GeldanlageCorona-Krise sorgt für einen Ansturm auf Gold

Goldbarren im Tresor des Goldhandels Pro Aurum Muenchen
Goldbarren im Tresor des Goldhandels Pro Aurum Muenchenimago images / photothek

Proaurum musste im März viele potenzielle Kunden enttäuschen. In den ersten Tagen des Lockdown in Deutschland, der von einem Kurssturz an den Aktienmärkten begleitet wurde, war der Webshop eines der größten Goldhändlers in Deutschland immer wieder unerreichbar. „Wir wurden überrannt von hunderttausenden Aufrufen“, sagt Proaurum-Chef Robert Hartmann. „Das schafften unsere IT-Systeme nicht.“

Bei anderen Anbietern von Münzen und Barren war das Bild ähnlich. Und auch in Finanzprodukte wie Xetra-Gold, die mit physischem Gold besichert sind, floss viel Geld. Die Produkte verzeichneten nach Angaben des Branchenverbandes World Gold Council im ersten Quartal Nettomittelzuflüsse von 23 Mrd. Dollar, so viel wie noch nie in einem Quartal zuvor. Das weltweite Handelsvolumen von Gold belief sich im März den Angaben zufolge auf durchschnittlich 236 Mrd. Dollar pro Tag, was einem Anstieg von 61 Prozent im Jahresvergleich entspreche. Mitglieder der Lobby-Organisation World Gold Council sind hauptsächlich Goldminen-Betreiber.

„Die Nachfrage ist riesig, größer als auf dem Höhepunkt der Finanzkrise“, beobachtete Hartmann Anfang April.  „Aufgrund des extremen Auftragsvolumens können wir nur noch ein eingeschränktes Sortiment anbieten, damit wir die Ware in angemessener Zeit kommissionieren und verschicken können.“ Ende März hatte Proaurum den Webshop für drei Tage ganz geschlossen; jetzt ist er an Wochenenden, Feiertagen und nach 20 Uhr dicht.

Käufer müssen Aufschlag zahlen

Auch bei anderen Händlern wie Goldzeiten.de, dem Shop des Pforzheimer Edelmetallverarbeiters Heimerle & Meule, waren Barren und Münzen zeitweise fast ausverkauft. Und GoldSilberShop.de musste seinen Webshop zeitweise auf Grund des hohen Kundenaufkommens schließen. Das Aufkommen sei teilweise 15-mal so hoch wie normal gewesen, sagt Geschäftsführer Tim Schieferstein.

Immer wieder stand in den vergangenen Wochen auf der Seite von Degussa Goldhandel, einem der bekanntesten deutschen Händler, unter den Goldbarren und -Münzen nur „in Kürze verfügbar“. Kaufen war unmöglich. Auch am vergangenen Mittwochnachmittag waren nur wenige Barrengrößen zu haben, im Wesentlichen die mit hohem Gewicht, die für viele Kleinanleger zu groß sind. Wer einen 100-Gramm-Degussa-Barren erwerben wollte, musste zu diesem Zeitpunkt 5481,50 Euro zahlen. Rund einen Monat zuvor, am 18. März, bot sich ein ähnliches Bild.

Und wer beim aktuellen Ansturm zum Zuge kommt, der muss erhebliche Aufgelder bezahlen. Sie sind vergleichbar einem Ausgabeaufschlag bei Investmentfonds. „Die Aufgelder haben zeitweise historische Höhen erreicht: Für einen Krügerrand wurden bis zu 16 Prozent und für den Kilobarren bis zu 8 Prozent verlangt“, berichtet Wolfgang Wrzesniok-Roßbach, Chef des Beratungshauses Fragold.de. Er ist seit 1986 im Edelmetallgeschäft als Stratege bei der Dresdner Bank und der Heraeus Metallhandelsgesellschaft und bis vor einigen Monaten als Geschäftsführer von Degussa Goldhandel.

Das Problem am Aufgeld ist: Will ein Anleger sich von einem Barren oder einer Münze wieder trennen, so ist der Aufpreis futsch, wenn der Goldpreis nicht in gleichem Umfang gestiegen ist. Anders als Anleihen oder Aktien zahlt Gold keine Zinsen oder Dividenden, welche den Aufschlag nach einer Weile ausgleichen könnten.