MärkteWarum die Inflation zu Jahresbeginn stark gestiegen ist

Euro-Skulptur vor dem Eurotower in Frankfurtimago images / Marcel Lorenz

Als das Statistische Bundesamt Anfang Februar Deutschlands Inflationszahlen für Januar veröffentlichte, konnte es mit einer Überraschung aufwarten: Im Vergleich zum Vormonat hatten die Verbraucherpreise zu Jahresbeginn um ein volles Prozent angezogen. Im Dezember 2020 waren die Preise dagegen gegenüber dem Vormonat noch um 0,3 Prozent zurückgegangen. Nicht nur in Deutschland hat die Teuerung offenbar Flügel bekommen. Die Januar-Zahlen für die gesamte Eurozone sehen ähnlich aus, mit einem Sprung von minus 0,3 auf plus 0,9 Prozent.


source: tradingeconomics.com

Eine moderat steigende Inflation ist zwar genau das, was die Europäische Zentralbank (EZB) anstrebt. Viele Bürger dürften steigende Teuerungsraten aber mit Unbehagen betrachten und sich fragen, ob die Liquiditätsflut, mit der die EZB gegen die Folgen der Corona-Krise ankämpft, nun dazu führt, dass ihr Geld an Kaufkraft verliert. Die gute Nachricht: Der sprunghafte Anstieg der Inflation lässt sich nicht auf die ultralockere Geldpolitik der Notenbank zurückführen und dürfte sich schon im laufenden Monat wieder abschwächen. Die schlechte Nachricht: Einiges spricht dafür, dass die Inflation im Jahresverlauf zwar langsam, aber doch stetig anzieht. Anleger sollten darüber nachdenken, ihr Portfolio zu rüsten.

In den jüngsten Inflationsdaten machen sich mehrere Sondereffekte bemerkbar. Erstens ist die Mehrwertsteuer in Deutschland zu Jahresbeginn wieder gestiegen. Um die Corona-geschädigte Wirtschaft anzukurbeln und die Bürger zu entlasten, hatte die Bundesregierung den regulären Mehrwertsteuersatz im zweiten Halbjahr 2020 vorübergehend von 19 auf 16 Prozent gesenkt. Zweitens haben sich Strom, Benzin und Heizöl im Januar so kräftig verteuert wie seit zehn Jahren nicht mehr, auch wegen Einführung der CO2-Abgabe. Drittens wurde der Warenkorb, anhand dessen die Inflationsrate berechnet wird, neu gewichtet. Ausgaben für Reisen, Restaurantbesuche und andere Dinge, die wegen Corona auf Eis liegen, fallen bei der Berechnung neuerdings weniger ins Gewicht, Ausgaben für Nahrungsmittel und einige andere Güter dagegen stärker. Dadurch kann es kurzfristig zu Verzerrungen kommen.

Prognosen für die Inflation nicht eindeutig

Die Sondereffekten lassen erahnen, wie komplex das Thema Inflationsentwicklung ist. Die Gleichung „mehr Zentralbankgeld = höhere Inflation“ geht jedenfalls nicht auf. Die Prognosen für die kommenden Monate ergeben kein eindeutiges Bild: Zwar könnten Konsumenten nach dem Ende der Pandemie die Läden stürmen und nachholen, was sie wegen Corona verpasst haben. Dieser Effekt dürfte aber rasch wieder verpuffen. Einerseits könnten die Preise für Öl und andere Energieträger, die Teil des Inflations-Warenkorbs sind, mit fortschreitender Wirtschaftserholung weiter steigen. Andererseits gibt es keine Anzeichen dafür, dass Arbeitgeber die Löhne erhöhen wollen, sodass eine Lohn-Preis-Spirale als Inflationstreiber eher ausfällt.

Der Konsens unter Volkswirten lautet trotz aller Unsicherheiten: Die Inflation wird anziehen. Wegen der höheren Energiepreise, wegen der Konjunkturerholung, wegen Preissteigerungen in Branchen, die von der Pandemie besonders stark in Mitleidenschaft gezogen wurden. Umstritten ist indes, ob die Verbraucherpreise schon im ersten oder erst im zweiten Halbjahr 2021 klettern. Auch auf die Frage, ob es sich um eine Reflation oder doch eine Stagflation handeln wird, gibt es bislang keine klare Antwort.

Anleger sollten nicht warten, bis die Teuerung an ihren Renditen knabbert. Wer in Aktien oder Sachwerte wie Immobilien investiert ist, kann der Inflationsrate gelassen beim Steigen zuschauen. Wer sein Geld aber auf einem Tagesgeldkonto, einem Sparbuch oder in schlecht verzinsten Anleihen geparkt hat, sollte spätestens jetzt aktiv werden. Schon heute werfen solche Anlagen nach Abzug der Inflation kaum etwas ab. Und es kann nur schlechter werden. Wer auch bei steigenden Verbraucherpreisen nicht in Aktien investieren will, kann überlegen, seinem Portfolio inflationsgeschützte Anleihen beizumischen. Damit wäre zumindest ein Teil des Kapitals im Fall höherer Inflationsraten geschützt.

 


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