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Daniel Saurenz Die Gaskrise toppt die Coronapandemie

Handelssaal der Deutschen Börse in Frankfurt am Main
Handelssaal der Deutschen Börse in Frankfurt am Main
© IMAGO / STPP
Die Sorge um die deutsche Wirtschaft erreicht einen neuen Höhepunkt. Im Sommer 2022 ist die Einschätzung der Lage noch mieser als zu Beginn der Coronapandemie

Diese Zahl muss man erst einmal schlagen: Die ZEW-Konjunkturerwartungen sind im Juli 2022 noch unter das Level von März 2020, dem Beginn der Coronapandemie, gefallen. Die Erwartungen für das Sentiment der Befragten lagen zuvor bei minus 40,5 Punkten, heraus kamen am Ende sogar minus 53,8 Zähler. Schlimmer geht es fast nicht.

Allerdings ist die Liste der Probleme in Deutschland auch lang genug. „Im Gleichschritt mit dem Euro, der am 12.7 die Parität zum US-Dollar erreichte, versinken auch deutsche Aktien mehr und mehr in der Bedeutungslosigkeit. Keine zwei Prozent Anteil mehr haben alle börsennotierten Unternehmen Deutschlands an der weltweiten Marktkapitalisierung. Damit hat sich ihr Anteil in den vergangenen 20 Jahren mehr als halbiert“, analysiert Jürgen Molnar als Kapitalmarktstratege beim Broker Robomarkets die traurige Wahrheit.

Investoren ziehen Kapital beschleunigt aus Europa ab, aus Angst vor einer Energiekrise, die der alte Kontinent aufgrund seiner massiven Abhängigkeit von russischen Importen nicht stemmen kann. Umso bemerkenswerter ist dies für den Dax, da früher einmal die Losung galt, dass schwache Währungen den Export antreiben und gar nicht per se schlecht sein müssen. Zu schlecht ist jedoch auch nicht gut und in diese Kategorie fällt der Euro.

Kann es noch schlimmer werden?

Weltweit wiederum liegt der Dollar-Index auf Rekordlevel und dies wiederum ist schlecht für die Verschuldung beispielsweise der Schwellenländer. Da hilft auch der zuletzt sinkende Ölpreis wenig. „Wie man es dreht und wendet, die Stimmungsindikatoren sind am Boden und leider findet man fundamental viele Begründungen dafür, dass es aktuell gerechtfertigt ist“, meint Stefan Riße von der Fondsgesellschaft Acatis.

Hoffnung macht da, dass der ZEW-Index ein nachlaufender Index ist. Er liegt also dann am Boden, wenn die Stimmung desaströs ist und dies aber auch in den Kursen schon eingepreist sein sollte. So wie es im März 2020 der Fall war. Optimisten sagen demnach, dass Überraschungen fast nur nach oben möglich sind. Pessimisten könnten anfügen, dass bei einem kompletten Gaslieferstopp aus Russland noch reichlich Ungemach droht.

„Womöglich nie zuvor waren die Probleme am Markt so digital“, findet Jürgen Molnar. Das bedeutet für Deutschland konkret – der Dax ist im Sommer 2022 der verlängerte Index der Gasspeicher. Laufen diese wieder voll, läuft der Dax nach oben, denn die Wirtschaft läuft zumindest weiter. Ob auf rezessivem Niveau, ist fast egal. Es geht um hopp oder top – in beide Richtungen. Die USA sind aufgrund ihrer nahezu autarken Energieversorgung weitaus besser aufgestellt. Sollte die Wall Street wieder Fuß fassen, könnte sie den Deutschen Aktienindex weiter abhängen.

Daniel Saurenz betreibt mit seinem Team das Börsenportal Feingold Research. Es bietet täglich einen Börsenbrief an, den Sie für 14 Tage kostenfrei testen können. Melden Sie sich unter info@feingold-research.com an oder probieren Sie den Börsendienst unter diesem Link aus. Trainingstage und Coachings finden Sie NEU unter feingold-academy.com


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