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Fabian Heilemann über seine erste Million

, Mareike Enghusen

Vom Waffelverkäufer zum Millionär: Die erste Million machte Fabian Heilemann mit dem Verkauf seiner Internetfirma an Google.

Fabian Heilemann © Visum
Internetunternehmer Fabian Heilemann

Fabian Heilemann, 32, gründete 2009 gemeinsam mit seinem Bruder Ferry die Gutschein-Plattform Dailydeal, die sie 2011 für 114 Mio. Dollar an Google verkauften. Anfang 2013 kauften die Brüder Dailydeal zurück. Seitdem haben sie drei weitere Firmen gegründet, darunter die Sky & Sand Holding. Außerdem betätigen sie sich als Wagniskapitalgeber.


Capital: Mit 18 Jahren haben Sie französische Waffeln verkauft. Wie kamen Sie darauf?

Heilemann: Mein Bruder und ich haben gesehen, dass deutsche Touristen in Frankreich für die Waffeln Schlange stehen, und haben uns gesagt: Was die im Urlaub mögen, mögen sie auch zu Hause. Also sind wir mit unserem Konfirmationsgeld nach Paris gefahren, haben die Gerätschaften gekauft und nach Hameln rübergekarrt, in unsere Heimatstadt. Und dann haben wir sechs Jahre lang Altstadtfeste und Weihnachtsmärkte bedient. So haben wir Teile unseres Studiums finanziert.

Man liest, Sie haben getanzt, um den Verkauf anzukurbeln.

Erinnern Sie sich an den Macarena-Tanz von 1995? So ähnlich haben mein Bruder, unsere Mitarbeiter und ich getanzt. Wir haben damals schon nach Alleinstellungsmerkmalen gesucht. Für den Tanz mussten wir die Produktion zwar unterbrechen, aber danach standen 50 Leute am Stand. Und wir haben unsere Freundinnen in den Besucherstrom rausgeschickt mit Produktproben – aktive Akquise am Kunden also!

2009 gründeten Sie und Ihr Bruder Dailydeal. Wie kamen Sie von Waffeln zu Gutscheinen?

Ich war Doktorand in Stanford, habe da das Konzept gesehen und gedacht: „Mensch, das ist gut, das gibt’s nicht in Europa – das müssen wir machen.“ Es war wie bei den Waffeln: Wir waren aufmerksam, haben eine Lücke gesehen, hart gearbeitet und ein paar Kniffe genutzt.

"Okay, wir feiern jetzt ein paar Partys"

2011 haben Sie Dailydeal für 114 Mio. an Google verkauft. Über Nacht Millionär – was macht das mit einem 29-Jährigen?

Mein Bruder und ich haben uns bewusst gesagt: Okay, wir feiern jetzt ein paar Partys, machen ein paar Reisen. Aber wir haben uns gehütet wie der Teufel vor dem Weihwasser, unser Leben an das Geld anzupassen. Denn die Gefahr, dass Sie charakterlich und auch geschäftlich außer Kontrolle geraten, ist hoch.

2013 haben Sie die Firma zurückgekauft. Ein gutes Geschäft?

Ja. Bei Google konnten wir die Firma nicht selbst steuern, das war frustrierend. Jetzt können wir endlich wieder auf eigenes Risiko neue Projekte entwickeln. Wir werden uns nie mehr in so eine Abhängigkeit begeben. Denn der Preis – die entgangene Lebensfreude – steht in keinem Verhältnis zu dem Geld, das wir zusätzlich verdienen könnten.

Was treibt Sie an, wenn nicht Geld?

Mein Bruder und ich ziehen unser Selbstwertgefühl daraus, Erfolg zu haben. Dafür stehen wir morgens auf. Wir wussten immer, wir wollen ein großes Rad drehen. Wir haben Jobchancen in Kanzleien oder Unternehmensberatungen links liegen gelassen, um ein Unternehmen aufzubauen. Nicht, um die zweite oder dritte Waffelbude aufzumachen.

Gibt’s die alte Waffelbude noch?

Die gibt’s noch! Der Anhänger steht in einer Scheune. Wir haben auch schon überlegt, uns mal wieder auf einen Weihnachtsmarkt zu stellen. Aber wir arbeiten gerade an so vielen Themen, da wären die Opportunitätskosten enorm hoch. Trotzdem kann es sein, dass wir eines Tages wieder am Stand stehen, in Rückbesinnung auf unsere Wurzeln. Der Waffelverkauf hat uns viel für unser unternehmerisches Leben gelehrt.

Meine erste Million erscheint monatlich in Capital. Weitere Folgen: Modedesignerin Jette JoopScanhaus-Chef Friedemann KunzLichtblick-Gründer Heiko von Tschischwitz und Xing-Gründer Lars Hinrichs

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