KolumneAngst vor der zweiten Crashwelle

Von dem großen Absturz haben sich die Kurse wieder erholt. Doch für Entwarnung ist es noch zu frühimago images / photothek

Beim Dax-Stand von 8500 Punkten hatten wir bei Feingold Research ein offensives „Go“ für den Aktienmarkt in unser Investmentbuch geschrieben. Jetzt – nur drei Wochen später bei 10.500 Zählern – treten wir auf die Euphoriebremse. Fußballfans kennen die kontrollierte Offensive eines Otto Rehhagel und die sollte jetzt auch für das eigene Depot die Taktik sein. Wir haben in unserem Börsendienst mit Discount-Puts und Sicherungen gegen die zweite Welle just Halteseile eingezogen. Anders als vor drei Wochen sind wir jetzt weit weniger optimistisch. Dies hat zehn Gründe:

  1. Die Stimmung der privaten Anleger in den USA ist unglaublich positiv. Die sehr große Mehrheit erwartet ab jetzt steigende Kurse. So enden gewöhnlich keine Crash-Phasen.
  2. Bei 8500 Punkten war der Dax attraktiv. Bei 10.500 ist er angesichts der Lage im Moment nicht attraktiv. Im Gegenteil – unterstellt man angesichts von Corona für den US-Aktienmarkt normale Reduzierungen der Gewinnerwartungen, so ist der S&P 500 extrem teuer bewertet, ebenso wie die Technologietitel.
  3. Wir sehen das kurzfristige Chance-Risiko-Verhältnis für den Aktienmarkt bestenfalls bei 40:60. Bei 8500 war es für uns 90:10. 100 bedeutet dabei beste Aussichten für Aktien, 0 bedeutet Finger weg. Im Januar hatten wir angesichts der Stimmungen unseren Indikator bei 10:90 – sprich, minimale Chancen bei maximalen Risiken.
  4. Crashs verlaufen in Wellen. 2008 kam die erste Welle, dann eine starke zweite. Diesmal könnte es umgekehrt sein. Der Schock kam anders als bei Lehman geballt und unglaublich dynamisch, doch die zweite Schockwelle werden Arbeitsmarktdaten und Gewinnentwicklung der Firmen sein.
  5. Wir bekommen die größte Rezession seit dem 2. Weltkrieg. Dem soll angemessen sein, dass die Nasdaq vom ohnehin hohen Top nur 17 Prozent hinten liegt? Bei aller Liebe, das ist zu wenig.
  6. Die Volatilität hat sich vom Top halbiert. Dies bedeutet merkliche Entspannung. Antizyklisch ein Zeichen, das viele schon sehr relaxed sind.
  7. Der Fear and Greed-Index zeigt partiell schon wieder gute Laune an. Wir finden – zu früh.
  8. Aktien wie Wirecard haben vom Tief rund 40 Prozent zugelegt. Das ist ein gutes Maß für eine stattliche Erholung. Starbucks etc. sehen ähnlich aus. Es werden aber desaströse Unternehmensdaten folgen.
  9. Gold ist gesucht und wieder im Comeback-Modus. Die Notenbanken fluten die Märkte natürlich mit Geld. Aber – die Kurve dessen flacht bald ab. Und  Märkte steigen gewöhnlich erst ein Jahr später dank einer Geldflut massiv an. An Aktien führt kein Weg vorbei, allerdings nur mittel- bis langfristig.
  10. Das Sentiment kippt. Ab jetzt sind wieder negative Überraschungen möglich. Daher zurren wir mittels passender Instrumente unser Depot in unserem Börsendienst fest. Die Mischung aus Cash, Aktienquote und Short-Absicherung ist jetzt entscheidend.

Daniel Saurenz betreibt das Börsenportal Feingold Research. Es bietet täglich einen Börsenbrief an, den Sie für 14 Tage kostenfrei testen können. Melden Sie sich unter Info@feingold-research.com an oder probieren Sie den Börsendienst unter diesem Link gerne aus