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Albrecht von Dewitz über seine erste Million

, Lea Frehse

Vaude-Gründer Albrecht von Dewitz machte aus dem Bergsport ein Geschäft und leitet mit 72 eine Fabrik in Vietnam.

Albrecht von Dewitz
Albrecht von Dewitz

Albrecht von Dewitz, 72, ist Gründer der Outdoor-Marke Vaude. Der Firmenname ist aus der Lautschrift seiner Initiale v. D. kreiert. 2009 hat von Dewitz die Geschäftsführung an seine Tochter Antje übergeben. Der Senior leitet seither die Produktion in Vietnam.


Herr von Dewitz, Sie sind in der Lüneburger Heide aufgewachsen. Warum haben Sie ausgerechnet einen Bergsportausrüster aufgebaut?

Nach dem Schulabschluss habe ich zunächst eine Lehre als Im- und Exportkaufmann gemacht, dann ein BWL-Studium. Anschließend hatte ich Glück und wurde gleich Exportleiter in einem Sportartikelunternehmen in Süddeutschland, was meiner Liebe zu Reisen in ferne Länder schon recht nahekam. Hier kam ich auch erstmals mit dem Bergsport in Verbindung. Da hat es mich gepackt: Die Berge rochen nach Abenteuer, ich war 31, wollte mein eigener Chef sein. Also habe ich 1974 Vaude gegründet.

Womit haben Sie angefangen?

Zunächst haben wir Rucksäcke produziert, die für Expeditionen im Himalaja genauso geeignet waren wie für Wanderungen im Taunus. Der Bergsport passte in den 70er-Jahren zu einem neuen Lebensgefühl. Der Italien-Strandurlaub der Fünfziger war out. Die Menschen wollten aktiv sein und dafür hochwertige Ausrüstung haben. Wir haben die Produktpalette nach und nach erweitert, Anfang der 80er-Jahre haben wir das erste atmungsaktive Zelt auf den deutschen Markt gebracht.

Hatten Sie sofort Erfolg?

Ich bin anfangs herumgefahren und habe die Händler abgeklappert. Die haben mir die Sachen leider nicht aus den Händen gerissen, finanziell war die Selbstständigkeit erst mal ein Rückschritt: Niemand zahlte mir Spesen, meine Frau musste jeden Tag Stullen schmieren.

"Mitte der 80er-Jahre hat es für die erste Yacht gereicht"

Und wann waren Sie Millionär?

Siebenstellige Summen habe ich nie auf meinem Konto gehortet. Mir geht es nicht um die Millionen, sondern um den Erfolg des Unternehmens. Ich habe die Gewinne im Unternehmen gelassen.

Capital 05/2016
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Aber Sie haben sich schon mal etwas Schönes gegönnt?

Mitte der 80er-Jahre hat es für die erste Yacht gereicht, die Vaude, 30 Fuß lang. Anfang 2000 dann die Vaude 2, 42 Fuß lang und eigentlich zu groß für den Bodensee – aber mit Platz für die Familie. Die hat auch kaum 200.000 Euro gekostet.

In Vietnam haben Sie vor sieben Jahren eine neue Fabrik aufgebaut, die Sie bis heute leiten. Warum tun Sie sich das mit 72 Jahren noch an?

Ich hatte Lust, noch mal etwas Neues anzufangen. In Vietnam stand ich vor einer Halle und Arbeitern mit unterschiedlichen Qualifikationen. Aber alle waren extrem lernfreudig, und das macht Spaß.

Haben Sie Ihre Erfolge gefeiert?

Wir haben viel gefeiert bei Vaude! Die ganze Branche schätzt etwa die Vaude-Outdoor-Party, die jedes Jahr zur Internationalen Outdoor-Messe steigt. In Vietnam gibt es auch jedes Jahr große und kleine Feiern – typisch mit Karaoke. Ich hatte letztens ein Solo: „Que Sera, Sera“. Feiern motiviert, dafür gebe ich gern Geld aus.

2009 haben Sie die Geschäftsführung Ihrer Tochter Antje übertragen. Wie viel reden Sie noch mit?

Ich bin jetzt nur noch Beirat, ins Tagesgeschäft rede ich ihr nicht rein. Nur in Grundsatzfragen, wenn es etwa darum geht, Produktgruppen abzustoßen oder aufzunehmen, muss ich zustimmen. Das ist alles im Familienvertrag geregelt.


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