Fragen und Antworten Woher er kommt und wen er trifft: Was man über den Krypto-Crash wissen muss

El Salvador führte im Juni 2021 den Bitcoin als offizielles Zahlungsmittel ein. Bezahlt wird mit der App „Chivo“ – doch die finanziellen Probleme des Landes löste die Kryptowährung bislang nicht.
El Salvador führte im Juni 2021 den Bitcoin als offizielles Zahlungsmittel ein. Bezahlt wird mit der App „Chivo“ – doch die finanziellen Probleme des Landes löste die Kryptowährung bislang nicht.
© IMAGO/Zuma Wire
Der Bitcoin und andere Kryptowährungen sind auf ein 18-Monats-Tief gefallen. Das trifft auch die Anleger von klassischen Aktien – und Entwicklungsländer wie El Salvador. Vier Fragen und Antworten

Wer dachte, dass sich die Krypto-Märkte nach dem Crash im Mai beruhigen würden, wurde diese Woche eines Besseren belehrt. Am Dienstag stürzte der Bitcoin zwischenzeitlich auf 20.800 US-Dollar ab und notierte damit auf einem 18-Monats-Tief. Wochenlang hatte der Bitcoin um die Marke von 30.000 Dollar gependelt, jetzt durchbrach er aber gleich mehrere Widerstandswerte – und ein Boden ist noch nicht in Sicht. Auch andere Digitalwährungen und klassische Aktien stürzten ab, teilweise traf es sie sogar noch härter. So büßte Ether binnen einer Woche 34 Prozent ein und notiert nur noch bei 1200 Dollar. Der US-Autobauer Tesla verlor sieben Prozent, da Gründer Elon Musk als großer Verfechter digitaler Währungen gilt. Anders als beim Abverkauf im Mai, als der Stablecoin Terra crashte, gibt es dieses Mal aber mehrere Gründe. Welche das sind – und was die Folgen sind: Vier Fragen und Antworten. 

Was sind die Gründe für den jüngsten Krypto-Abverkauf? 

Der Kryptomarkt steht aktuell von zwei Seiten unter Druck. Neben der gesamtwirtschaftlichen Unsicherheit sind das vor allem die Probleme beim Krypto-Verleiher Celsius Network. Der verkündete am Sonntag, vorerst keine Auszahlungen und Transaktionen mehr vorzunehmen. Kunden können also kein Geld mehr abheben. Der Grund dafür seien „extreme Marktbedingungen“, vor denen das Unternehmen seine Kunden „schützen“ wolle. Das teilte das Unternehmen in einem Blogbeitrag mit. Offenbar wurde Celsius von einer Vielzahl an Rückforderungen überrascht und benötigt nun Zeit, die Liquidität zu sichern. Für die volatilen Kryptomärkte sind solche Nachrichten aber Gift und lösten in der Folge einen Abverkauf aus. Auch die weltgrößte Krypto-Börse Binance bekam das zu spüren, und setzte teilweise die Abhebungen aus. 

Die Reaktion auf die Celsius-Probleme zeigt schon die derzeitige Nervosität an den Kryptomärkten – die den gleichen Grund hat wie die allgemeine Unsicherheit an den Märkten. Anleger fürchten nach den jüngsten Inflationszahlen aus den USA, dass die Notenbank Fed die Zinsen noch stärker anziehen könnte. In der Folge würde dann das globale Wachstum leiden, so ihre Logik. In dieser Unsicherheit reduzieren Anleger ihr Risiko und werfen daher besonders schwankungsanfällige Werte ab. Dazu gehören etwa Kryptowährungen, auch weil diese keine Dividenden oder Zinsen einbringen. 

Warum sind andere Kryptowährungen ebenfalls betroffen? 

