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Buffetts selbst erfüllende Prophezeiung

, Heiko Löschen

Wenn Warren Buffett sich zu Investmententscheidungen seines Unternehmens äußert, horcht die Finanzwelt auf. Doch sollte man nicht jedes seiner Worte für bare Münze nehmen

Warren Buffett sitzt am Steuer eines Autos und winkt
Warren Buffett kündigte an, sich an europäischen Firmen beteiligen zu wollen - Foto: Getty Images

Heiko Löschen ist Niederlassungsleiter Hamburg der Vermögensverwaltung Mademann & Kollegen GmbHHeiko Löschen leitet die Niederlassung Hamburg der Vermögensverwaltung Mademann & Kollegen GmbH


Warren Buffett ist ohne Zweifel ein kluger und wirtschaftlich erfolgreicher Mann. Seit Jahren leitet er zum Wohle seiner Anleger die Geschicke eines nachweislich extrem erfolgreichen Unternehmens. Und nicht ohne Grund trägt er den Beinamen „das Orakel von Omaha“. Sein Wort hat Gewicht und wird von Investoren oft auch als Richtschnur für Anlageentscheidungen genommen.

Jüngst nun verkündete Buffett die Absicht, Beteiligungen an Unternehmen in Europa und vor allem in Deutschland eingehen zu wollen. Was hat es damit auf sich?

Der Markt der Firmenbeteiligungen und sogenannten M&A-Transaktionen läuft bereits seit über zwei Jahren auf Hochtouren. Die von Warren Buffet verkündete und von den Medien als Neuigkeit verkaufte Absicht ist in Wahrheit ein alter Hut. Doch um seinem Ruf als Orakel gerecht zu werden, muss Warren Buffet derartige Äußerungen von sich geben. Viele interessierte Beobachter werden sagen: „Ein kluger Kopf, der Mann weiß Bescheid. Dem vertrauen wir weiterhin unser Geld an.“ Das ist ja in allererster Linie die Aufgabe von Warren Buffet in seiner Position und eines seiner Hauptinteressen.

Will Buffett die Kurse antreiben?

Viele Faktoren werden seine Aussage belegen und die Sinnhaftigkeit seiner angeblichen Bestrebungen untermauern. Bereits seit Monaten häufen sich die Presseberichte und Analysen zu dieser Thematik. Warren Buffet liegt also mit seiner Strategie absolut im Trend. Er kann nur richtig liegen. Oder?

Allein durch die Absichtserklärung aus Omaha wird die Entwicklung der letzten Jahre verstärkt und noch beschleunigt. Warren Buffett ist sich dessen sehr wohl bewusst. Die Preise für europäische Unternehmen sind aufgrund der deutlich gestiegenen Börsenkurse nicht mehr günstig. Käufe werden aktuell und in absehbarer Zeit nicht mehr zu Schnäppchenpreisen möglich sein. Da aber an der Börse das Fundament für den Gesamterfolg einer Investition immer im Einkauf liegt, stellen sich aus meiner Sicht ganz andere Fragen.

Ist Warren Buffet wirklich auf der Käuferseite? Oder nutzt er seine Eigenschaft als Meinungsbildner, um die Kurse anzutreiben und den Trend weiter intakt zu halten? Möchte er gar bei den Investitionen, die er bereits getätigt hat, für ihn und seine Anleger gute – nein bessere – Verkaufskurse erzielen?

kühl kalkulierte Strategie

Für diese Vermutung spricht die Tatsache, dass sich aktuell die großen, weltweit aktiven Unternehmen strategisch neu aufstellen. Entflechtungen werden vorgenommen, unsinnige Zusammenschlüsse gelöst und neue Verbindungen geknüpft. Big ist nicht immer beautiful. Für diesen Entflechtungsprozess sind gute Verkaufskurse extrem wichtig, um wenig effiziente Unternehmenssparten ertragreich veräußern zu können.

Normalerweise erfolgen diese Unternehmenstransaktionen nach langer und sorgfältiger Vorbereitung im Verborgenen. Die Öffentlichkeit erfährt erst beim Abschluss oder danach davon. Das laute Säbelrasseln aus Omaha mutet auf den ersten Blick vielleicht eigenartig an. Dahinter darf aber eine kühl kalkulierte Strategie vermutet werden. In jedem Fall beschert sich Warren Buffet mit diesen Aussagen eine sich selbst erfüllende Prophezeiung.


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