ZinsenEZB-Entscheidung: Schlecht für Sparer, gut für Aktionäre

Der EZB-Turm
Der EZB-Turm in der AbenddämmerungGetty Images

Die geldpolitischen Beschlüsse der Europäischen Zentralbank (EZB) am Donnerstag waren keine Überraschung: die Notenbank hat kommuniziert, dass sie ihr Anleihenaufkaufprogramm zwar im Volumen reduziert, aber grundsätzlich fortsetzen wird. Ferner ließ sie durchblicken, dass die Leitzinsen noch lange auf dem aktuell extrem niedrigen Niveau liegen werden.

Was heißt das für Sparer, Anleger und Immobilienbesitzer? Erstere, die Sparer, haben in Deutschland traditionell eine starke Lobby. Für sie sind die Beschlüsse und der Ausblick keine guten Nachrichten. Wie hoch die Guthabenverzinsung bei Banken ist, hängt stark von jenem Einlagenzins ab, den die Banken selbst bei der EZB erhalten. Er ist aktuell negativ mit minus 0,4 Prozent, und Sparer können von Glück sagen, dass Banken diese Negativzinsen in der Breite nicht an Privatkunden weitergeben. Sie haben sich damit arrangiert, notfalls für kleinere Guthaben ihrer Kunden bei einem starken Einlagenüberhang etwas draufzuzahlen, um keinen Imageschaden zu risikieren oder den Kunden auch für andere Geschäfte zu verlieren. Daran dürfte sich in der nahen Zukunft nichts ändern – an den Nullzinsen indes auch nicht.

Aktuell suggerieren die Zinserwartungen der Kapitalmarktprofis – man kann sie handeln genau wie Aktien oder Anleihen auch – dass die EZB frühestens in zwei Jahren damit beginnen wird, sich ihrerseits allmählich der Nulllinie bei den Einlagenzinsen für Banken zu nähern und diese auch erst 2020 wieder zu erreichen. Erst danach kann man überhaupt wieder über positive Sparzinsen reden. Die Ausführungen von EZB-Chef Mario Draghis am Donnerstag legen nahe, dass diese Erwartungen realistisch sind und so rasch nicht korrigiert werden müssen.

Wertpapierbesitzern wird das natürlich recht sein. Solange die kurzfristigen Zinsen in der Eurozone extrem niedrig sind und die Notenbank weiter Anleihen kauft, sind reale Vermögenswerte wie Aktien attraktiv.

Schwierige Rechnung für Hausbesitzer

Das gilt im Prinzip auch für Immobilienbesitzer und solche, die es vielleicht in den kommenden Jahren werden wollen. Für sie ist die Rechnung allerdings nicht ganz so einfach. Maßgeblich für die Zinsen eines Immobilienkredits sind weniger die kurzfristigen Zinsen, welche die Notenbank voll unter Kontrolle hat, sondern eher die mittelfristigen Zinsen, in Deutschland etwa die Rendite von Pfandbriefen und Bundesanleihen mit zehn Jahren Laufzeit.

Hier wird die Normalisierung der Renditen nicht noch Jahre dauern, sondern ist, kaum bemerkt, bereits in Gang. Zwar unter starken Zuckungen, aber trendstark schleicht sich etwa die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen seit rund eineinhalb Jahren nach oben: von Negativzinsen noch im Sommer 2016 auf 0,25 Prozent zum Jahreswechsel und nunmehr wieder knapp 0,5 Prozent, und das trotz der massiven Käufe durch die EZB. Diese Käufe werden nun reduziert, was die Renditen weiter klettern lassen könnte. Die Entwicklung der jüngeren Vergangenheit blieb auch nicht ohne Folgen für die Bauzinsen, von im Schnitt gut einem Prozent Zinsen für eine zehnjährige Zinsfestschreibung im vergangenen Herbst sind die Hypothekenzinsen wieder auf 1,4 Prozent gestiegen.

Das ist historisch immer noch ein sehr tiefer Wert. Zudem haben Warnungen vor steigenden Zinsen schon lange ihren Schrecken verloren, seit sich jeder Alarm diesbezüglich in den vergangenen Jahren als Fehlalarm herausgestellt hat und es eben doch meist noch einmal tiefer ging. Fest steht aber: gerade bei den mittel- und langfristigen Zinsen sind die Risiken derzeit schief verteilt: ein Szenario, in dem es nun noch einmal deutlich nach unten geht, ist nur schwer zu konstruieren. Denkbar wäre es etwa im Falle geopolitischer Probleme oder einer Rezession, deren Ursache wir heute noch gar nicht kennen.

Bei einem Szenario, in dem die Renditen rascher klettern, als viele erwarten, ist das anders. Die Frühindikatoren der Eurozone deuten auf eine kräftige Belebung hin. Die Weltwirtschaft befindet sich in einem synchronen Aufschwung, in dem selbst aus den zuvor kriselnden Schwellenländer wieder starke Wachstumsbeiträge kommen. Die Wahrscheinlichkeit ist daher groß, dass die Bauzinsen ihre Tiefs bereits gesehen haben und so schnell auch nicht wieder erreichen werden.