FondsBei ETFs kommt es auf den Index an

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ETFs erfreuen sich bei Anlegern wachsender BeliebtheitGetty Images

Der europäische Markt für börsengehandelte Indexfonds (ETFs) ist mit Rekordzuflüssen ins Jahr 2018 gestartet. Im Januar und Februar sammelten ETFs in Europa nach Angaben des französischen Fondshauses Lyxor unterm Strich 21 Mrd. Euro ein – so viel wie nie zuvor in den ersten zwei Monaten eines Jahres. Indexanbieter wie MSCI oder S&P Dow Jones Indices dürften sich über den anhaltenden Boom freuen. Sie berechnen und lizenzieren Indizes, die ETF-Anbieter als Grundlage für ihre Fonds verwenden. Indexhäuser verdienen an der steigenden ETF-Nachfrage kräftig mit.

Dabei eignet sich nicht jeder Index gleichermaßen als Basis für einen ETF, warnt Ali Masarwah vom Fondsratinghaus Morningstar. Manche Marktbarometer böten beispielsweise keine ausreichende Diversifikation – weil sie sich aus relativ wenigen Werten zusammensetzen oder einzelne Werte ein überproportional großes Gewicht einnehmen. Investieren Anleger in einen ETF, dem ein wenig diversifizierten Index zugrunde liegt, holen sie sich ein sogenanntes Klumpenrisiko ins Depot.

Bei aktiv verwalteten Fonds darf ein einzelnes Wertpapier maximal zehn Prozent des Portfolios ausmachen. All jene Positionen, die allein mehr als fünf Prozent des Fondsvermögens ausmachen, dürfen zusammen ein Gewicht von höchstens 40 Prozent haben. Das schreibt die EU-Wertpapierrichtlinie UCITS vor. Bei ETFs sind die Marktwächter großzügiger: Indexfonds dürfen bis zu 20 Prozent ihres Nettoinventarwerts in einen einzelnen Titel stecken. In Ausnahmefällen dürfen Einzelwerte sogar ein Gewicht von bis zu 35 Prozent haben.

Mit dem Siegeszug der ETFs bemühen sich Indexanbieter stärker darum, Marktbarometer UCITS-konform zu gestalten. Etwa in der Schweiz: Dort nahmen im Jahr 2016 zwei Indexfondshäuser ihre ETFs auf den Schweizer Aktienindex SMI vom Markt, weil das Gewicht einzelner Titel im Index zu groß geworden war. Die ETFs verletzten die Diversifikationsregeln der Marktwächter. Als Konsequenz änderte die Schweizer Börse SIX Swiss Exchange, die den SMI und andere wichtige Schweizer Indizes berechnet, ihr Regelwerk. Seit September 2017 dürfen Einzelwerte im SMI ein Gewicht von maximal 18 Prozent haben. Die Kappung traf die beiden Schwergewichte Nestlé und Novartis.

Für die europäische Wertpapier-Aufsichtsbehörde ESMA reichen solche Schritte aus. Indizes und ETFs, die die „20/35-Regel“ einhalten, bieten den Marktwächtern zufolge eine genügende Diversifizierung. Morningstar-Experte Masarwah widerspricht: „Langfristinvestoren sollten bei ETFs dieselbe Messlatte anlegen wie bei aktiv verwalteten Fonds. Auch Index-Replizierer sollten grundsätzlich breit diversifiziert sein“, sagt er.

Als Beispiel für einen UCITS-konformen und trotzdem nicht für ETF-Anleger geeigneten Index nennt Masarwah den Dividenden-Index DivDax. Er enthält die 15 ausschüttungsstärksten Aktien des Dax. „Die fünf größten Positionen BASF, Allianz, Daimler, Siemens und Bayer machen rund 50 Prozent des Index aus“, sagt Masarwah. Diese Zusammensetzung verletzt zwar nicht die Regeln der ESMA –eine breite Streuung sieht aber anders aus. ETFs, die den DivDax nachbilden, gibt es unter anderem von iShares oder von der Commerzbank-Tochter Comstage. Dividenden-Fans sollten besser einen ETF auf einen breiteren Index wählen, wie den S&P Euro High Yield Dividend Aristocrats, rät der Morningstar-Mann. Dieser enthält immerhin 40 Werte, also mehr als doppelt so viele wie der DivDax.

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