Investor Charlie Munger: „Diese Zeit ist noch verrückter als die Dotcom-Ära“

Charlie Munger
Charlie Munger
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Der Investor Charlie Munger sieht die Märkte kurz vor dem Platzen einer neuen Blase. Er verglich die heutige Zeit mit der Dotcom-Blase, die Anfang der 2000er-Jahre in einem Marktbeben endete

Fragt man Charlie Munger einen Freund und Kollegen von Warren Buffet, steht es nicht gut um die Finanzmärkte. Sie seien kollossal überbewertet, sagte er am Freitag auf einer Konferenz. Er verglich die heutige Situation mit dem Dotcom-Boom in den späten 1990er-Jahren, der in einem Crash endete.

„Ich halte diese Ära für noch verrückter als die Dotcom-Ära", sagte der 97-jährige Munger auf der Sohn-Konferenz in Sydney, wie die australische Financial Review berichete. Munger sagte, dass er sich wünschte, es gäbe keine Kryptowährungen, und er lobte China, weil es Maßnahmen ergriffen habe, um ihre Verwendung zu verbieten, so die Zeitung.

„Ich wünschte, sie wären nie erfunden worden", sagte er. „Und wieder bewundere ich die Chinesen. Ich denke, sie haben die richtige Entscheidung getroffen, nämlich sie einfach zu verbieten. In meinem Land hat die englischsprachige Zivilisation die falsche Entscheidung getroffen. Ich kann es einfach nicht ertragen, an diesen wahnsinnigen Booms teilzunehmen, so oder so", sagte er.

Der S&P 500 Index hat sich seit seinem Tiefpunkt in der Pandemie im März des vergangenen Jahres mehr als verdoppelt, während Bitcoin um über 1000 Prozent gestiegen ist. Laut Daten der Bank of America und EPFR Global haben Anleger im Jahr 2021 fast 900 Mrd. Dollar in Aktienfonds investiert – mehr als in den letzten 19 Jahren zusammen.

Die Bewertung des US-Aktienmarktes liegt heute höher als vor der durch die Gesundheitskrise ausgelösten Baisse. Die Anleger sind nervös geworden. Die steigende Inflation zwingt die Zentralbanken, ihre Geldpolitik zu straffen. Das bedroht die Liquidität vieler Investoren und könnte am Ende zu ernsten Problemen führen.

Beziehungen zu China

Der erfahrene Investor äußerte sich auch zu den globalen Machenschaften Chinas und forderte Australien auf, im angespannten Verhältnis der beiden Supermächte USA und China eine Vermittlerrolle einzunehmen. „Ich denke, dass Australien in China eine konstruktive Position einnehmen und die USA und China dazu bringen kann, vernünftig miteinander zu sprechen", sagte er.

Munger meldete sich zu Wort, nachdem die Bargeldreserven von Warren Buffetts Unternehmen Berkshire-Hathaway im dritten Quartal mit 149,2 Mrd. Dollar einen neuen Höchststand erreicht hatten. Optimistisch äußerte er sich zu den Aussichten für erneuerbare Energien. „Ich finde es toll, dass wir die Verbrennung von Kohle, Benzin und Diesel rapide reduzieren", sagte er. „Ich denke, das ist eine kluge Sache für die Welt, und es wäre auch klug, wenn es keine globale Erwärmung gäbe."

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