Versicherung Aufnahme von Geflüchteten: Was Gastgeber beachten müssen

Eine Frau mit einem kleinen Hund auf dem Arm geht einen Bahnsteig entlang
Ankunft geflüchteter Ukrainer in Berlin: Viele kommen bei Privatleuten unter
© IMAGO / IPON
Viele Privatpersonen nehmen zurzeit Menschen bei sich auf, die aus der Ukraine fliehen mussten. Was Gastgeber versicherungsrechtlich beachten sollten

Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine sorgt für weltweites Entsetzen. Insbesondere Europa hat die Invasion einen regelrechten Realitätsschock versetzt. Um nicht tatenlos dabei zuzusehen und den Millionen Menschen zu helfen, die vor dem Krieg fliehen müssen, organisieren sich immer mehr Bundesbürger. Sie bieten ihre privaten Unterkünfte an, ohne die es vielen deutschen Städten schlichtweg nicht möglich wäre, all die Schutzsuchenden angemessen zu versorgen. Wer sich als Privatperson dazu bereit erklärt, seine vier Wände zu Verfügung zu stellen, sollte sich zuvor über seine Rechte und Pflichten informieren. Staat und Versicherungen übernehmen einen Teil der anfallenden Kosten.

Laut dem Mediendienst Integration haben sich zwischen Ende Februar und Mitte Mai 2022 rund 727.200 Personen aus der Ukraine im deutschen Ausländerzentralregister (AZR) registriert. Wie viele Kriegsflüchtlinge sich tatsächlich in Deutschland aufhalten, ist allerdings unklar. Denn ukrainische Bürger dürfen ohne Visum in die Europäische Union einreisen und sich in ihren Mitgliedstaaten frei bewegen.

Ein beachtlicher Teil der geflüchteten Menschen kommt bei Privatpersonen unter. Das zeigt eine Auswertung des Bundesinnenministerium (BMI). Demnach wohnt etwa ein Viertel der Befragten Ukrainerinnen und Ukrainer gegenwärtig bei Freunden und 19 Prozent bei Verwandten. Weitere 22 Prozent kamen in sonstigen privat bereitgestellten Wohnungen unter. „Die große Hilfsbereitschaft in Deutschland begeistert uns“, sagt Andrea Kothen, Referentin bei der Hilfsorganisation ProAsyl, und fügt hinzu: „Die wünschten wir uns für alle Geflüchteten in Deutschland, nicht nur aus der Ukraine."

Sozialleistungen für Geflüchtete

Wer geflüchtete Menschen bei sich aufnimmt, unterstützt damit nicht nur sie, sondern auch die Kommunen. Denn ihnen bereitet die Beherbergung einer so hohen Anzahl an geflüchteten Personen organisatorische Probleme. Bei aller Hilfsbereitschaft sollten sich Gastgeber allerdings klar machen, dass die Beherbergung von Menschen auch eine finanzielle Zusatzbelastung bedeuten kann, sagt Kothen: „Gastgebern muss klar sein, dass Mehrkosten durch den erhöhten Strom-, Heiz- und Wasserverbrauch sowie durch die Abnutzung der Wohnung entstehen.“

Grundsätzlich können Gastgeber von den aufgenommenen Flüchtlingen Miete verlangen. Aber: „Der Staat weiß, dass viele Geflüchtete kein Vermögen besitzen oder nicht darauf zugreifen können“, sagt Kothen. „Deswegen gesteht der Staat geflüchteten Ukrainern unbürokratisch Sozialleistungen zu.“ Wenn Anspruch auf Sozialhilfe vorliegt, übernehmen die Behörden anfallende Miet- und Nebenkosten. Hierfür ist es ratsam, einen Untermietvertrag anzufertigen, aus dem schlussendlich die Kostenpflicht hervorgeht. So erhalten Gastgeber vom Staat einen finanziellen Ausgleich für ihre Mehrkosten.

Versicherungsbranche hilft mit

Auch die Assekuranz trägt ihren Teil bei. So erweitern viele Versicherer zurzeit beispielsweise den Versicherungsschutz der Hausratversicherung von privaten Gastgebern auf ihre ukrainischen Gäste. Die Hausratpolice sichert das bewegliche Eigentum, also Möbel, TV-Geräte oder Klamotten im Schadensfall gegen Feuer, Blitzschlag, Sturm und Hagel, Leitungswasser und Einbruch ab. Die Habseligkeiten der aufgenommenen Menschen sind dann kostenfrei in der Hausratpolice des Gastgebers mitversichert. Wichtig für Gastgeber: „Teilweise decken die Tarife auch Unvorsichtigkeiten von Geflüchteten mit ab“, sagt Versicherungsmakler Holger Schnittker aus Steinfeld. Dann ersetzt der Versicherer auch finanzielle Schäden im Haushalt, sollte ein Unglück geschehen und ein Gast beispielsweise eine brennende Kerze vergessen, die einen Brand verursacht.

Auch die private Haftpflicht weitet sich bei vielen Versicherern auf geflüchtete Menschen aus. Gegenüber Dritten genießen sie dann denselben Versicherungsschutz wie ihre Gastgeber. Und: „Einige Versicherer erweitern den Versicherungsschutz für Geflüchtete auch auf herbeigeführte Schäden am Eigentum des Gastgebers“, erklärt Schnittker. Fällt beispielsweise beim Haaretrocknen der Föhn auf eine Badezimmerfliese und beschädigt diese, übernimmt die private Haftpflicht den finanziellen Schaden.

Übrigens: Über die Plattform UnterkunftUkraine vermittelte Flüchtlinge erhalten seit Ende April eine kostenfreie eigene private Haftpflicht. Die Webseite arbeitet dafür mit der ERGO-Versicherung zusammen. Diese übernimmt auch Schäden am Mobiliar des vermittelten Gastgebers.


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