• Facebook
  • Twitter
  • Google Plus
  • Editorial

Geisterhaus Deutsche Bank

, Horst von Buttlar

Auch nach Anshu Jains Abgang ist die Deutsche Bank Gefangene der Vergangenheit. Bleibt die Erneuerung eine Fiktion? Von Horst von Buttlar

Horst von Buttlar © Gene Glover
Horst von Buttlar

Was also bleibt von Anshu Jain? Was sagt uns diese Deutsche Bank im Jahr 2015? Das Scheitern des Duos Jain/Fitschen ist nicht so leicht zu fassen wie andere Abgänge. Die kurze Amtszeit von gerade mal drei Jahren wirkt wie ein seltsames Gastspiel in Frankfurt, eine Zeit ohne äußerliche Exzesse, ohne Sätze, über die man sich aufregen konnte, außer vielleicht, dass sie auf Englisch waren. Jain blieb uns fern, voll geheimnisvoller Exotik, unnahbar, zurückhaltend und höflich distanziert. Er stand für das harte Investmentbanking und strahlte es dennoch kaum aus.

Und doch: Wohl selten hat ein Manager so vergeblich um die Zukunft gerungen, während er ständig damit beschäftigt war, die Vergangenheit, zumal die eigene, in den Griff zu bekommen. Die Vergangenheit war für Jain die unerbittliche Gegenwart, in der abgerechnet und aufgeräumt wurde, die ihm und der Deutschen Bank die Zukunft raubte.

Jains Geisterarmee

Capital 07/2015
Die neue Capital erscheint am 18. Juni

Jain ist bis heute kein Mensch, der als Erscheinung die Deutschen wirklich polarisiert hat, kein Victory-Ackermann, kein Peanuts-Kopper, und doch sind viele Skandale für immer mit seinem Namen verbunden.

„Anshus Army“, die Truppe der Investmentbanker aus London, ist wie eine Geisterarmee, die bis heute in der Bilanz herumspukt und aus der Deutschen Bank ein Geisterhaus macht, mit ewigen Gespenstern aus früheren Zeiten. Deshalb blieb die Erneuerung eine Fiktion, die „Strategie 2015+“ eine Baustelle, weil man bald nur noch Getriebener war.

Anshu Jain ist damit auch ein Symbol dafür, wie die Finanzkrise aufgearbeitet wird: Viel später als gedacht, trotzdem unerbittlich, und die Banken müssen bluten. Wer an der Spitze steht, muss gleichzeitig die Neuaufstellung hinbekommen. Weil man ihm das nicht mehr zutraute, musste Jain gehen, wollte er gehen, auch um sein Gesicht zu wahren. Viele dürften befriedigt sein, dass die Banken zahlen müssen, für die Skandale, die man kaum mehr zählen kann, für Manipulationen, Geldwäsche, Betrug und Zockereien. Aber es ist eine diffuse Genugtuung, denn während wir die Banken nicht davonkommen lassen wollen, sehen wir, dass das Spiel woanders weitergeht. Noch weniger greifbar, unsichtbarer, im Reich der Schattenbanken.

„Strategie 2015+“ - Chiffre des Scheiterns

Das Problem ist, dass an diesem Kampf kein Abgang irgendeines Bankers etwas ändern kann und dass wir alles gleichzeitig wollen: Politiker wollen die Banken möglichst streng regulieren, sie haben gute Gründe dafür. Gleichzeitig wollen wir die Banken möglichst hart bestrafen – rund 300 Mrd. Dollar mussten Institute schon weltweit zahlen. Drittens sollen die Banken mehr Eigenkapital aufbauen, als Puffer für die nächste Krise. Und natürlich sollen sie mehr Kredite vergeben, damit die Wirtschaft endlich anspringt. Alles vier gleichzeitig erreichen zu wollen ist, als würde man an jede der vier Seiten einer Kutsche ein Pferd spannen.

Dieser Widerspruch bleibt, ob mit oder ohne Jain. Da die Deutsche Bank bis heute die Last der Vergangenheit nicht abgeschüttelt hat, ist das Kürzel der „Strategie 2015+“, an der der Nachfolger John Cryan festhalten will, zu einer Chiffre des Scheiterns geworden. Das sollte auf Dauer nicht nur die Aktionäre der Deutschen Bank beunruhigen.

Hier können Sie sich ab dem 18. Juni die iPad-Ausgabe herunterladen. Hier geht es zum Abo-Shop, wenn Sie die Print-Ausgabe bestellen möchten.


Artikel zum Thema
Autor
  • Unternehmen
Wie Sioux den Grashopper wiederbelebt

In den 60er-Jahren war Sioux eine Kultmarke. Vor einigen Jahren stand der Schuhhersteller vor dem Aus. Bis ein junger Investor kam.MEHR

  • Editorial
Der defekte Wohlstandsmechanismus

Die Wahl Donald Trumps zeigt eine Schwäche der westlichen Welt: Ihr Wohlstandsversprechen funktioniert nicht mehr. Von Horst von ButtlarMEHR

LESERKOMMENTARE

 

Kommentare Einblenden

Datenschutz

Die Kommentarfunktion "Disqus" wird von der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.

Moderation

Die Kommentare werden von Capital moderiert. Das heißt, Kommentare werden von der Redaktion freigeschaltet. Kritik und auch in der Sache harte Diskussionen sind willkommen, Beleidigungen werden wir dagegen nicht zulassen. Näheres hierzu finden Sie in unserer Netiquette.