Dani Parthum Was Frauen ihrem jüngeren Ich beim eigenen Geld raten

Dani Parthum
Dani Parthum
© Tom Salt
Was wäre, wenn ich damals…? Eine Frage, die wir uns dauernd stellen. Gerade beim Geld! Warum es sinnvoll ist, eigene Finanzentscheidungen zu reflektieren und unsere Erfahrungen weiterzugeben

Ich gebe zu: Das Wort „hätte“ habe ich schon vor Jahren aus meinem Wortschatz gestrichen. Und doch frage auch ich mich manchmal: Was wäre, wenn ich damals diese und jene finanzielle Entscheidung anders getroffen hätte? Dann male ich mir die Antwort aus, um sie gleich darauf wieder zu verwerfen. Denn freilich weiß ich: Die Vergangenheit ist vergangen. Ich kann sie nicht in die Zukunft transportieren und als Gegenwart noch einmal erleben – um etwas zu ändern. Zeitreisen gibt es leider nicht.

Es bleibt also ein Gedankenspiel, in dem wir Erlebtes und unser Verhalten reflektieren, uns womöglich Vorhaltungen machen oder froh sind, so entschieden zu haben.

Was dem jüngeren Ich raten?

Eine beliebte Form dieses Gedankenspiels ist – gern abgefragt in Interviews mit bekannten Persönlichkeiten – was jemand seinem oder ihrem jüngeren „Ich“ raten würde. Also, was man selbst gern besser oder anders gemacht hätte oder machen würde, rückblickend mit dem Wissen von heute. Es ist die Art von Frage, mit der wir Erfahrungen weitergeben, an Kinder, Enkel, Freundinnen, Partner, Arbeitskollegen oder Bekannte.

Was würden Frauen ihrem jüngeren Ich raten in Bezug auf ihre Finanzen? Diese Frage stellte Weltsparen 1.044 Frauen anlässlich des Weltspartages 2020. Die Antworten sind ein Spiegelbild der weiblichen Lebensrealität über Generationen hinweg.

Finanztipps von Frauen für Frauen

Der am häufigsten gewählte Rat der Frauen an ihr jüngeres Ich lautete: „Mach dich nicht von anderen abhängig“ (54 Prozent). Gefolgt von: „Lass dir nichts aufquatschen.“ Und: „Mach keine Schulden.“  Und 46 Prozent würden sich selbst raten: „Sei bei finanziellen Entscheidungen nie blind vor Liebe.“

Diese Erkenntnisse decken sich mit der Aussage einer älteren Teilnehmerin meines Vermögenskurses. Sie sagte bei einem Treffen sinngemäß: Es fühle sich unwürdig an, jetzt im Alter keine eigene, ausreichend hohe Rente zu haben und damit abhängig zu sein. Sie sei immer berufstätig gewesen, lange Teilzeit, jetzt selbständig, habe 2 Kinder großgezogen und kaum finanzielle Mittel. Sie sagte im Kurs genau dasselbe zu den jüngeren Teilnehmerinnen: Bleibt finanziell unabhängig und kümmert euch um euer Geld.

Eine starke Aussage.

Wunsch und Wirklichkeit trennen Welten

Die Realität von Frauen sieht nämlich ganz anders aus, wie das Bundesfamilienministerium in einer Untersuchung herausfand. Ein zentraler Befund war, dass nur etwa ein Zehntel der befragten Frauen zwischen 30 und 50 Jahren ein eigenes Nettoeinkommen von 2.000 € hat. Von den verheirateten Frauen hatten 19 Prozent gar kein Einkommen und weitere 63 Prozent weniger als 1.000 Euro. Heißt: 82 Prozent der verheirateten Frauen zwischen 30 und 50 Jahren sind finanziell abhängig.

Und die Männer? Triff kluge Entscheidungen!

Die Fragen wurden in der Studie übrigens auch 990 Männern gestellt, was sie ihrem jüngeren Ich raten würden hinsichtlich der Finanzen. Ihre Nummer-Eins-Antwort: Lass dir nichts aufquatschen und triff kluge Entscheidungen. Nummer zwei: Mach dich nicht von anderen abhängig.

Das Bedürfnis, finanziell eigenständig zu sein, ist also bei beiden Geschlechtern ausgeprägt. Nur geben Frauen diese Unabhängigkeit viel häufiger und in großer Zahl als Männer auf, was sie rückblickend ganz offensichtlich als Fehler bewerten.

Auf einen Nenner gebracht sagten sich die Frauen: Bleib unabhängig, agiere klug, mach keine Schulden, verhandle dein Gehalt, reduziere Kosten und spare frühzeitig. Jetzt müssen die jungen Frauen das nur noch beherzigen, um nicht in die Rollen-Fallen der Frauen-Generationen vor ihnen zu tappen.

Dani Parthum ist Diplom-Ökonomin, Geldcoach, Finanzbloggerin und Buchautorin. Unter der Marke Geldfrau unterstützt sie Frauen dabei, ihre Angst vor Finanzen abzulegen und für sich selbst Strategien zu entwickeln, selbstbestimmt mit Geld umzugehen und Vermögen aufzubauen. Ihre gesammelten Kolumnen für Capital finden sich hier.


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