Gehalt Das verdienen Ärzte, die gegen Corona impfen

Ärztinnen und Ärzte, die gegen Corona impfen, bekommen extra Geld
Ärztinnen und Ärzte, die gegen Corona impfen, bekommen extra Geld
© Eibner Europa / IMAGO
Wer als Arzt oder Ärztin gegen das Coronavirus impft, bekommt dafür extra Geld. Knapp 30 Euro verdienen sie pro Impfung. Auch über die Feiertage soll der Zusatzverdienst viele Mediziner dazu motivieren, die Spritze zu setzen

Die impfenden Ärzte sind der Dreh- und Angelpunkt in der Bekämpfung der Pandemie und haben mit zusätzlichem Aufwand genauso zu kämpfen wie mit verunsicherten Patienten. Doch sie können daran auch gut verdienen - zum Teil mehrere Tausend Euro im Monat.

28 Euro erhalten niedergelassene Mediziner pro Corona-Impfung in der eigenen Praxis, an Wochenenden und Feiertagen sogar 36 Euro. Auch für die Zeit vom 24. Dezember bis 9. Januar will Gesundheitsminister Karl Lauterbach das erhöhte Honorar zahlen. Das ist deutlich mehr als für andere Impfungen. Berliner Ärzte zum Beispiel bekommen für AOK-Versicherte zwischen knapp 8 und 20 Euro pro Impfung gegen andere Krankheiten. Wie viel ein einzelner Mediziner gegen Covid-19 impft, wird nicht zentral erfasst, lässt sich aber zumindest beispielhaft berechnen. Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Berlin etwa zählte von Mitte März bis Mitte Dezember insgesamt 2.932.999 Impfungen durch 3276 Medizinerinnen und Mediziner in 2676 Praxen - macht im Schnitt 99 Impfungen pro Monat und Arzt.

Bei diesem Durchschnittswert käme ein Mediziner auf monatlich zwischen knapp 2800 und 3600 Euro vor Steuern, abzüglich der eigenen Kosten, etwa für Personal und Praxis. Teilt man die Gesamtzahl der bundesweit an Praxen und Betriebsärzte gelieferten Dosen durch alle rund 108.000 impfenden Ärzte, ergibt sich aktuell sogar ein Betrag um die 8500 bis 10.900 Euro. So wurden in der Woche bis zum 5. Dezember laut Bundesgesundheitsministerium fast 8,2 Millionen Dosen an Praxen und Betriebsärzte geliefert, im Durchschnitt ungefähr 76 pro Mediziner. Nach Angaben von Berufsverbänden impfen rund 93.000 niedergelassene Ärztinnen und Ärzte gegen Corona sowie schätzungsweise 9000 Privatärzte und etwa 6000 Betriebsärzte.

150 Euro pro Stunde im Impfzentrum

Wie viel die Ärzte zusätzlich zu ihren üblichen Behandlungen impfen und wie viel stattdessen, können die Kassenärztlichen Vereinigungen nicht beziffern. Das handhaben die Mediziner ganz unterschiedlich; viele angestellte Ärztinnen und Ärzte etwa arbeiten normalerweise nicht in Vollzeit, können also einfacher zusätzlich gegen Covid-19 impfen. Der Durchschnittsverdienst von niedergelassenen Ärzten variiert ebenfalls stark. Ein Hausarzt in Berlin zum Beispiel erhielt im letzten Quartal 2020 im Schnitt rund 61.700 Euro Honorar, also umgerechnet fast 20.600 Euro im Monat. Davon muss er oder sie als "Unternehmer" allerdings auch seine Ausgaben bestreiten, etwa für Personal, Miete oder auch die eigene Rentenvorsorge.

In den Impfzentren können Mediziner ebenfalls dazuverdienen, je nach Bundesland unterschiedlich viel. In Berlin erhalten Ärzte dort aktuell 120 Euro pro Stunde, die Schichten dauern zwischen sechs und acht Stunden. "Die Nachfrage nach den Diensten ist hoch", berichtet die KV Berlin auf ntv.de-Anfrage. Maximal zwei Dienste pro Monat können Mediziner dort demnach übernehmen, im Dezember ausnahmsweise fünf.

In manchen anderen Bundesländern verdienen sie in den Impfzentren mehr; in Nordrhein-Westfalen etwa gibt es 150 Euro pro Stunde, wie das Landesgesundheitsministerium ntv.de mitteilt. In welchem Umfang die Ärzte dort im Einsatz sind, ist der Behörde allerdings nicht bekannt, nur so viel: Acht Stunden pro Tag sollen nicht überschritten werden.

"Anreize, damit möglichst viel geimpft wird"

Knapp die Hälfte aller bisher verimpften Dosen bekamen die Impflinge nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums in Praxen, fast 43 Prozent in den Impfzentren, die übrigen im öffentlichen Gesundheitsdienst. Kritik an der Höhe der Vergütungen findet die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) nicht angebracht. Bis vor einem Monat bekamen die Ärzte noch 20 Euro pro Impfung in der Praxis. "Es ist gut, dass nachgebessert wurde", sagt der Sprecher der KBV gegenüber ntv.de. "Wenn man will, dass so viel wie möglich geimpft wird, macht es Sinn, Anreize zu schaffen." So müsse etwa auch das Personal für Wochenenddienste gewonnen werden. Wer seit Monaten gegen Corona impft, müsse "sein Team bei der Stange halten - das ist kein Zuckerschlecken".

Inzwischen steige zudem der Beratungsbedarf der Patienten. So müssten zunehmend auch Impfskeptiker überzeugt oder etwa die Fragen von Eltern zu Kinder-Impfungen beantwortet werden. Wenn es schnell gehe, würden insgesamt etwa 15 Minuten für Gespräch und Impfung eines Patienten benötigt; bei Vorerkrankungen zum Beispiel seien dagegen bis zu 45 Minuten nötig. Hinzu kämen jeweils einige Minuten für die Dokumentation, meist in den Abendstunden.

Der Privatärztliche Bundesverband kritisiert unterdessen, dass nicht alle Mediziner, die wollen, impfen dürfen, Honorarärzten aus den Krankenhäusern bleibe dies verwehrt. Darüber beklagten sich nach eigenen Angaben bis zu 2000 Honorarärzte bei dem Verband. "Und das sind ja nur die, sich beschweren", erläutert eine Sprecherin ntv.de. "Das sind wertvolle Impfärzte, die nicht zur Verfügung stehen" - in ihren Augen eine "Schande für Deutschland".

Dieser Text erschien zuerst bei ntv.de.


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