CoronavirusDer große Gold-Rausch

Goldbarren bei der Bundesbank
Goldbarren bei der BundesbankBundesbank/Nils Thies

Das neuartige Coronavirus breitet sich immer weiter aus und hat mittlerweile die Lebensrealität vieler Deutscher erreicht. Die Lungenkrankheit mit dem Namen Covid-19 ist keine abstrakte Gefahr im fernen China mehr. Norditalien steht in Teilen unter Quarantäne, in Deutschland werden immer mehr Krankheitsfälle bestätigt und im Internet machen Tipps zum Infektionsschutz die Runde, inklusive Anleitungen zum korrekten Händewaschen (lange einseifen, Daumen und Fingerzwischenräume nicht vergessen).

Die gesundheitlichen Folgen der neuen Lungenkrankheit sind noch längst nicht umfassend erforscht – und auch die wirtschaftlichen Konsequenzen liegen nach wie vor im Ungewissen. Anlageexperten sind uneins: Während die Einen betonen, dass Schocks wie die Corona-Epidemie nur kurzzeitig Einfluss auf die Börsenkurse haben, weisen die anderen auf die Anfälligkeit der globalen Lieferketten hin und befürchten, dass die Epidemie den Weltmärkten auch weit nach ihrem Abklingen noch zu schaffen machen wird.

Klar ist: Auf kurze Sicht belastet die Unsicherheit die Aktienkurse. Vom Wochenstart bis zum gestrigen Aschermittwoch (26. März) stürzte der Dax um mehr als tausend Zähler. Auch an der Wall Street gingen wichtige Marktbarometer wie der S&P 500 auf Talfahrt. Investoren gehen in Deckung – und flüchten in einen vermeintlich sicheren Hafen: Gold.

Gold bietet Schutz vor Verlusten

Das Edelmetall gehört zu den großen Gewinnern der vergangenen Wochen. Momentan steht der Goldpreis bei mehr als 1650 US-Dollar je Feinunze. Seit Anfang Februar, seit das Coronavirus die Schlagzeilen beherrscht, hat er um rund vier Prozent zugelegt. Auf Sicht von drei Monaten ging es sogar mehr als zwölf Prozent aufwärts. Der Goldpreis folgt damit nicht nur einem längerfristigen Aufwärtstrend, sondern auch einem klassischen Muster: Sorgen schlechte Nachrichten an den Börsen für Wirbel, greifen Anleger verstärkt zu dem gelben Metall, weil es Wertstabilität und Schutz vor Verlusten verheißt.

Goldpreis Rohstoff

Goldpreis Rohstoff ChartPreis je Feinunze in Dollar. Quelle: Ariva.de

Mit Gold als sicherem Hafen ist es indes so eine Sache. Zwar kann man es als Sachwert anfassen und sich unters Kopfkissen legen. Andererseits ist es immer nur so viel wert, wie andere Investoren dafür zu zahlen bereit sind. Außerdem wirft das Edelmetall im Gegensatz zu Anleihen keine Zinsen und anders als nicht selbst genutztes „Betongold“, also Immobilien, keine Mietzahlungen ab. Gold-Investments lohnen sich in Krisenzeiten also nur insofern, als dass der Goldpreis dann in der Regel steigt und Anleger, die das Edelmetall im Depot haben, dadurch Verluste auf der Aktienseite abmildern können. Gold als sicherer Hafen ist eine sich selbst erfüllende Prophezeiung.

Gold nur als Beimischung im Depot

Für die aktuelle Marktphase heißt das: Anleger sollten keinesfalls in großem Stil Aktien verkaufen, um Kapital in Gold umzuschichten. Schließlich werden deren Kurse früher oder später wieder steigen. Man kann aber zusätzlich in Gold investieren, um vom aktuellen Aufwärtstrend zu profitieren. Das gilt vor allem für Investoren, die das Edelmetall bisher noch nicht im Portfolio haben. Wer diese Quote bereits vor dem jüngsten Anstieg ausgeschöpft hatte, sollte eher darüber nachdenken, mittelfristig einen Teil seiner Gold-Position zu verkaufen, um Gewinne mitzunehmen und die ursprüngliche Gewichtung im Portfolio wiederherzustellen. Anlageexperten empfehlen nämlich eine Gold-Quote von höchstens zehn Prozent.

Wer neu in Gold-Investments einsteigt, kann Barren oder Münzen bei einer Bank oder einem örtlichen Edelmetallhändler erwerben und sie in einem Safe lagern. Als gute Alternative gelten börsengehandelte Rohstoffe (Exchange-Traded Commodities, ETCs), die mit Gold besichert sind. Anleger können sie problemlos und sicher über ihre Bank oder über einen Online-Broker kaufen. Für ETCs wird allerdings, wie für andere börsengehandelte Anlageprodukte auch, eine jährliche Verwaltungsgebühr fällig, deren Höhe je nach Anbieter variiert.

 


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