KennziffernAuf diese Unternehmenszahlen kommt es an

Null oder acht? Mit manchen Geschäftsberichten ist diese Frage gar nicht leicht zu beantworten
Null oder acht? Mit manchen Geschäftsberichten ist diese Frage gar nicht leicht zu beantworten Maximilian Virgili

Das wahre Geschäft

Statt auf das bereinigte Ebit und Ebitda zu schauen, sollten Investoren die tatsächlichen Werte wählen. Sie zeigen, wie das operative Geschäft läuft, weil sie das Ergebnis vor Zinsen und Steuern beziehungsweise beim Ebitda sogar vor Abschreibungen abbilden. Nur auf diese beiden Zahlen zu schauen wäre jedoch fahrlässig. „Ein Unternehmen kann selbst dann in Finanznot geraten und gar pleitegehen, wenn die beiden operativen Zahlen positiv sind, da sie keine Auskunft darüber geben, wie viel Liquidität das Unternehmen tatsächlich besitzt“, sagt Flossbach-von-Storch-Analyst Philipp Immenkötter. Daher sollten Investoren den freien Cashflow beobachten – dieser Wert gibt an, wie viel Geld tatsächlich im Unternehmen bleibt, nachdem es seine Ausgaben bezahlt hat. Der freie Cashflow ist zudem kaum manipulierbar. Sinkt er oder ist er gar im Minus, ist das ein Warnzeichen.

Der Preis der Aktie

Ob eine Aktie günstig oder teuer ist, wird gern anhand des Kurs-Gewinn-Verhältnisses (KGV) beurteilt. Das KGV setzt den Gewinn pro Aktie ins Verhältnis zum Kurs. Die Idee: Ein hohes KGV steht für eine teure Aktie, ein niedriges für ein günstiges Papier. Doch das ist ein Irrtum,  sagt Fondsmanager Roger Peeters. „Ein KGV von 10 kann günstig, eines von 20 billig sein.“ Grund: Entscheidend ist, wie stark oder schwach das Gewinnwachstum des Unternehmens ist, weshalb rasch wachsende Unternehmen oft hohe KGVs haben. Anleger sollten daher das KGV in Relation zum erwarteten oder historischen Gewinnwachstum setzen. Beide Werte sollten ähnlich hoch sein, bei einem KGV von 20 sollten die Gewinne also pro Jahr um 20 Prozent steigen. Je stärker der Quotient von KGV und Gewinnwachstum von eins nach oben abweicht, desto teurer ist die Aktie. Und selbstverständlich sollten Anleger zur Berechnung des KGV den echten und nicht den bereinigten Gewinn pro Aktie verwenden.

Die Schulden

Die Gesamtschulden sagen wenig aus, weil Unternehmen einen Teil davon aus liquiden Reserven sofort bezahlen können. „Investoren sollten auf die Nettoschulden schauen, bei denen die Liquidität abgezogen wird“, sagt Analyst Christoph Schlienkamp. Zudem sollte man die Nettoschulden durch das Ebitda teilen. Diese relative Sicht ist sinnvoller, als darauf zu achten, ob der Schuldenstand absolut gestiegen ist. Ein Unternehmen kann sich mehr Schulden erlauben, wenn es wächst. Eine Zahl zwischen zwei und drei gilt als gut, ab vier gelten Firmen als überschuldet.