GeldanlageDie verhasste Abgeltungsteuer

Abgeltungsteuer
2009 wurde die Abgeltungsteuer eingeführt, jetzt wird über ihre Abschaffung diskutiert – Foto: Mauritius

Nadine Oberhuber ist Wirtschafts- und Finanzjournalistin. Sie schreibt auf Capital.de über Geldanlagethemen


Es ist noch nicht allzu lang her, nämlich ziemlich genau sieben Jahre, da ging ein Aufschrei durchs Land, weil die Abgeltungsteuer eingeführt wurde. „Hilfe, die Abgeltungsteuer kommt!“, hieß es damals oder „Wie umgehe ich die Abgeltungssteuer?“ und wochenlang erklärten die Experten, was die neue Steuer für Sparer und Anleger heißen würde. In erster Linie bedeutete sie eines: Die Banken führen automatisch einen festen Prozentsatz aller Zinseinnahmen, Dividenden und Aktiengewinne ans Finanzamt ab. Fixe 25 Prozent davon nämlich, zusätzlich noch den Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls noch die Kirchensteuer, macht insgesamt 27,8 Prozent. Dass im Gegenzug dafür heute niemand mehr seine Kapitalerträge und Zinseinkünfte umständlich in der Steuererklärung angeben muss, wirkt eher wie ein schwacher Trost angesichts dieses automatischen Eingriffs in die hart ersparten Erträge. Aber vielleicht erfolgt der ja nicht mehr lange.

Denn im verflixten siebten Jahr diskutieren die Politiker nun lautstark darüber, die Abgeltungsteuer wieder abzuschaffen. Sie wollen wieder den Zustand herstellen, der vor der Steuer gegolten hat: Jeder soll seine Kapitalerträge mit dem persönlichen Steuersatz versteuern. Die Koalition dafür im Bundestag scheint schon sehr breit. Und was passiert? Die Aufschrei in der Bevölkerung ist groß: „Rettet die Abgeltungsteuer!“, heißt es nun. Und: „Es droht eine höhere Belastung für Sparer, wenn die Steuer fällt“.

Warum sich die Nation erregt, obwohl sie die verhasste Steuer doch wieder loswerden soll? Weil den allermeisten Bürger ziemlich schnell überschlagen können, dass sie ein Einkommen haben, das sie zu mehr als 25 oder 27,8 Prozent versteuern. Denn unter den magischen 25 Prozent bleibt mit seinem persönlichen Einkommen-Steuersatz nur, wer nicht mehr als 15.000 Euro im Jahr verdient. Dass er damit aber auf größere Kapitalerträge aus Aktiengeschäften oder Sparkonten kommt – egal ob mit oder ohne Abgeltungsteuer – ist eher unwahrscheinlich.

„25 Prozent von x sind besser als 42 Prozent von nix“

Folglich heißt der schnell gezogene Schluss: Für die allermeisten Sparer wird es wohl teurer werden, wenn die Pauschalsteuer wieder abgeschafft wird. Im schlimmsten Fall beträgt der Steuersatz in der Spitze 42 Prozent ab einem Einkommen von rund 53.000 Euro. Deswegen setzen sich auch einige Kritiker, aktuell vor allem Bank- und Sparkassenvorstände, dafür ein, dass alles bleibt wie es ist.

An der Stelle schließen sich nun drei Fragen an: Warum haben sich dann überhaupt alle aufgeregt, als die Abgeltungsteuer eingeführt wurde, wo sie doch rückwirkend eine Erleichterung war? Warum soll sie jetzt eigentlich wieder abgeschafft werden? Und wieso wollen ausgerechnet die Bankvorstände das nicht? Nur auf den ersten Blick ergibt all das wenig Sinn.

Eingeführt wurde die Steuer 2009, weil die Finanzbehörden das Gefühl hatten, ihnen entgingen massive Steuereinnahmen. Viele Bürger meldeten ihre Kapitalerträge nicht korrekt und schleusten sie am Fiskus vorbei, hieß es. Mittlerweile legendär ist inzwischen das Zitat vom damaligen Finanzminister Peer Steinbrück, der die Steuer so rechtfertigte: „25 Prozent von x sind besser als 42 Prozent von nix.“ Zudem hätten viele andere Länder auch diese Pauschalbesteuerung, war ein weiteres Argument. Jedoch fiel in anderen Staaten die Steuer weniger üppig aus als hierzulande. Einzig Schweden langt seinen Sparern pauschal noch mehr in die Tasche und behält 30 Prozent der Erträge ein, Finnland behält ebenfalls 28 Prozent ein. Unterm Strich jedenfalls war die Pauschalbesteuerung für den deutschen Staat ein gutes Geschäft und sie brachte mehr ein. Von der Rückkehr zum alten System aber erhofft er sich bald noch mehr.