ehefrau war per Gesetz entmündigt. Rechtlich gesehen ist das Vergangenheit. Realität ist es trotzdem in Deutschland.

In einer repräsentativen Befragung von UBS Investor Watch 2019 gaben 60 Prozent der befragten Frauen in Deutschland an, in ihrer Ehe die Verantwortung für Finanzplanung und Vorsorge an ihre Männer abgegeben zu haben. Frauen entmündigen sich folglich selbst, wenn sie ihren Männern allein die Altersvorsorge und ehelichen Finanzen überlassen.

Gerade jüngere Frauen geben Finanzplanung ab

Und das ist kein Phänomen älterer Ehepaare. Auch in jungen Beziehungen kümmern sich vor allem Männer um das Finanzielle. In derselben Befragung gaben sogar 63 Prozent der Frauen zwischen 20 und 34 Jahren an, langfristige Finanzentscheidungen an den Mann abgegeben zu haben. Eine Begründung: Dann habe ich mehr Zeit für die Kinder. Eine andere: Mein Mann kennt sich mit Geldanlage besser aus. Eine weitere: Jeder erledigt das, was er oder sie am besten kann.

Keine dieser Begründungen überzeugt mich. Aufgaben teilen in der Ehe ist richtig, muss aber so partnerschaftlich sein, dass auch die Frau Zeit für existentielle Entscheidungen findet. Bei der eigenen Vorsorge hört dieses Delegationsprinzip ohnehin für mich auf. Diverse Auswertungen und die Praxis belegen zudem, dass Männer nicht unbedingt mehr über Finanzen wissen als Frauen. Sie trauen sich nur mehr zu. Entsprechend riskant und schlecht sehen ihre Wertpapierdepots und ihre Anlageerfolge aus. Frauen könnten hier glättend eingreifen, das Risiko rausnehmen und mehr Umsicht walten lassen.

Wir Frauen werden heute in Partnerschaften nur noch dann finanziell entmündigt, wenn wir es zulassen. Ob aus Bequemlichkeit, falsch verstandener Rücksichtnahme oder eigenem, tradierten Rollenverständnis. Die eigene Existenzsicherung gehört in den persönlichen Kontrollbereich. Immer. Vermögensaufbau ist Chefsache – für Frau und Mann. Natürlich gern im Dialog mit dem Menschen, mit dem wir unser Leben teilen. Alles diskutieren, sich gegenseitig informieren und gern auch auswählen. Warum nicht. Und anschließend bitte getrennt umsetzen auf den jeweils eigenen Depots.

Getrennte Depots sichern eigene Altersvorsorge

Ich bin keine Freundin gemeinsamer Depots. Weil dadurch jeder unbeschränkten Zugriff auf die Wertpapiere hat und mit wenigen Klicks alles verkaufen kann. Und futsch ist die Altersvorsorge – um nur einen „worst case“ von unzählig denkbaren zu nennen, wie generelle Fehlinvestitionen, hochriskante Geldanlagen mit Totalverlust bis hin zu überteuerten Versicherungen und Beteiligungen mit Nachschusspflichten.

Aber auch beim Immobilienkauf ist es wichtig hinzusehen. Da steht oft allein der Mann im Grundbuch als Eigentümer. Er kann damit die Immobilie ohne Zustimmung der Ehefrau verkaufen. Wird ein Haus in der Ehe angeschafft und abbezahlt, gehört es beiden, niedergeschrieben je zur Hälfte im Grundbuch.

Frauen sind als Anlegerinnen besonnen, gut informiert, risikobewusst

Das Paradoxe ist: Sind Frauen plötzlich gezwungen, sich um die ehelichen Finanzen zu kümmern, merken sie rasch, wieviel Freude es bringt, Bescheid zu wissen und zu entscheiden. Diese finanzielle Unabhängigkeit verleiht Zuversicht und steigert das Selbstvertrauen. Frauen sind statistisch gesehen zudem die erfolgreicheren Anlegerinnen, weil sie besonnen, gut informiert und risikobewusst investieren. Warum diese Fähigkeit brachliegen lassen?

Entmündigen Sie sich in Ihren Beziehungen finanziell nicht selbst, damit Sie nicht böse erwachen und es bitter bereuen, wenn es zu spät ist und Sie im Alter ohne finanzielle Absicherung dastehen. Wir sollten uns das zu Herzen nehmen, was Witwen und geschiedene Frauen ihrem jüngeren Ich raten würden: Kümmere dich selbst um dein Geld und deine Altersvorsorge; mach‘ dich nicht abhängig.

Dani Parthum ist Diplom-Ökonomin, Geldcoach, Finanzbloggerin und Buchautorin. Unter der Marke Geldfrau unterstützt sie Frauen dabei, ihre Angst vor Finanzen abzulegen und für sich selbst Strategien zu entwickeln, selbstbestimmt mit Geld umzugehen und Vermögen aufzubauen. Außerdem ist sie Teil der BRIGITTE Academy Masterclass Finanzen, einem achtwöchigen digitalen Finanz-Intensivkurs, und hilft den Teilnehmerinnen u.a. ihre ganz persönliche Geldbeziehung besser kennenzulernen: Jede Frau kann eine Anlegerin sein und ihre Finanzen selbst in die Hand nehmen!

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