Kolumne Zinsen und Inflation: Sparer in der Sackgasse

Euro-Skulptur vor dem Eurotower in Frankfurt
Euro-Skulptur vor dem Eurotower in Frankfurt
© IMAGO / Future Image
Die EZB soll nach dem Willen einiger Volkswirte den Weg der amerikanischen Notenbank beschreiten und die Zinsen erhöhen. Für Sparerinnen und Sparer wäre dies nett. Theoretisch

Das Credo der letzten Jahre am Finanzmarkt lautete, dass an Aktieninvestments kein Weg vorbeiführt, um einen nennenswerten Ertrag zu erzielen. Mittlerweile sind Aktien im Depot zum Inflationsausgleich unerlässlich. Die Rechnung ist dabei so einfach wie dramatisch. Aktien werfen im Schnitt über die Jahre knapp sieben Prozent Rendite ab. Die Inflation liegt bei vier bis fünf Prozent, hinzu kommt bei vielen Sparkassen und Volksbanken noch ein Mix aus Gebühren und Strafzinsen von mindestens einem Prozent. In durchschnittlichen Jahren benötigt man Aktien für den Vermögenserhalt.

Nun wäre die Steigerung der Zinsen für Sparerinnen und Sparer natürlich eine kleine Entlastung, um den Inflationseffekt zu kompensieren. Denn von 50.000 Euro werden momentan jährlich mindestens 2500 Euro vernichtet, wenn sie auf dem Sparkonto liegen bleiben. Jedoch sollten Anleger beim Blick auf die EZB schon das ganze Bild sehen. Europa ist ein Währungsraum und vor allem Italien kann alles brauchen – aber keine steigenden Zinsen.

Wie sich vor allem auf lange Sicht schon kleine Schritte auswirken könnten, das lässt sich an zwei interessanten Anleihen ablesen. Sowohl Österreich als auch das Bundesland NRW haben 100 Jahre laufende Anleihen im Angebot. Die Kurse der Anleihen sind zuletzt förmlich eingebrochen und damit die Zinsen deutlich gestiegen. Im moderaten Rahmen kann Italien angesichts der Staatsverschuldung Zinseffekte verkraften, auf alte Zeiten mit drei oder gar vier Prozent Zins auf dem Sparbuch sollte kein deutscher Sparer hoffen. Vielleicht bleibt in den nächsten Jahren nach Gebühren mal eine null auf dem Girokonto hängen, das wird es auch schon gewesen sein.

Der Aktienmarkt liefert nach wie vor die besten Möglichkeiten zum Ausgleich der Inflation und im Zertifikatemarkt finden sich darüber hinaus Anlageprodukte mit reduziertem Risiko und zielgerichteter Rendite. In den zuletzt turbulenten Tagen an der Börse hatten Anleger dank hoher Volatilität beste Konditionen für Bonuszertifikate oder Discountpapiere mit Seitwärtsrenditen zwischen fünf bis maximal zehn Prozent p.a. Im Vergleich zu aktiven Fonds oder ETFs, die eins zu eins am Markt hängen, reicht bei diesen defensiven Produkten oft schon aus, wenn der Dax oder ein anderer Basiswert über Monate seitwärts läuft, damit eine schöne Rendite hängen bleibt. Wer es noch nie getan hat, der sollte sich mit dieser Art cleverer und defensiver Papiere einmal beschäftigen. Gegen die Inflation helfen sie besser als die EZB.


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