UmfrageCorona-Krise: Diese Geldsorgen bedrücken die Deutschen

Die Krise wirkt sich auch auf das persönliche Vermögen und den Umgang mit Geld ausSteve Buissinne auf Pixabay

Angesichts des wirtschaftlichen Stillstands wegen der Corona-Krise wachsen die Sorgen der Bürgerinnen und Bürger, finanziell ins Schlingern zu geraten. Vor allem Beschäftigte in der Automobilindustrie und im Handwerk sehen Probleme auf sich zukommen, künftig ihre Kredite zu bedienen. Wie aus einer aktuellen repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey hervorgeht, treibt diese Unsicherheit im Durchschnitt jeden Zehnten um. In der gebeutelten Autobranche bangt dagegen schon jeder vierte Befragte um seine Finanzkraft, unter angestellten Handwerkern mehr als jeder fünfte.

Das Ergebnis ist Teil des neu gestarteten Live-Lageberichts Finanzen, dessen Ergebnis Capital exklusiv vorliegt. Das darin gezeichnete Meinungsbild soll vor allem der Finanzbranche einen Eindruck davon vermitteln, wie sich die Stimmungslage unter privaten Bankkunden in der Corona-Krise entwickelt. Dafür befragt Civey wöchentlich rund um die Uhr bis zu 10.000 Bundesbürger ab 18 Jahren.

Probleme bei Ratenzahlungen von Darlehen befürchten demnach überdurchschnittlich auch Beschäftigte von Banken, Versicherungen und Finanzdienstleistungsunternehmen (je etwa 16 Prozent). Wobei Selbstständige sich tendenziell mehr zu den Krisenopfern zählen – jeder fünfte Befragte dieser Gruppe sorgt sich wegen Ratenzahlungen –, als es Arbeitnehmer tun (9 Prozent). Bei Angestellten sind es in erster Linie Arbeiter und Beschäftigte ohne Berufsabschluss, die sich wegen der Bedienung ihrer Schulden Sorgen machen. Nach Bundesländern trübt sich die Stimmung stärker in Sachsen-Anhalt, Bayern, Bremen und dem Saarland als im restlichen Bundesgebiet.

Was Bürger von ihren Banken erwarten

Frauen sorgen sich dabei perspektivisch nicht nur stärker um ihre Finanzlage als Männer, sie haben offenbar auch ein größeres Sicherheitsbedürfnis. Sie wünschen sich beispielsweise von ihren Banken mehr Beratungsleistungen und transparente Krisenkommunikation als männliche Kunden. Auch bei Familien mit Kindern im Haushalt ist dieser Wunsch ausgeprägter als bei kinderlosen Befragten.

Viele Bürger treibt in der aktuellen Pandemie offenbar die Angst vor einem Run auf die Banken um. In der Rangliste der besonderen Erwartungen an ihre Kreditinstitute rangiert eindeutig die Sicherung der Bargeldverfügbarkeit auf Platz eins: Für vier von zehn Befragten wünschen sich hier Sicherheit. Überdurchschnittlich in dieser Gruppe vertreten sind Kunden der Deutschen Bank (53,9) sowie die Altersgruppen 18-29 und 40-49 Jahre. Etwa ein Viertel der Befragten wünscht sich ein offenes Ohr der Finanzinstitute: Erreichbarkeit über Mail, Chats oder Telefon sowie transparente Krisenkommunikation.

Dabei sorgen sich mehr Menschen in der Krise um den Schutz vor Cyber-Betrügern (23,5 Prozent) als um Beratung durch ihr Finanzinstitut, wie sie sich vor Vermögensverlusten schützen können. An solchen Ratschlägen ist unter Arbeitnehmern und Selbstständigen gleichermaßen etwa jeder Fünfte interessiert – und überdurchschnittlich Kontoinhaber der Volks-, Raiffeisen- und Sparda-Banken sowie der Comdirect. Gleichwohl wollen zu Beginn der Krise zwei Drittel der Bürger ihrem Geldinstitut treu bleiben. Nur jeder Fünfte sieht Anlass für einen Wechsel.

Geld anlegen: ja oder nein?

Eher unentschlossen zeigen sich die Bürger gerade in der Frage, wie wichtig es ist, in der Krise einen Notgroschen beiseite zu legen. Die Notwendigkeit, in der aktuellen Pandemie mehr Geld zu sparen, beantworten 40,3 Prozent mit ja, 42,7 Prozent mit nein, und 17 Prozent zeigen sich unentschieden – wobei die Sparneigung in den Altersgruppen bis 39 Jahre ausgeprägter ist als darüber.

Wenn Reserven für die Geldanlage vorhanden wären, dann würden sich mit 21,5 Prozent die meisten für Immobilien entscheiden, gefolgt von Fonds oder ETFs (21,1 Prozent) und Aktien (17,8 Prozent). Wobei der Griff zu Aktien jenen näher liegt, die schon Wertpapiere besitzen. Gold, Edelmetalle oder Rohstoffe liegen höher im Kurs (16,3 Prozent) als Festgeld oder Tagesgeld (12,6 Prozent). Mehr als jeder Dritte aller Befragten würde aber im Moment gar kein Geld anlegen.

Was schließlich das Bezahlen angeht, so wird in der Krise die bargeldlose Variante beliebter. Während bislang etwa die Hälfte der Befragten allgemein lieber bar bezahlt hat, und nur jeder Dritte lieber mit Karte, so greifen seit der Corona-Pandemie 55,7 Prozent eher zur Karte als zum Bargeld – darunter auffällig viele Rentner und mehr Arbeitnehmer als Selbstständige.

 


Kennen Sie schon unseren Newsletter „Die Woche“? Jeden Freitag in ihrem Postfach – wenn Sie wollen. Hier können Sie sich anmelden