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Daniel Saurenz Aktienmärkte kollabieren, folgt der Immobilienmarkt?

Ein Aktienhändler sitzt an seinem Arbeitsplatz an der New Yorker Börse und schaut auf einen Monitor
Bärenmarkt: Am Montag dieser Woche ging es steil bergab mit den Kursen an der New Yorker Börse
© IMAGO / Xinhua
Im Frühsommer 2022 befinden sich die Kapitalmärkte im Schnellwaschgang. Immense Verwerfungen an den Anleihemärkten werden flankiert von fallenden Aktien. Was droht jetzt dem Immobilienmarkt?

Manche Zahlen haben sich gewaschen. 6,2 Prozent muss ein Immobilieninteressant derzeit in den USA hinblättern für einen Kredit mit 30-jähriger Laufzeit. Vor einem guten halben Jahr lag der Tarif noch bei 2,6 Prozent. „Eine 100 Jahre langlaufende und mit 2,1 Prozent verzinste Anleihe des Staates Österreich notierte vor wenigen Monaten im Kurs noch merklich über 200. Sie liegt mittlerweile bei rund 80 im Kurs“, nennt Kapitalmarktexperte Jürgen Molnar von Robomarkets eine weitere Zahl.

Und wer momentan bei seiner Bank in Deutschland anklopft für eine zehnjährige Verzinsung, der erhält mitunter Angebote von 3,5 bis 3,7 Prozent bei 90 Prozent Fremdkapitalquote. Noch vor einem Jahr wurden solche Anfragen mitunter weit unter einem Prozent beantwortet.

2022 kommt alles zusammen

Das Jahr 2022 ist in vielerlei Hinsicht toxisch für alle Finanzmarktteilnehmer. Die Ukraine-Eskalation war Ende 2021 nicht zwangsweise kalkulierbar, doch dass man aus der Sonderlage Corona am Markt nicht ohne Rumpeln herauskommen würde, darauf hatten wir nicht nur im Beitrag „2022 wird kein lustiges Börsenjahr“ hingewiesen. Und trotzdem sind die Verwerfungen extrem. Dass die US-Notenbank 75 Basispunkte Zinserhöhung ins Auge fassen musste, war nicht nur besonders, sondern extrem selten. Zuletzt war dies 1994 der Fall. Zinserhöhungen dieses Ausmaßes sind nur dann nötig, wenn die Inflation so hoch steigt, wie das momentan der Fall ist.

Hoffnungszeichen gibt es trotzdem. So notiert der Feingold Research Sentimentindikator im klaren Kaufbereich, nachdem er noch am 7. Juni ein Verkaufssignal geliefert hatte. Kein Wunder, sind Dax-Bewegungen von 14.700 Punkten bis auf nur noch gut 13.200 binnen nur acht Handelstagen heftig. „In den USA liegen die Indizes im Bärenmarkt, der Abstand zum 125-Tage-Durchschnitt im S&P 500 ist jedoch so hoch wie seit Jahren nicht und das Put-Call-Ratio auf Alarmlevel“, macht Acatis-Kapitalmarktstratege Stefan Riße Hoffnung.

Denn auch die Volatilität ist angesprungen und „der VIX of VIX legte nach langer Zeit wieder deutlich zu“, ergänzt Analyst Molnar. Dieser Indikator besagt, wie schwankend sich die Volatilität per se gestaltet Mit anderen Worten – eine Menge Stimmungsindikatoren sind auf Ausverkaufslevel und dies ist antizyklisch durchaus gut.

Immobilien am Ende?

Für den deutschen Immobilienmarkt gilt im Übrigen, dass die Aktien dem Markt derart weit vorauseilen, dass schon ein massiver Abschwung kommen müsste. Von diesem ist bisher in Deutschland nichts zu sehen, ohnehin ist angesichts von Angebot und Nachfrage am Wohnungsmarkt eine Situation wie jene in München eher erwartbar als ein massiver Crash. Wie stellt sich München seit dem Zweiten Weltkrieg dar? Auf eine deutliche Steigerung der Preise folgte stets eine Beruhigung über die Zeitachse. Die Preise parkten einige Jahre auf der Stelle. Bei hoher Inflation wäre dies nichts anderes als eine Korrektur. Ein nominaler Preiscrash muss also keinesfalls kommen, auch wenn ihn viele seit Jahren herbeireden.

Daniel Saurenz betreibt mit seinem Team das Börsenportal Feingold Research. Es bietet täglich einen Börsenbrief an, den Sie für 14 Tage kostenfrei testen können. Melden Sie sich unter info@feingold-research.com an oder probieren Sie den Börsendienst unter diesem Link aus. Trainingstage und Coachings finden Sie NEU unter feingold-academy.com


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