KolumneDann doch lieber Strafzinsen

Christian Kirchner© Gene Glover

Christian Kirchner ist Frankfurt-Korrespondent von Capital. Er schreibt an dieser Stelle regelmäßig über Geldanlagethemen. Hier können Sie ihm auf Twitter folgen


Vor gut vier Wochen stand mein Mobilfunkvertrag zur Verlängerung an. Wie viele andere Verbraucher auch habe ich versucht, mit Hilfe von Vergleichsportalen, dem Hörensagen unter Freunden und meinem eigenen Nutzungsverhalten den optimalen Tarif zu finden.

Das ist gar nicht so einfach in einer Branche, die rund um den an sich wohlklingenden Begriff der „Flatrate“ einen Wirrwarr hunderter Einzeltarife geschaffen und die Strategie perfektioniert hat, unter dem Strich aus dem Kunden doch ein bisschen mehr an Umsatz herauszuholen, als vorne als Flatrate-Preis draufsteht: Über Auslandsdaten, der kostenpflichtigen „Datenautomatik“, wenn die Datenflatrate aufgebraucht ist, über Roaminggebühren, hohen Kosten für manchmal unvermeidliche 0180er-Servicerufnummern, über merkwürdige Zusatzpacks, Premium-Hotlines, Probeabos für Musikdownloads und einem ewigen Servicepingpong zwischen Verkaufsläden und dem telefonischen Kundendienst. Die Europäische Union hat zwar den übelsten Kostenfallen Grenzen gesetzt, aber die Branche war, ist und bleibt findig.

Zwischen Kosten- und Wettbewerbsdruck

Bankkunden und Sparer sollten sich das Beispiel der Mobilfunkbranche sehr gut ansehen. Weil sich an der Entwicklung der Mobilfunkbranche gut ablesen lässt, was in den kommenden Jahren auch im klassischen Bankgeschäft passieren könnte. Beide Sektoren haben Ähnlichkeiten: Es gibt eine begrenzte Zahl an Akteuren mit hohen Markteintrittsbarrieren. Es herrscht unter Banken wie Mobilfunkbetreibern knallharter Wettbewerb, in dem es vor allem um Verdrängung geht und die Kosten für die Neukundengewinnung hoch sind. Als Folge stehen die Umsätze und Margen unter Druck.

Die Herausforderung für Banken ist, dass ein günstiges oder gar kostenloses Girokonto und ein Sparbuch ohne Strafzinsen unter Wettbewerbsaspekten ein Muss ist. Sie haben aber zugleich Kosten und kaum noch Möglichkeiten, mit den üppigen Einlagen der Kunden wie einst risikofrei Geld zu verdienen, indem sie kurzlaufende Staatsanleihen kaufen oder gleich direkt bei der Europäischen Zentralbank anlegen – beides ist derzeit ein Minusgeschäft. Was also tun?

Vor knapp drei Monaten habe ich an dieser Stelle eine (inzwischen angenommene) Wette um 100 Euro für einen guten Zweck angeboten: In Deutschland werden – der Strafzins-Hysterie zum Trotz – bis Ende 2015 keine drei Institute Strafzinsen von Privatkunden mit Sparsummen bis 20.000 Euro verlangen.

Ich bin weiterhin zuversichtlich, die Wette zu gewinnen, auch wenn das in wenigen Tagen anlaufende Anleihenaufkaufprogramm der EZB über rund 60 Mrd. Euro pro Monat den Druck auf die Banken nochmals deutlich erhöhen wird: Noch mehr Liquidität trifft dann auf noch niedrige Kapitalmarktzinsen und bereits negative Einlagezinsen bei der EZB selbst.