Konjunktur3 Szenarien für die Märkte nach Corona

Wie sich die Wirtschaft nach der Krise weiterentwickelt, hängt von vielen verschiedenen Faktoren ab
Wie sich die Wirtschaft nach der Krise weiterentwickelt, hängt von vielen verschiedenen Faktoren abimago images / Ralph Peters

Noch immer steckt die Welt mitten in der Covid-19-Pandemie. Auch wenn sich das Leben für viele Menschen beinahe wieder normal anfühlt: In zahlreichen Ländern steigen die Infektionszahlen. Zugleich melden Wissenschaftler ständig neue Erfolge bei der Suche nach einem Impfstoff gegen das neue Coronavirus. Wie es weitergeht mit der Pandemie hat auch Folgen für die Wirtschaft und die Finanzmärkte. Drei Haupt-Szenarien sind denkbar:

#1 Super-Impfstoff beflügelt die Konjunktur

Rund um den Globus arbeiten Wissenschaftler fieberhaft an einem Impfstoff. Bestmögliches Ergebnis wäre ein Serum, das sicher und zuverlässig wirkt, sich rasch, günstig und in gewaltigen Mengen produzieren lässt und überdies deutlich früher als erwartet zur Verfügung steht. Käme ein solcher Super-Impfstoff, wäre er für die Wirtschaft ein echter Turbo. Die Konjunktur dürfte sich weitaus rascher erholen als erwartet, Investoren würden die vielbeschworene V-förmige Erholung erleben. Für Aktienanleger wäre dieses Szenario aber womöglich gar nicht so positiv wie gedacht. Der Grund: Ein Post-Corona-Wirtschaftswunder könnte dazu führen, dass die Notenbanken die Leitzinsen anheben, um zu verhindern, dass die Inflation überschießt. Investoren würden auf gute Nachrichten aus der Forschung deshalb eher verhalten reagieren, sagt Eduard Baitinger, Asset-Allocation-Chef der Feri-Gruppe. Seiner Einschätzung nach könnte es sogar zu Korrekturen am Aktienmarkt kommen, wenn sich ein Erfolg bei der Impfstoff-Suche herauskristallisiert. „Die Erwartung höherer Zinsen überwiegt dann den konjunkturellen Effekt“, sagt er.

#2 Zweite Welle führt zu Markt-Delle

Eine zweite Infektionswelle ist mehr als nur wahrscheinlich. In vielen Ländern, darunter auch die USA, ist sie bereits Realität. Die Frage ist, ob die steigenden Infektionszahlen einen neuen Lockdown erforderlich machen. Die Wirtschaft würde dann erneut einbrechen. An den Kapitalmärkten würden in diesem Szenario die klassischen Krisenanlagen zu den Gewinnern zählen: Gold und sichere Anleihen. Die Aktienkurse würden einbrechen. Es könnte immerhin weniger schlimm kommen als während des Crashs im Frühjahr, sagt Gilles Moëc, Chefökonom der Axa-Gruppe. „Dass die Wirtschaftsleistung wieder auf das Niveau von Anfang April 2020 fällt, ist sehr unwahrscheinlich“, sagt er – und warnt zugleich: „Allerdings kann auch die Sorge davor zu deutlichen Marktbewegungen führen.“ Damit es an den Märkten ähnlich rasant abwärts geht wie zu Jahresbeginn, müssten weite Teile der globalen Wirtschaft erneut in den Lockdown gehen, schätzt Moëc. In den Vorhersagen vieler Analysten hat dieses Szenario die Form eines W: Auf die Erholung nach dem ersten Crash folgt ein zweiter Absturz, gefolgt von einer zweiten Erholung.

#3 Langsam zurück zur Normalität

Pandemien enden in der Regel nicht mit einem Knall, sondern fasern allmählich aus. Es gibt immer effizientere Behandlungsmöglichkeiten und bestenfalls irgendwann einen Impfstoff, der einigermaßen zuverlässig wirkt und mit dem erst die Risikogruppen versorgt werden und schließlich der Rest der Bevölkerung. Die Wirtschaft erholt sich langsam, aber stetig, bis sie ihr Vorkrisenniveau wieder erreicht hat. In diesem Szenario, das einem V mit steilem linkem und flacherem rechtem Arm gleicht, dürften die Zinsen tief bleiben. Zinssteigerungen würden die fragile Erholung ausbremsen. Anleiheinvestoren hätten das Nachsehen, die Aktienkurse dürften dagegen moderat weiter steigen. Auch der Goldpreis könnte weiter anziehen, weil Anleger aus Sorge über die dauertiefen Zinsen und aus Angst vor neuerlichen Korrekturen ihr Portfolio mit dem Edelmetall absichern wollen. „Die jüngste Krise hat gezeigt, wie groß der Wunsch der Anleger nach einem sicheren Hafen ist, wenn es hart auf hart kommt“, sagt Lars-Henning Müller, Anlageexperte der Privatbank Merck Finck. Seiner Einschätzung nach könnte der Goldpreis mittelfristig auf 3000 US-Dollar je Feinunze klettern.