AktienDie Angst der Anleger vor Marktschwankungen

Frankfurter Börse
Aktienprofis erwarten in den kommenden Monaten stärker schwankende Kurse – Foto: Deutsche Börse AG

Der Volatilitätsindex „VDax New“ zeigte sich zuletzt – nun ja – volatil. Das Barometer misst die sogenannte implizite Volatilität. Das heißt, es zeigt an, mit welchen Schwankungen im Dax Anleger in der kommenden Zeit rechnen. In den vergangenen zwölf Monaten schoss der VDax New zwischenzeitlich mehrfach in die Höhe, nur um danach schlagartig wieder zu sinken. Seite Mitte April geht es erneut nach oben. Das bedeutet: Anleger erwarten, dass die Kurse deutscher Aktien in den kommenden Monaten stärker schwanken werden als bisher.

Anlageprofis sehen dafür mehrere gute Gründe: Chris Iggo, Rentenexperte von Axa Investment Managers, betrachtet die Zinserhöhung der US-Notenbank Fed mit Sorge, die in der zweiten Jahreshälfte anstehen dürfte. „Die Aktienvolatilität liegt deutlich unter dem Niveau zu Anfang des Jahres“, sagt er. „Das könnte die Ruhe vor dem Sturm sein – und der Sturm wäre die erste Zinserhöhung.“ Andere Investmentexperten führen die Diskussion um Griechenlands Schulden als Unsicherheitsfaktor an oder die Tatsache, dass die Aktienkurse stark gestiegen sind, ohne dass die realwirtschaftliche Entwicklung Schritt gehalten hätte.

Die Volatilität ist eines der bekanntesten Risikomaße in der Geldanlage. Je stärker der Wert eines Investments schwankt, desto höher ist die Gefahr, dass Anleger, die auf steigende Kurse setzen, zwischenzeitlich Verluste erleiden – zumindest auf dem Papier. Wer Schwankungen aussitzen kann und Wertpapiere nicht ausgerechnet dann verkaufen muss, wenn die Kurse im Keller sind, muss Marktphasen mit erhöhter Volatilität allerdings nicht fürchten. Im Gegenteil: Plötzliche Kursstürze eröffnen Anlegern die Chance, Aktien günstig zu kaufen.

Schwankungen bieten Einstiegschancen

Das größte Problem, das Investoren mit hoher Volatilität haben, ist denn auch psychologischer Natur. „Privatanleger kommen mit starken Marktschwankungen meist nicht gut klar“, sagt Fondsmanager und Ökonom Max Otte. Sie handelten oft übervorsichtig und verpassten deshalb gute Investmentgelegenheiten.

Viele Privatinvestoren haben ein falsches Verständnis von Risiko, sagt Guy Wagner, Ökonom der Banque de Luxembourg. Gerade deutsche Anleger fürchteten sich auffällig vor Schwankungen am Aktienmarkt, nähmen es aber zugleich schulterzuckend in Kauf, wenn ihr Kapital in Anleihen oder auf Sparbüchern durch die niedrigen Zinsen zusammenschrumpft. „Mit Aktien kann man zwar in Phasen hoher Volatilität Geld verlieren. Wenn man Qualitätsaktien zu vernünftigen Preisen kauft, landet man damit auf lange Sicht aber auf den Füßen“, sagt Wagner. Bei Anleihen, die viele Anleger immer noch als sicheres Investment betrachten, sehe das ganz anders aus: Die Renditen vieler Staatsanleihen sind in den negativen Bereich gerutscht, mit einem Investment verlieren Anleger unter dem Strich Geld, statt welches zu verdienen. „Viele Anleger fürchten sich stärker vor Marktschwankungen als vor Kapitalverlust“, sagt Wagner.

Wenig Schwankung ist auch bei Aktien nicht unbedingt ein Indiz für Sicherheit. So dümpelte etwa die Aktie der Deutschen Telekom nach ihrem Kurssturz um die Jahrtausendwende mehr als ein Jahrzehnt lang bei einem Preis um die zehn Euro herum. Volatilität: Fehlanzeige. Kursgewinne: ebenfalls Fehlanzeige. Die Herausforderung liegt in den kommenden Monaten also nicht darin, Schwankungen bei Aktieninvestments zu vermeiden – sondern sie zu ertragen und für sich zu nutzen.