InterviewBafin-Chef warnt Banken vor einer Welle von Kreditausfällen

Bafin-Chef Felix Hufeldimago images / brennweiteffm

Der Chef der deutschen Finanzaufsicht Bafin Felix Hufeld warnt vor einer steigenden Zahl von Kreditausfällen, die in mehreren Wellen die deutsche Bankenbranche treffen werde: „Bei den Banken müssen wir in den kommenden Quartalen coronabedingt mit einem steigenden Volumen an Kreditausfällen rechnen“, sagte er im Capital-Interview (Ausgabe 08/2020, 16. Juli) „Alles andere wäre naiv.“

Die Zahlen zu Wertberichtigungen der Banken für das erste Quartal seien hier „nur ein Vorgeschmack“ gewesen. Mit der ersten Welle der Kreditausfälle sei zum Jahresende und im ersten Quartal 2021 zu rechnen. Mit weiteren Wellen in den Folgejahren. „Wann die Kreditausfälle die Bilanzen erreichen und wie hoch sie sein werden, kann aber niemand seriös vorhersehen“, sagte Hufeld.

Die neue Capital

Zu den Vorwürfen im Fall Wirecard gegen seine Behörde wollte sich Hufeld trotz mehrmaliger Nachfragen des Magazins nicht äußern. Der bereits länger geplante Interviewtermin fand an dem Tag statt, an dem der Dax-Konzern Insolvenz anmeldete. Doch obwohl Hufeld zwischenzeitlich zusagte, Fragen zu Wirecard zu beantworten, gab er am Ende kein Statement ab. So blieb es beim Gespräch über die Schwierigkeiten der Banken- und Versicherungsbranche aufgrund der Niedrigzins- und Coronazeiten.

Eine grenzüberschreitende Bankenfusion in Europa hält der Bafin-Chef aufgrund der Corona-Krise für möglich. Über eine denkbare Fusion der Deutschen Bank mit einer anderen europäischen Großbank wird seit Langem in der Branche diskutiert. Zur Frage, ob es nun coronabedingt zu einer solchen Fusion käme, sagte der Bafin-Chef: „Kurzfristig wohl eher nicht, mittelfristig kann das durchaus so sein.“ Derzeit müssten Kreditinstitute bei der Übernahme von Konkurrenten befürchten, nicht planbare Ausfallrisiken zu erwerben. Sobald die Branche hier klarer sehe, seien solche Fusionen aber durchaus denkbar.

Auch die Versicherungsbranche werde sich in absehbarer Zeit weiter konsolidieren: Auf die Frage, für wie viele Lebensversicherer langfristig noch Platz auf dem deutschen Markt sein werde, antwortete Hufeld „für weniger“, denn „die Lebensversicherer – und übrigens auch die Pensionskassen – leiden natürlich arg unter den Niedrigzinsen.“ Sie könnten jedoch stärker in Aktien investieren, wenn die Unternehmen das gegenüber der Aufsichtsbehörde gut begründen könnten. Gut 20 Lebensversicherer stünden derzeit unter „intensivierter Aufsicht“ der Bafin: „Um einige machen wir uns größere Sorgen als um andere.“ Aber, so Hufeld weiter: „Es gibt jedoch keinen Fall, bei dem wir einen akuten Ausfall erwarten.“

 


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