Daniel Saurenz Die Inflation ist für Anleger kein Grund zur Panik

Die steigenden Preise machen sich überall bemerkbar. Auch das Einkaufen geht vielen Menschen spürbar mehr ins Geld
Die steigenden Preise machen sich überall bemerkbar. Auch das Einkaufen geht vielen Menschen spürbar mehr ins Geld
© IMAGO/Xinhua
Die Preise werden weiter klettern, Bauzinsen weiter anziehen und unser Geld immer weniger wert. Ausgemachte Sache, oder? Könnte man meinen, doch Basiseffekt und Sondereinflüsse sollte man genau analysieren

Deutsche Sparer werfen jeden Tag etliche Millionen in den inflationären Müll. Daran gibt es keinen Zweifel, auf das Jahr kumuliert ist es ein hoher dreistelliger Milliardenbetrag, der von der Inflation aufgefressen wird. Wer dies vermeiden möchte, muss sich ein Depot einrichten und hat von klassischen Aktien über intelligent gemachte Zertifikate bis ETFs oder einige wenige gut gemanagte aktive Fonds gute Auswahlmöglichkeiten.

Dieses Verhalten sollte man aber auch dann an den Tag legen, wenn die Inflation sich wieder abschwächt. Denn sieben, fünf oder auch nur drei Prozent Geldvernichtung sind allesamt unglücklich. Wie beständig ist also die Inflation?

Wie hoch darf es denn sein?

Derzeit überbieten sich Volkswirte mit immer höheren Prognosen zur Geldentwertung. Bis vor wenigen Monaten spielten Inflationsdaten an der Börse kaum eine Rolle. Im Wirtschaftskalender waren andere Termine wie die US-Arbeitsmarktzahlen rot markiert. Seit einigen Wochen müssen sich Anleger hingegen mit Themen auseinandersetzen, die für viele neu sind. Lieferkettenprobleme, Preiskapriolen bei Rohstoffen und Anleihen und kräftig anziehende Inflationsraten.

Am Dienstag vor Ostern war es wieder so weit: Die US-Verbraucherpreise legten im März auf 8,5 Prozent zu und sind so hoch wie seit dem Jahr 1981 nicht mehr. „Hauptreiber war vor allem die teure Energie, allein der Benzinpreis legte gegenüber Februar um 18 Prozent zu“, erklärt Stefan Riße, Buchautor von „Die Inflation kommt“.

„Schaut man allerdings genauer auf die Daten, wird klar, dass der breite Inflationsdruck anders als noch vor einigen Monaten sogar ein wenig abflacht. Insgesamt sanken sogar die Warenpreise außerhalb der Energie und Nahrungsmittel, besonders bei den Gebrauchtwagenpreisen ging es deutlich abwärts“, sieht Riße für die USA ein Licht am Ende des inflationären Tunnels.

Die Zahlen liegen natürlich auch der US-Notenbank vor. Umso mehr überrascht es, dass die Währungshüter seit einiger Zeit mit besonders lautstarken Forderungen nach einer strafferen Geldpolitik auffallen. Nachdem man im Vorjahr viel zu lange den Standpunkt verteidigte, dass es sich nur um einen „voraussichtlich vorübergehenden“ Preiseffekt handelt, erfolgte nun die 180-Grad-Wende. „Für die Notenbanker ist dies ein Spiel mit dem Feuer, ihr höchstes Gut ist schließlich Vertrauen“, meint Gil Shapira, Chefstratege beim britischen Broker eToro. Die schlechte Nachricht: Die US-Notenbank liegt momentan etwas hinter der Kurve. Sprich: Man läuft der Entwicklung hinterher.

Zinsschritte erwartet

Der Markt hat die Kröte bereits geschluckt und rechnet auf den kommenden drei Fed-Sitzungen mit großen Zinsschritten von 50 Basispunkten. Selbst eine außerplanmäßige Erhöhung wird auf dem Parkett derzeit immer wieder thematisiert. Damit haben die Notenbanker den Markt dort, wo sie ihn haben wollen. Sorgen, dass eine zu straffe Geldpolitik neue Turbulenzen an den Finanzmärkten auslösen könnten, sind in den Hintergrund gerückt. Man hofft darauf, dass die sehr markigen Ankündigungen künftiger Zinsschritte in der Gegenwart spätere konkrete Maßnahmen vielleicht sogar substituieren.

„Auch als Anleger ist man gut beraten, sich nicht von Vergleichen mit der Hyperinflation der Jahre 1919 bis 1923 verunsichern zu lassen“, beruhigt Buchautor Riße. In den Medien ist die Inflationsangst allgegenwärtig und liefert ein prima Kontrasignal. Und auch an der Börse sieht man erste Entspannungssignale.

Zenit erreicht?

Viele Rohstoffe markierten Anfang März bereits wichtige Hochpunkte. Auch die Ölpreise korrigierten inzwischen um gut 20 Prozent. Zudem wirkt der Basiseffekt einem Anstieg ab sofort entgegen. Damit die Inflationsrate weiter zulegt, müssten die hohen Vorjahreswerte übertroffen werden. Nüchtern betrachtet wäre es daher nicht überraschend, wenn Rohstoffe, Zinsen und Inflationsrate ihren Zenit bereits erreicht haben – eine Beruhigung, die auch den Aktienmärkten wieder auf die Sprünge helfen könnte.

„Anders ist die Lage bei Industriemetallen“, meint Tilmann Galler, globaler Kapitalmarktstratege bei JP Morgan Asset Management. „Denn sie sind essenziell für den Erfolg der Energiewende.“ Vor allem für den Ausbau von Photovoltaik- und Windkraftanlagen werden reichlich Industriemetalle benötigt, was langfristig für eine stabile Nachfrage für diese Rohstoffe sorgen dürfte.

Fazit: Die Inflation ist also gekommen, um zu bleiben. Sie könnte sich jedoch auf verträglichem Niveau einpendeln und Anleger müssen nicht in Panik verfallen. Solange sie konstruktive Geldanlagen dagegen stellen.

Daniel Saurenz betreibt mit seinem Team das Börsenportal Feingold Research. Es bietet täglich einen Börsenbrief an, den Sie für 14 Tage kostenfrei testen können. Melden Sie sich unter info@feingold-research.com an oder probieren Sie den Börsendienst unter diesem Link aus. Trainingstage und Coachings finden Sie NEU unter feingold-academy.com


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