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Geldanlage Britische Aktien: Lohnt sich der Einstieg?

Der Brexit ist nicht spurlos an der Londoner Börse vorbeigegangen
Der Brexit ist nicht spurlos an der Londoner Börse vorbeigegangen
© picture alliance / EPA | NEIL HALL
Nach dem Absturz im März 2020 ist die britische Wirtschaft wieder auf Erholungskurs. Doch warnen Experten vor einer möglichen Rezession. Sollten Anleger besser die Finger von britischen Aktien lassen – oder gerade jetzt zugreifen?

Großbritannien ist die fünftgrößte Volkswirtschaft der Welt. Vor seinem Ausstieg aus der Europäischen Union Anfang 2020, dem sogenannten Brexit, war das Vereinigte Königreich sogar Europas Nummer zwei, gleich hinter Deutschland und noch vor Frankreich. Geprägt ist die britische Wirtschaft vom sogenannten „angelsächsischen Kapitalismus“: Liberalismus, geringe Regulierung und niedrige Besteuerung zeichnen dieses Modell aus.

Mit dem Brexit feierten dessen Anhänger die zurückgewonnene wirtschaftliche Souveränität und Freiheit. Was sie vermutlich weniger feiern dürften: Der Brexit bremst Großbritannien wirtschaftlich aus – zumindest bisher. Ökonomen der unabhängigen britischen Aufsichtsbehörde OBR sehen das Potenzial des britischen Bruttoinlandsprodukts (BIP) durch den EU-Austritt um vier Prozentpunkte deutlich geschmälert. Das hat klarerweise auch Folgen für den britischen Kapitalmarkt: Unter den Börsenunternehmen, die den britischen Leitindex FTSE 100 bilden, schreiben seither viele rote Zahlen.

Dazu kommen die Auswirkungen von Covid-19. Mit Beginn der Corona-Pandemie stürzte Großbritanniens Wirtschaft so tief wie zuletzt im Jahr 1709, also vor rund 300 Jahren. Die Wirtschaftsleistung, gemessen am BIP, brach laut Angaben des Nationalen Statistikamts ONS um 11 Prozent ein. Zwar holte das Land zwischenzeitlich wieder deutlich auf: Das BIP legte 2021 um 7,5 Prozent zu. Aktuell machen jedoch die stark anziehende Inflation sowie hohe Energiepreise der Insel zu schaffen. Die Bank of England sieht das Vereinigte Königreich noch in diesem Jahr in eine Rezession abrutschen.

Anleger brauchen einen langen Atem

Dennoch: Britische Aktien bieten Anlegern durchaus Chancen – vor allem langfristig. Der jüngste Preisverfall hat mitunter zu niedrigen Bewertungen und damit zu möglicherweise günstigen Einstiegschancen geführt. Interessant ist etwa die im FTSE 100 gelistete Aktie des britisch-australischen Bergbauunternehmens Rio Tinto. Der Minenbetreiber, der in 35 Ländern der Welt tätig ist, baut hauptsächlich Aluminium, Kupfer, Mineralien und Eisenerz ab. Rohstoffe also, ohne die zahlreiche Alltagsgegenstände, angefangen von Kaffeepads über Smartphones bis hin zum Megatrend Elektroauto nicht hergestellt werden könnten. Dementsprechend freut sich Rio Tinto über eine weltweit hohe Nachfrage.

Seit ihrem Absturz im März 2020 auf rund 30 Euro hat die Rio-Tinto-Aktie bis heute um satte 98 Prozent zugelegt – aktuell notiert sie bei 59 Euro. Das Analysehaus Jefferies sieht noch Luft nach oben: Im Juni stufte es das Unternehmen von "Hold" auf "Buy" hoch und hob auch das Kursziel von 79 auf 80 Euro an. Der Bergbau befände sich immer noch in einem Aufwärtszyklus, begründet Analyst Christopher LaFemina seine Kaufempfehlung. Minenwerte hält er für robust genug, um einen „wahrscheinlich bevorstehenden makroökonomischen Wirbelsturm zu überstehen und anschließend die Hebelwirkung zu maximieren“. Anders fällt dagegen die Analyse der britischen Investmentbank Barclays aus: Den Titel stufte sie von rund 57 Euro auf 53 Euro ab und beließ ihre Einstufung auf „Underweight“. Die Begründung: Steigende Kosten könnten den Margendruck auf Rohstoffwerte erhöhen.

Spannend ist auch der Medienkonzern Relx. Der im FTSE 100 gelistete Titel gibt wissenschaftliche Fachzeitschriften heraus und betreibt beliebte Online-Datenbanken wie etwa LexisNexis. Nach dem Einbruch im Frühjahr 2020 hat sich das Relx-Papier wieder erholt und liegt aktuell bei 28,12 Euro. Experten blicken positiv auf die weitere Entwicklung des Unternehmens. So auch der Credit Suisse Analyst Matthew Walker, der auch im Falle eines schlechteren gesamtwirtschaftlichen Umfeldes kein großes Risiko für den Medien- und Analysekonzern sieht. Das Kursziel belässt er bei rund 33 Euro, an seiner Kaufempfehlung hält er fest. 

Anleger mit der nötigen Prise Risikofreude, könnten auch Gefallen am Aktienfonds des US-Vermögensverwalters Blackrock finden: Mit seiner Long-Short-Aktienstrategie setzt der UK Emerging Companies Absolute Return Fund sowohl auf steigende wie auch auf fallende Kurse britischer Aktien. Ein spekulatives Investmentvehikel mit entsprechenden Renditechancen.


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