Das hängt unter anderem mit den Eigenschaften von Celsius zusammen. Kunden können hier ihre Kryptowährungen, etwa Bitcoin oder Ether, an Celsius übertragen und erhalten dafür eine jährliche Verzinsung von bis zu 17 Prozent – so die Theorie. Celsius verleiht diese Krypto-Werte dann an andere Interessierte weiter, die diese nur für eine kurze Zeit halten. Manche von ihnen wollen damit spekulieren, andere bedienen damit Kredite in Kryptowährungen. Außerdem investiert Celsius einen Teil in andere Kryptowährungen als Bitcoins – sogenannte Altcoins. Wenn jetzt aber zeitgleich mehrere Kunden ihre geliehenen Coins zurückhaben wollen, muss Celsius die Werte von den Anleihenehmern zurückholen oder – alternativ – eigene Kryptobestände verkaufen. Beides führt dazu, dass das Angebot am Markt größer wird und der Preis sinkt.  

Gab es am Aktienmarkt ebenfalls Verlierer des Krypto-Crashs? 

Die Verwerfungen am Kryptomarkt trafen nicht nur Digitalwährungen, sondern auch klassische Aktien – Titel mit Kryptobezug verloren teilweise deutlich. Am heftigsten traf es wohl die Aktie des Software-Herstellers MicroStrategy, die fast 30 Prozent im Minus notierte – der größte Tagesverlust seit fast 20 Jahren. Das Unternehmen investierte in den vergangenen Jahren mehrere Mrd. Dollar in Bitcoin & Co. Investoren bewerten das nun offenbar immer mehr als Fehler. Ähnlich sieht es beim Autobauer Tesla aus. CEO Elon Musk hat ebenfalls Investments in Digitalwährungen forciert, und so verlor die Aktie zum Wochenstart knapp sieben Prozent. Mining-Firmen wie Riot (minus 23,5 Prozent) oder Marathon (minus 20,3 Prozent) notierten ebenfalls deutlich im Minus. Papiere der beliebten Kryptobörse Coinbase kosteten am Dienstag gerade einmal 48 Euro. Im November zahlten Anleger hierfür noch über 300 Euro. 

Was heißt der Crash für die Staaten, die in Bitcoin investiert haben? 

Einige Entwicklungsländer führten während des jüngsten Kryptobooms Bitcoin als gesetzliches Zahlungsmittel ein. Als Pionier gilt El Salvador, wo Präsident Nayib Bukele Bitcoin im Juni 2021 zum offiziellen Zahlungsmittel machte. Kurz darauf folgten dann Panama und die Zentralafrikanische Republik. Bukele wollte das Land für Investitionen aus der Kryptoindustrie interessant machen und die Abhängigkeit vom US-Dollar verringern. Wirklich rentiert hat sich das bislang aber nicht. Nur fünf Prozent der Bevölkerung soll Bitcoin nutzen. Außerdem werden die Staatsanleihen mit deutlichem Abschlag gehandelt, und einige Investoren sehen gar reale Ausfallrisiken.  

Pläne, eine Art staatlichen Bitcoin-Fonds aufzulegen, wurden vorerst auf Eis gelegt. Die 2301 Bitcoin im Staatsbesitz notieren deutlich im Minus und können so auch keine neuen Reserven generieren. Das sollte sich aber bestenfalls bis Ende Januar 2023 ändern. Dann wird eine Staatsanleihe in Höhe von 800 Mio. Dollar fällig. Zwar besitzt El Salvador Zentralbankreserven von 3,4 Mrd. US-Dollar. Außerdem sind die rund 100 Mio. Dollar, die Bukele in Bitcoin investierte, ein vergleichsweise kleiner Wert. Aber: 2025 ist bereits die nächste Anleihe in Höhe von 800 Mio. Dollar fällig. Da könnte es schon deutlich kritischer werden. Bereits jetzt muss das Land rund fünf Prozent Zinsen für Dollar-Kredite zahlen. Wenn das Bitcoin-Investment floppt, wird dieser Wert wohl noch höher liegen – auch, weil El Salvador dadurch Vertrauen an den Finanzmärkten verspielt hätte. Insofern könnte die Bitcoin-Wette den finanziellen Spielraum des Landes sogar eingrenzen statt, wie geplant, vergrößern. 



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