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Altersvorsorge – von den Briten lernen

, Julia Groth

Fidelity-Vorsorgespezialist Klaus Mössle über die Altersvorsorge in Deutschland und Großbritannien und darüber, was die Deutschen von den Briten lernen können.

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Multi-Asset-Fonds zur Altersvorsorge sind in Großbritannien üblich. Foto: Getty Images

Klaus Mössle ist Leiter des institutionellen Geschäfts beim Fondsanbieter Fidelity.Klaus Mössle ist Leiter des institutionellen Geschäfts beim Fondsanbieter Fidelity.


Capital: Investmentgesellschaften bringen immer mehr Fonds auf den deutschen Markt, die in unterschiedliche Anlageklassen investieren und eine regelmäßige Ausschüttung bieten. Bei britischen Anlegern sind diese sogenannten Multi-Asset-Income-Fonds schon länger beliebt. Was reizt die Briten an den Produkten?

Mössle: In Großbritannien setzt man die Fonds zunehmend in der Altersvorsorge ein, auch als Alternative zu Lebenszyklusfonds. Sie imitieren den Aufbau großer Pensionsfonds: Die Manager investieren breit gestreut und gewichten die einzelnen Anlageklassen – zum Beispiel Dividendenaktien, Unternehmensanleihen unterschiedlicher Bonität, Schwellenländeranleihen, Immobilien, Infrastruktur – je nach Marktlage mehr oder weniger stark. In der Ansparphase nutzen britische Anleger die Fonds zum Vermögensaufbau. Im Ruhestand wird das angesparte Kapital planmäßig aufgebraucht, durch monatliche Auszahlungen etwa bis zum Alter von 85 oder 95.

In der Ansparphase bieten sich Multi-Asset-Fonds an, die langfristig höheres Kapitalwachstum anstreben und deswegen kurzfristig stärkeren Wertschwankungen ausgesetzt sind. Im Ruhestand sollten Fonds gewählt werden, die auf planbare Dividenden- und Zinseinkünfte ausgerichtet sind und eine moderate Wertschwankung aufweisen. Als Faustregel gilt: Je höher die angestrebten Dividenden- und Zinszahlungen sind, desto stärker schwankt auch der Wert des Kapitals. Rückt die Entsparphase näher, sollten die Schwankungen niedrig ausfallen, sonst ist der Topf unter Umständen schnell leer.

In Deutschland spielen solche Fonds bei der Altersvorsorge bislang keine große Rolle. Warum nicht?

Fonds werden in Deutschland erst in jüngster Zeit als Altersvorsorgeprodukte anerkannt, sie machen aber jetzt, in der Niedrigzinsphase, den klassischen Versicherungsprodukten zunehmend Konkurrenz. Das hat auch steuerliche Gründe. Ein Vorsorgekonto mit Multi-Asset-Lebenszyklusfonds für die Ansparphase und Multi-Asset-Income-Fonds für die Rentenphase ist ein ideales Vorsorgekonzept. Steuerlich gefördert sind in der betrieblichen wie privaten Vorsorge allerdings nur Produkte mit versicherungstypischen Garantien, zum Beispiel die Direktversicherungen in der betrieblichen Altersversorgung (bAV) und Riester. Anläufe, diese Begünstigungen auch für eine Art Fonds-Rente zu etablieren, sind bisher gescheitert.

Allerdings kann man schon heute in der bAV Fonds etwa im Rahmen einer fondsgebundenen Direktversicherung gut einsetzen, wenn die Kosten dieser Produkte angemessen sind. Auf jeden Fall spielen Fonds in den Vorsorgemodellen deutscher Unternehmen in Zukunft eine größere Rolle – nicht innerhalb von Garantiemodellen, sondern als kontenähnliche Modelle.

konkurrierendes Kontenmodell etablieren

Finden Sie das britische oder das deutsche Vorsorgemodell besser?

Das ist pauschal schwer zu sagen. Einerseits können wir bei der Altersvorsorge von den Briten eine Menge lernen, andererseits darf man nicht vergessen, dass die staatliche Rente bei uns deutlich höher ist als in Großbritannien. Warum nicht das deutsche Betriebsrentenrecht bestehen lassen und im Detail optimieren und daneben ein konkurrierendes Kontenmodell à la USA oder Großbritannien etablieren?

Brauchen wir also eine Revolution im deutschen Rentensystem statt weiterer Reformversuche?

Man sollte diese Frage zumindest stellen. Große Unternehmen schaffen es, die bAV eine Evolution durchlaufen zu lassen. In der Breite scheint sich aber bislang nur wenig zu ändern. Eine Revolution im Rentensystem, die dieses System auf ganz neue Beine stellt und die Erfahrungen aus Großbritannien berücksichtigt, wäre vielleicht nicht das Schlechteste.

Ist die wachsende Beliebtheit von Multi-Asset-Income-Fonds in Deutschland ein erstes Indiz für eine Zeitenwende?

Viele der Fonds dieser Art, die bisher in Deutschland auf den Markt gekommen sind, bieten hohe Ausschüttungen und schwanken entsprechend stark. Sie eignen sich für eine lange Ansparphase, aber nicht unbedingt für die Entsparphase. Sie sollen in erster Linie Anleger ansprechen, die ihre Rendite in der Ansparphase etwa über Lebenszyklusmodelle optimiert haben und in der Rentenphase regelmäßige, zusätzliche Erträge erzielen wollen.


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