Kryptowährung Wie Facebooks Libra Staaten in die Abhängigkeit treibt

Wie viele Menschen werden wohl Facebooks Libra „liken“?
Wie viele Menschen werden wohl Facebooks Libra „liken“?
© Facebook
Facebook will in die Kryptowelt einsteigen und plant dafür eine eigene Währung: Libra. Das lässt nicht nur Anleger, sondern auch Zentralbanken aufhorchen. Denn die Facebook-Währung könnte mehr Einfluss gewinnen, als vielen Staaten lieb sein dürfte

Mark Zuckerberg hat sich schon in so ziemlich jedem Online-Geschäft versucht: ob Werbung, Online-Handel oder Spiele. Nun will sich der Facebook-Gründer einen Platz im Finanzmarkt sichern. Zuckerbergs Vision: Die Facebook-Kryptowährung Libra soll ab dem Jahr 2020 Papiergeld und Kreditkarten größtenteils ersetzen. Die Anzahl potentieller Nutzer ist riesig. Facebook hat weltweit 2,7 Milliarden Mitglieder. Würden alle plötzlich die Kryptowährung nutzen, hätte das Marktbeobachtern zufolge massive Auswirkungen auf das weltweite Finanzsystem und klassische Währungen. Mit seinen Plänen bringt Facebook vor allem Nationalstaaten in die Bredouille. Denn Staatsanleihen und Währungen wie der Euro, US-Dollar und Yen sollen Facebooks Libra absichern.

Eine eigens gegründete Stiftung, die Libra Association, kauft dafür Staatsanleihen, so der Plan. Je mehr Menschen Libra nutzen, desto mehr Geld hätte die Stiftung dafür zur Verfügung. So könnte die Libra Association schnell zum größten Gläubiger von Nationalstaaten werden, fürchtet Joachim Wuermeling , Vorstandsmitglied der Deutschen Bundesbank. Derzeit hat die Stiftung 27 Partner-Unternehmen, die jeweils 10 Mio. US-Dollar Eintrittsgebühr bezahlt haben. Zu den Mitgliedern gehören unter anderem die Kreditkartenanbieter Mastercard und Visa, der Zahlungsdienstleister Paypal und Fahrdienste wie Uber und Lyft. Der Großteil der Unternehmen kommt aus den USA. Es ist ein weiterer Punkt, der Kritikern wie Wuermeling übel aufstößt: Die spezielle US-Perspektive auf die Weltwirtschaft werde die Entwicklung der neuen globalen Währung prägen, so die Befürchtung.

Facebooks Libra könnte Kriminelle anlocken

Besonders gefährlich könnte Facebooks Libra für kriselnde Staaten werden, warnen Experten. Wer in einem Staat mit hoher Inflation lebt, könnte sein Geld in Libra investieren, um wieder Zugriff auf ein stabiles Zahlungsmittel zu bekommen. Denn während andere Kryptowährungen wie Bitcoins bisher überwiegend zur Spekulation dienten, soll Libra dank der Hinterlegung von Staatsanleihen mit guter Bonität ein wertstabiles Zahlungsmittel sein. Flüchtet die Bevölkerung eines Krisenstaats sich allerdings zu großen Teilen in die Facebook-Währung, könnte das die Landeswährung noch weiter in die Inflation treiben. Denn je weniger Menschen mit der Landeswährung handeln, desto stärker schwindet das Vertrauen in sie.

Auch besteht die Gefahr, dass Libra eine zusätzliche Ausweichmöglichkeit für Kriminelle wird. Für Banken gelten strenge Vorgaben, um Geldwäsche und Terrorfinanzierung zu verhindern. Die Libra Association unterliegt diesen Bedingungen bisher nicht. Noch hat Facebook nicht bekannt gegeben, wie die Stiftung dieses Problem angehen will. Für die französische Notenbank steht bereits fest, dass auch Facebook und Co. sich an die geltenden EU-Regeln halten müssen, wenn die Plattform eine Zulassung für ihr Krypto-Geld bekommen will. Das betrifft neben dem Kampf gegen Geldwäsche und Terrorfinanzierung auch den Anleger- und Verbraucherschutz. Laut Sylvie Goulard, der stellvertretenden Gouverneurin der französischen Zentralbank, habe Facebook Interesse signalisiert, mit den Regulierern zusammenzuarbeiten. Wie groß der Einfluss Libras auf Währungen wie den Euro sein wird und was das bedeutet, will die französische Zentralbank nun analysieren. Zum G7-Treffen im Juli soll eine erste Analyse vorliegen.


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