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Plädoyer für das Grundeinkommen

, Daniel Häni und Philip Kovce

Die Idee des bedingungslosen Grundeinkommens vereint zwei Ideale: Freiheit und Solidarität. Von Daniel Häni und Philip Kovce

Aktion für das bedingungslose Grundeinkommen in der Schweiz
Aktion für das bedingungslose Grundeinkommen in der Schweiz

Daniel Häni ist Unternehmer, Mitbegründer des Basler Kultur- und Kaffeehauses „Unternehmen Mitte“ sowie Mitinitiator der Schweizer Volksinitiative „Für ein bedingungsloses Grundeinkommen“. Philip Kovce forscht am Basler „Philosophicum“, gehört dem „Think Tank 30“ des Club of Rome an und schreibt als freier Autor für Presse und Rundfunk.Daniel Häni (l.) ist Unternehmer, Mitbegründer des Basler Kultur- und Kaffeehauses „Unternehmen Mitte“ sowie Mitinitiator der Schweizer Volksinitiative „Für ein bedingungsloses Grundeinkommen“.
Philip Kovce forscht am Basler „Philosophicum“, gehört dem „Think Tank 30“ des Club of Rome an und schreibt als freier Autor für Presse und Rundfunk. (Foto: Kostas Maros / CC BY-NC-ND 2.0)


Seit Jahrhunderten tobt ein Streit zwischen zwei Idealen: Freiheit und Solidarität. Das Liberale und das Soziale stehen sich unvermittelt gegenüber – und wenn das eine das andere beherrscht, wird es totalitär. So wie im Sozialismus oder Neoliberalismus.

Seit einigen Jahren wird immer wieder über eine Idee diskutiert, die diese beiden Ideale kongenial verbindet: das bedingungslose Grundeinkommen. In der Schweiz wird 2016 eine Volksabstimmung darüber stattfinden, ob ein bedingungsloses Grundeinkommen für jeden Bürger eingeführt werden soll.

Solidarität garantiert das Grundeinkommen, indem es die Existenz aller sichert. Niemand muss mehr Existenzangst fürchten. Wir sind dadurch weniger erpressbar und können eigenverantwortlicher handeln.

Freiheit fördert das Grundeinkommen, indem es ohne Bedingungen ausgezahlt wird. Niemand muss erst krank oder arbeitslos werden, um es zu erhalten. Jeder kann seinen individuellen Lebensweg damit besser bestreiten.

sozialistisches Herz, liberaler Verstand

Buchcover "Was fehlt, wenn alles da ist?"
Jüngst erschien von Daniel Häni und Philip Kovce das Buch „Was fehlt, wenn alles da ist?“

Das bedingungslose Grundeinkommen vereint das Soziale mit dem Liberalen: Es ist liberal, weil es bedingungslos ist, und sozial, weil es für alle ist. Es ist für alle gleich – und ermöglicht zugleich jedem, anders zu sein.

Den ideologischen Streit zwischen Sozialismus und Liberalismus legt das bedingungslose Grundeinkommen bei. Es versöhnt das sozialistische Herz mit dem liberalen Verstand, indem es beiden eine Stimme gibt.

Das Grundeinkommen ist sozialistischer als jeder Sozialismus, da es leistungsunabhängig ein Existenzminimum gewährt, ohne auf die marktwirtschaftliche Dynamik zu verzichten. Und es ist liberaler als jeder Liberalismus, da es eine Konsumpauschale bereitstellt, auf deren Grundlage sich Konkurrenz und Wettbewerb erst wirklich frei – weil sozial abgesichert – entfalten können.

Jahrhundertelang lebten wir als ökonomische Selbstversorger politisch fremdbestimmt. Mit der französischen Revolution kam die politische Selbstbestimmung – und mit der industriellen Revolution die ökonomische Fremdversorgung. Die Arbeitsteilung verbindet uns mit anderen Menschen (sozial). Das Grundeinkommen lässt uns diese Verbindung frei gestalten (liberal).

Kurzum: Der Streit zwischen Freiheit und Solidarität erweist sich angesichts des bedingungslosen Grundeinkommens als überholt. Wir sollten nicht länger an ihm festhalten, nur weil wir uns schon so sehr an ihn gewöhnt haben.


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