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Morten Lund über seine erste Million

, Ruth Fend

Start-up-Investor Morten Lund hat beide Seiten erlebt: den steilen Aufstieg zum Millionär und den dramatischen Absturz.

Morten Lund
Morten Lund

Morten Lund, 44, ist Dänemarks bekanntester Start-up-Investor. Er war Business Angel des Telefondienstes Skype und als Mitgründer und Investor an rund 110 Unternehmen beteiligt.


Capital: Herr Lund, wie kamen Sie als Student und Profihandballer darauf, eine Werbeagentur zu gründen?

Lund: Ein paar Kumpel und ich haben immer die US-Serie „Melrose Place“ geschaut. All diese sexy Frauen da arbeiteten in Werbeagenturen. Also war es für uns offensichtlich, eine Werbeagentur zu gründen. Das war aber ein echt hartes Geschäft, wir mussten auf Internetconsulting umstellen. Neo Ideo wurde die größte Werbeagentur Dänemarks, und wir hatten extrem Glück, sie zu verkaufen, kurz bevor 1999 die Blase platzte – für 40 Mio. Euro.

Woher hatten Sie das Startkapital?

Das hat uns mein Vater geliehen. Seine Bedingung war, dass Jimmy dabei ist. Er war der Einzige von uns vier, dem er vertraut hat. Jimmy Maymann ist jetzt CEO der „Huffington Post“, wir sind alle noch Freunde.

Sie waren erst 28 Jahre alt und Multimillionär. Wie hat das die Beziehungen zu Freunden verändert?

Darüber habe ich viel nachgedacht. Wir vier waren isoliert vom Rest. Wenn man vier Jahre lang ein Unternehmen aufbaut und so ehrgeizig ist, hat man ein anderes soziales Netzwerk. Ich hatte immer ältere Freunde. Neidisch war niemand. Es ist ja so: Wenn ich Geld habe, dann haben es alle anderen auch.

50.000 Euro Startkapital für Skype

Sie haben damit um sich geworfen?

Ja! Für mich selbst habe ich nur ein Christiania-Fahrrad gekauft, das mit diesem Vorderlader, in den ich meine Tochter stecken konnte. Aber Millionen habe ich in meinen Inkubator gesteckt und in junge Start-up-Firmen investiert. Den Skype-Gründern habe ich 50.000 Euro Startkapital gegeben. Als Skype an Ebay verkauft wurde, ergab das für mich einen Profit von Faktor 300 bis 500. Davon habe ich ein schönes Haus gekauft. Trotz Bankrotts habe ich es behalten können.

Sie haben Ihr gesamtes Privatvermögen in eine dänische Gratiszeitung gesteckt – und alles verloren. Welches Erlebnis war einschneidender: Millionär zu werden oder alles zu verlieren?

Der Verlust. Aus Erfolg lernt man nichts. Ich gehe jetzt viel vorsichtiger mit Geld um, nehme zum Beispiel Taxibelege mit, um meine Kosten erstattet zu bekommen. Du kannst plötzlich nicht mehr das tun, was du gewohnt warst. Aber das war vielleicht auch nicht gesund, nicht für mich, nicht für meine Familie. Es war eine seltsame Erfahrung: Alles, was ich zuvor von Leuten, die alles verloren hatten, gelesen hatte, war falsch. Da hieß es, wenn du alles verlierst, stehst du plötzlich allein da, die werden bitter. Das Gegenteil war bei mir der Fall. Leute kamen von überall her, um mir Kreditlinien anzubieten. Sie wollten, dass ich zurückkomme, und sahen, dass das kein einmaliger Schuss war. Es war sehr schön.

Erinnern Sie sich an den Tag, an dem Sie die Insolvenz hinter sich hatten?

Ja, daran erinnere ich mich gut. Das war der Tag, an dem ich meinen Insolvenzanwalt ausbezahlt habe. Dafür habe ich natürlich 10 Mio. Euro an anderen Schulden aufgenommen, aber ich durfte wieder meine eigenen Dinge besitzen. An dem Tag haben wir zu zwölft bei mir zu Hause gefeiert. Dieselben Leute, mit denen ich es am Abend vor dem Bankrott richtig hatte krachen lassen – damals war unser letztes Abendmahl gewesen. Wir waren ins beste Restaurant der Stadt gegangen – mit meiner American-Express-Karte bis ans Limit.


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