Kolumne Bitcoin und die Jagd auf die 100.000-Dollar-Marke

Symbolbild Kryptowährung
Symbolbild Kryptowährung
© Gerd Altmann / Pixabay
2021 könnte das Jahr des Bitcoin werden: Die 50.000 Dollar-Marke wurde geknackt Setzt sich ein Muster der Vergangenheit fort, steigt der Kurs noch bis auf 100.000 Dollar. Allerdings nehmen mit der Rally auch die Risiken zu

Am Aktienmarkt sind Kursziele das Brot und Buttergeschäft der Analysen, obwohl die Trefferquote meist zu wünschen übriglässt. Noch mehr gilt das für den Bitcoin. Bei Tagesschwankungen im prozentual zweistelligen Bereich und mittelfristig noch stärkeren Ausschlägen nach oben und unten sind Prognosen nahezu unmöglich, zumal ein „fundamentaler“ Wert des Bitcoins nicht ermittelt werden kann. Auch die kurze Historie lässt kaum Rückschlüsse zu.

Hehre Kursziele mahnen zur Vorsicht

Wer sich dennoch mit der dürftigen Datenlage zufrieden gibt, stellt fest, dass der Kurs meist im Rahmen einer 10er-Potenz zulegte. 2011 ging es von eins auf 10, nach einer Pause auf 100 und Ende 2013 sogar auf 1000. Rund vier Jahre später wurde die 10.000er-Hürde genommen, nun sollte gemäß dem Muster die 100.000 folgen.


Bitcoin-Kurs (Bitcoin/Dollar) Kryptowährung


BTC/USD (Bitcoin / US-Dollar) Kryptowährung Chart
Kursanbieter: Bitstamp

Ob die Marke erreicht wird, muss zumindest bezweifelt werden. Medial schmücken die Kryptowährungen bereits seit Wochen wieder verstärkt die Schlagzeilen auch bei sonst börsenfernen Medien. Die Stimmung ist gut – und mahnt zur Vorsicht.

Notenbanken sind der Risikojoker

„Derzeit sind die wichtigsten Zentralbanken noch damit beschäftigt, die Folgen der Corona-Pandemie auf die Konjunktur abzufangen“, erklärt Gil Shapira, Chefstratege beim Broker Etoro, der zahlreiche Kryptowährungen im Angebot hat. „Sollte dieser Belastungsfaktor im Frühjahr an Bedeutung verlieren, könnte der Krypto-Markt wieder stärker in den Fokus der Währungshüter rücken“, meint Shapira.

Zwar stehen einige große Notenbanken der Blockchain, auf die der Bitcoin basiert, grundsätzlich aufgeschlossen gegenüber. So ist die EZB fest entschlossen, einen digitalen Euro einzuführen. Bereits in fünf Jahren könnte der „E-Euro“ neben Bargeld zum Einsatz kommen. Im Unterschied zum Bitcoin würde hier die Notenbank die Kontrolle über die Währung behalten.

Auch vor dem Hintergrund der sich abzeichnenden steigenden Inflationsraten könnte der Bitcoin aufgrund seiner Limitierung auf 21 Millionen Münzen zu einem Run in Richtung 100.000 Dollar ansetzen. Die Münzen würde sich zu einer ernsthaften Konkurrenz für das Fiat-Geld aufschwingen und so die Notenbanker auf den Plan rufen.

Zahlreiche Möglichkeiten einzugreifen

Der Instrumentenkasten reicht von einer stärkeren Regulierung über Mining-Verbote bis hin zu Zahlungs-, Handels- sowie Wechselbeschränkungen. Insbesondere institutionelle Investoren dürften bereits bei ersten verbalen Äußerungen ihre Chips am Kryptomarkt wieder schnell vom Tisch nehmen. Zudem bleiben die Folgen für das Finanzsystem überschaubar, solange der Börsenwert der Münzen vergleichsweise gering ausfällt.

Deshalb ist auch schon deutlich früher und somit oberhalb von 50.000 Dollar mit ersten Drohungen der großen Industriestaaten und Notenbanken zu rechnen. Je weiter der Kurs steigt, desto härter könnten die Gegenmaßnahmen ausfallen und desto größer der drohende Rücksetzer. Wir erinnern uns: Ausgehend vom 2017er-Hoch sackte der Bitcoin in der Spitze um mehr als 80 Prozent ab. Kein Einzelfall, wie der Blick auf die kurze Historie zeigt. Am Zertifikatemarkt ändert sich das Angebot rund um den Bitcoin übrigens stetig. Der Anbieter Vontobel bringt immer wieder frische Hebelpapiere auf den Markt, die das Spekulieren auf die Kryptowährung ermöglichen. Sicher ist beim Bitcoin für spekulative Trader aber nur eines – die Volatilität ist hoch, war hoch und wird hoch bleiben.

Daniel Saurenzbetreibt mit seinem Team das Börsenportal Feingold Research. Es bietet täglich einen Börsenbrief an, den Sie für 14 Tage kostenfrei testen können. Melden Sie sich unter Info@feingold-research.com an oder probieren Sie den Börsendienst unter diesem Link aus. Trainingstage und Coachings finden Sie NEU unter feingold-academy.com

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