Kolumne Bitcoin – das fulminante Comeback

Symbolbild Kryptowährung
Symbolbild Kryptowährung
© Gerd Altmann / Pixabay
Es geht wieder los: Die weltweit größte Kryptowährung nähert sich mit großen Schritten ihrem Rekordhoch. Zugleich weckt das Tempo des Anstiegs aber auch böse Erinnerungen. Anleger sollten sich jedoch des „Faktor-Tesla“ bewusst werden

Die Bilanz kann sich bisher sehen lassen: Seit dem Jahreswechsel kletterte der Bitcoin-Kurs um rund 140 Prozent, nachdem es im Vorjahr um rund 100 Prozent nach oben ging. Allerdings ist dies nur die halbe Wahrheit: Noch im Frühjahr war die mit Abstand wichtigste Kryptowährung um rund 50 Prozent eingebrochen und hing bis Oktober an der Schwelle von 10.000 Dollar.

Seitdem sehen wir die erste Phase eines Kaufrauschs, auf Sicht von 30 Tagen ging es um 60 Prozent nach oben. Unter den 20 größten Kryptowährungen weist keine andere Münze eine stärkere Rally auf. Entsprechend kletterte der Markanteil des Bitcoin am gesamtem Kryptouniversum auf zuletzt rund 60 Prozent, während die breite Masse der Münzen an der jüngsten Rally kaum partizipierte - aber was steckt hinter der Rally?

Paypal beflügelt

„In Ländern mit einer hohen Inflation weichen zunehmend mehr Menschen auf den Bitcoin als Alternativwährung aus. Besonders in Afrika und Südamerika kann dieser Trend beobachtet werden“, erläutert Gil Shapira, Chefstratege bei eToro, die Kryptowährungen über ihre Social Tradingplattform anbieten. Ende Oktober folgte dann der Ritterschlag durch Paypal: Der Zahlungsdienst öffnet sein Imperium für den Kryptomarkt.

Seitdem können US-Kunden Bitcoin, Ethereum, Bitcoin Cash und Litecoin in ihre Wallets aufnehmen. Ab Anfang 2021 soll es möglich sein, mit den Kryptowährungen an den 26 Millionen Verkaufsstellen des Paypal-Netzwerkes zu bezahlen. Weltweit hat der Zahlungsdienst rund 350 Millionen aktive Kunden – ein gigantischer Markt.

Bitcoin als Inflationsschutz gesucht

Schaut man über den Tellerrand des Krypto-Marktes, ist der Trend hin zu Negativzinsen nicht zu übersehen. Sparvermögen verlieren in Zeiten von Negativzinsen immer weiter an Wert. Gleichzeitig sind Alternativen wie Immobilien und Aktien schon gut gelaufen. Nicht wenige fürchten wegen der beispiellosen Geldschwemme der Regierungen und Notenbanken eine kräftig steigende Teuerung.

Bitcoin wird hingegen als Schutz vor Inflation gesehen: Durch einen Algorithmus ist die Stückzahl auf 21 Millionen limitiert. Auch das im Mai erfolgte dritte Halving wirkt positiv, weil so das Angebot an neu zu schöpfenden Bitcoins halbiert wurde.

Der Faktor-Tesla

Selbst professionelle Investoren entdecken zunehmend den Bitcoin als Beimischung. Vermögensverwalter wie Grayscale verzeichnen erhebliche Zuflüsse und halten Rekordbestände. Fidelity Investments empfiehlt seinen Kunden einen Krypto-Anteil am Gesamtvermögen von ein bis fünf Prozent. Sollten nur einige Kunden diesem Ratschlag folgen, würde dies den Preis massiv befeuern. Denn im Vergleich zu anderen Anlageklassen ist der Bitcoin mit einer Marktkapitalisierung von rund 330 Mrd. Dollar ein Fliegengewicht. Tesla ist mit rund 475 Mrd. Dollar mehr wert als alle Kryptowährungen zusammen, die zuletzt 430 Milliarden zusammen brachten. Bei einer Aktie wie Tesla ist sich jeder der Risiken bewusst und kalkuliert Rückschläge ein. So sollte man auch an den Bitcoin herangehen, der durch sein Marktumfeld deutlich volatiler ist als Tesla. Große Bitcoin-Player, sogenannte Wale, können mit einer Aktion den Kurs um 1000 oder 2000 Dollar abstürzen lassen.

Starke Schwankungen sind jederzeit zu erwarten, bereits mit kleinen Summen kann der Bitcoin bewegt werden. Korrekturen von 20 oder 30 Prozent sind bei der digitalen Währung selbst in Aufwärtsphasen nichts Besonderes. Im Zertifikatebereich hat der Emittent Vontobel wieder passende Turbo-Papiere emittiert. Aber Achtung - wer hier einsteigt, sollte daher gute Nerven haben und nur sogenanntes Spielgeld einsetzen. Grundsätzlich ist gerade das Signal von Paypal positiv zu sehen, doch kurzfristig sind Kryptowährungen genauso heiß gelaufen wie der Aktienmarkt. Da nehmen sich alte Welt und neue Welt momentan wenig.

Daniel Saurenzbetreibt mit seinem Team das Börsenportal Feingold Research. Es bietet täglich einen Börsenbrief an, den Sie für 14 Tage kostenfrei testen können. Melden Sie sich unter Info@feingold-research.com an oder probieren Sie den Börsendienst unter diesem Link aus. Trainingstage und Coachings finden Sie NEU unter feingold-academy.com

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