Aktien Cybersicherheit: Wachstumsmarkt für Risikofreudige

Hacker nutzen die IT-Infrastruktur von Unternehmen für Attacken. Sie legen die Systeme lahm und erpressen die Firmen
Hacker nutzen die IT-Infrastruktur von Unternehmen für Attacken. Sie legen die Systeme lahm und erpressen die Firmen
© IMAGO / photothek
Hacker-Angriffe auf Unternehmen häufen sich, zuletzt attackierte eine Gruppe die US-IT-Firma Kasey und sorgte damit für Schlagzeilen. Anbieter von Cybersecurity-Software gewinnen an Relevanz, ihre Aktien können für Anleger attraktiv sein

Die Aufregung war groß: In der vergangenen Woche verschaffte sich die Hackergruppe „REvil“ mit Hilfe von Ransomware Zugriff auf Daten der US-amerikanischen IT-Firma Kaseya . Dadurch bekamen die Hacker Zugang zu zahlreichen Organisationen und Firmen aus dem Kundestamm von Kasey, deren Daten sie nun verschlüsselt haben. Laut Medienberichten sind zwischen 800 und 1500 Unternehmen weltweit von dem Vorfall betroffen. In einem Blogpost verlangen die Hacker 50 Mio. US-Dollar Lösegeld.

Der Angriff von „REvil“ ist nur der jüngste in einer langen Reihe. Im Mai legte eine Cyberattacke die Colonial Pipeline lahm , die größte Erdölleitung der Vereinigten Staaten, . Der Vorfall sorgte für Versorgungsengpässe im Osten der USA und trieb die Benzinpreise massiv in die Höhe, bis die Pipeline-Betreiber den Hackern ein Lösegeld von 5 Mio. Dollar in Bitcoin zahlten. „Angriffe durch Ransomware, also Schadsoftware, im digitalen Raum nehmen zu – sowohl in der Schwere als auch in der Häufigkeit“, sagt Brad Slingerlend, Mitbegründer von NZS Capital, einer Partnerfirma des Vermögensverwalters Jupiter Asset Management.

Ein Grund für die steigende Zahl von Attacken ist die Heimarbeit im Zuge der Corona-Pandemie. Interpol warnte im vergangenen August, dass Verbrecher die durch Telearbeit entstehenden Sicherheitslücken vermehrt nutzen könnten, um Daten zu stehlen oder Störungen zu verursachen. Eine Prognose, die sich bewahrheitet hat: Für das Jahr 2020 schätzt das Beratungsunternehmen Cybersecurity Ventures die weltweiten Schäden durch Ransomware-Attacken auf mehr als 20 Mrd. US-Dollar. Im laufenden Jahr dürfte diese Summe weiter steigen, auf 25 Mrd. US-Dollar.

Viele junge Firmen

Mit der Häufigkeit der Angriffe und der Höhe der Schäden steigt der Bedarf nach digitalen Sicherheitslösungen für Privathaushalte und Unternehmen. Cybersecurity-Firmen können sich derzeit nicht über eine schwache Auftragslage beschweren. Laut dem Analysehaus Fortune Business Insights hatte der globale Markt für Cybersicherheit 2019 ein Volumen von 112 Mrd. US-Dollar. Die Experten gehen davon aus, dass er zwischen 2020 und 2027 um zwölf Prozent pro Jahr wächst, auf ein Volumen von rund 281 Mrd. US-Dollar – noch nicht eingerechnet sind die Effekte der Corona-Pandemie und des dadurch befeuerten Homeoffice-Trends.

Für Anleger lohnt sich also ein Blick auf Cybersecurity-Aktien. Viele Unternehmen aus dem Bereich sind allerdings noch jung oder erst seit wenigen Jahren an der Börse notiert. Das macht die Risiken eines Investments schwer einschätzbar und sorgt dafür, dass gängige Kennzahlen wie das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) nicht immer zu finden sind.

Cloud-basierte Sicherheitslösungen sind bei Kunden besonders beliebt. Ein Unternehmen, das sich darauf spezialisiert hat, ist Crowdstrike. In der Pandemie konnte die kalifornische Firma von einer erhöhten Nachfrage profitieren, was sich in ihren Ergebnissen widerspiegelt. Im vergangenen Jahr verdiente Crowdstrike mit einem Umsatz in Höhe von 874 Mio. US-Dollar netto 62,6 Mio. US-Dollar. Für das laufende Geschäftsjahr erwarten Analysten eine Umsatzsteigerung um 55 Prozent. Die Mehrheit der Marktexperten spricht für das IT-Unternehmen eine Kaufempfehlung aus. Kein Wunder: Der Aktienkurs der erst zehn Jahre alten Firma befindet sich in einem langfristigen Aufwärtstrend, ein Ende ist nicht in Sicht.

Fortinet profitiert von Bidens Ankündigung

Einer der größten Player im Bereich Cybersecurity ist Fortinet, ebenfalls aus Kalifornien. Dem Unternehmen kommt zugute, dass US-Präsident Joe Biden die Cyber-Abwehr der amerikanischen Behörden modernisieren und private Unternehmen stärker in die Pflicht nehmen will, in IT-Sicherheit zu investieren. Nachdem die Aktie von Fortinet jahrelang kaum von der Stelle kam, hat ihr Kurs seit Ende vergangenen Jahres deutlich angezogen. In der Folge ist sie nun allerdings vergleichsweise hoch bewertet.

Weitere Branchengrößen sind die Unternehmen Zscaler und Okta. Zscaler ist auf die Einrichtung von Netzwerken und Anwendungen zum mobilen Zugriff über Cloud-Speicher spezialisiert. Okta ist im Bereich des Identitäts- und Zugriffsmanagements tätig. Zscaler ist seit 2018 börsennotiert, der Aktienkurs hat seitdem heftige Sprünge vollführt. Der Aktienkurs von Okta ist zwar auf lange Sicht stetig gestiegen, zeichnete sich in den vergangenen Monaten aber vor allem durch eine hohe Volatilität aus. Anleger, die in Cybersecurity-Aktien investieren wollen, sollten also trotz des jüngsten Booms nicht auf schnelle Kursgewinne spekulieren, sondern besser längerfristig investiert bleiben.


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