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Strassenökonom – die Stadtführerin

, Capital-Redaktion

Theorien sind kompliziert. Wirtschaft kann einfach sein. Agnes Molnar, Stadtführerin aus Budapest, über Preisbildung

Agnes Molnar © Sandor Fegyverneky

Agnes Molnar, 40, gründete 2008 gemeinsam mit ihrem Mann die Free Walking Tours Budapest. Dabei entscheiden die Touristen am Ende selbst, wie viel sie zahlen. Das Konzept funktioniert: Inzwischen arbeiten 20 Tourguides für die Firma. Molnar selbst war früher Lehrerin, Sekretärin und Krankenschwester.

„Wir bieten Stadtführungen an, bei denen die Touristen am Ende selbst entscheiden, wie viel sie zahlen. Drei Stunden laufen wir mit ihnen durch Budapest, das reicht für die wichtigsten Sehenswürdigkeiten. Manchmal macht man einen guten Job und bekommt trotzdem wenig Geld. Der Verdienst hängt vom Glück ab, etwa davon, dass viele Touristen kommen, die in Hotels wohnen, die können sich mehr leisten. Manche sagen auch: ,Sorry, ich kann nichts zahlen, aber ich empfehle euch weiter.‘ Das ist auch gut, Mund-zu-Mund-Propaganda ist unsere beste Werbung.

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Als mein Mann und ich 2008 die Free Walking Tours starteten, verstanden viele Menschen das Konzept nicht; sie dachten, die Stadt unterstützt uns, und waren überrascht, dass wir unabhängig sind und das als Vollzeitjob machen. Manche wollten nicht zahlen. Es passiert heute noch, dass Leute nach der Tour einfach verschwinden. Wir drängen sie trotzdem nie zum Zahlen. Wir sagen nur: ,Unterstützt uns so, wie ihr möchtet.‘

Anfangs hatte ich Vorurteile. In Asien ist es unüblich, Trinkgeld zu geben, deshalb zahlen asiatische Touristen meist weniger. Aber manchmal überraschen sie mich. Einmal hat ein Kunde aus Asien 50 Euro für eine Tour gegeben – Rekord! Generell sind aber die Amerikaner am großzügigsten, das ist eine Nation der Trinkgeldgeber. Im Schnitt verdient ein Guide im Sommer umgerechnet 20 Euro pro Tour. Im Winter aber kann auch mal nur ein einziger Tourist auftauchen. Dann machen wir die Tour trotzdem, es ist ja nicht seine Schuld, dass er der Einzige ist! Finanziell bringt so eine Führung nichts, aber sie bereichert auf andere Art: Man lernt sich besser kennen.“

Stadtführungs-Ticker

Die Free Walking Tour wurde 2004 in Berlin erfunden. +++ Das Konzept ist so erfolgreich, dass es weltweit kopiert wurde. +++ Inzwischen gibt es die kostenlosen Führungen in etlichen großen (und weniger großen) Städten der Erde: Paris, New York, Tokio, Moskau, Jerusalem, Buenos Aires, Mumbai, Reykjavik. +++ Allein in Budapest konkurrieren fünf verschiedene Firmen mitei­nander. +++ Viele Anbieter haben neben der kostenlosen Führung auch Themen-Touren im Programm, passend zum Standort: In osteuropäischen Städten gibt es Kommunismus-Touren, in Amsterdam die Rotlichtviertel-Tour, in Liverpool die Kneipen-Tour.

Der Straßenökonom erscheint jeden Monat in der Capital. Hier können Sie sich die iPad-Ausgabe der neuen Capital herunterladen. Hier geht es zum Abo-Shop, wenn Sie die Print-Ausgabe bestellen möchten.


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