KolumneDie Börse ist wie die Bundesliga

Mit der Börse ist es psychologisch nicht ganz einfach. Sind die Kurse unten, werden Anleger von links und rechts mit Crash-Propheten und Begründungen für Kursstürze bombardiert. Die wenigsten Menschen haben dann den Mut, Chancen und Renditemöglichkeiten der Aktienmärkte zu betonen. Notieren Aktienmärkte aber auf Rekordhochs, so wird stets erklärt, warum alles prima läuft, und die Mahner und Warner ziehen sich immer weiter zurück.

Parallelen ergeben sich dabei zum Fußball. Der Mensch ist nämlich ein Herdentier, das gern auf der Seite der Mehrheit steht. Vor Saisonbeginn kann man in der Bundesliga auf den Deutschen Meister tippen. Regelmäßig steht Bayern München ganz oben, regelmäßig sind die Quoten extrem schlecht. Trotzdem tippen sehr viele auf die Bayern. Dabei wäre es weitaus cleverer, dann auf Bayern zu setzen, wenn einmal eine Negativserie oder zumindest ein holpriger Saisonstart eintritt. Antizyklisches Vertrauen in den Rekordmeister, denn in der Regel bügeln die Münchner es am Ende wieder aus. Bloß ist die Quote dann weit besser, wenn man in einer Schwächephase auf Bayern setzt – gegen den dann aktuellen Trend.

An der Börse ist es genauso. Absichern sollten Anlegerinnen und Anleger ihr Depot dann, wenn wirklich alle Pessimisten kapituliert haben. Wenn es scheinbar ausschließlich Begründungen für steigende Kurse gibt. „Die Volatilität ist dann am Tiefpunkt, wenn die Sorglosigkeit am Markt am größten ist“, erläutert Jürgen Molnar vom Broker Robomarkets. „Der VDax-New hat seit 2019 eine Spanne zwischen 11 und knapp 100 Punkten geliefert“, führt er weiter aus. Mit dem aktuellen Level von 16 bis 18 ist man weitaus näher unten als oben dran, das sieht man auf den ersten Blick. „Beim Blick in die USA sieht es beim dortigen Pendant VIX ziemlich ähnlich aus“, zieht Gil Shapira, Chefstratege beim Broker Etoro, Parallelen. Hilfreich ist obendrein noch der Blick auf den sogenannten Fear & Greed-Index, wenngleich dort die Volatilität nur einer von sieben Bausteinen ist.

Für Anleger, die ihr Depot dynamisch mit Optionsscheinen ausstatten, ist aber auch ein konkretes Rechenbeispiel sehr wichtig. Denn viele Anleger wissen gar nicht, wie stark der Effekt der Volatilität für ihre Depotabsicherung ist. Gehen wir davon aus, dass Anleger einen Dax-Put zur Absicherung des Depots kaufen möchten. Wer dies bei Vola auf Tiefststand bei 18 im VDax-New tut, der zahlt für einen Dax-Put mit Basis 16.000 Zählern und Laufzeit Dezember 2022 einen Preis von rund 12 Euro. Ceteris paribus kostet der gleiche Put bei VDaxX-New von 25 schon 16 und bei einem VDax-New-Level von 35 schon 23 Euro, fast das Doppelte.

Die Angst oder Gier am Markt, ausgedrückt über eben den VDax-New, macht klassische Optionsscheine also günstig oder teuer. Und kaufen sollte man sie dann, wenn kaum einer welche haben will. Dann sind Puts günstig und das Chance-Risiko-Verhältnis gut. An der Börse ist es also wie in der Bundesliga. Man muss sich bloß immer die Bayern vorstellen und überlegen, ob am Markt gerade eine Siegesserie vorherrscht oder hochnervös ein oder zweimal verloren wurde. Und dann genau das Gegenteil tun.

 


Daniel Saurenz betreibt mit seinem Team das Börsenportal Feingold Research. Es bietet täglich einen Börsenbrief an, den Sie für 14 Tage kostenfrei testen können. Melden Sie sich unter Info@feingold-research.com an oder probieren Sie den Börsendienst unter diesem Link aus. Trainingstage und Coachings finden Sie NEU unter feingold-academy.com