Western von gesternDie sieben Leben des Stadtplan-Erben Alexander Falk

Alexander Falk: Seit September sitzt er in U-Haft
Alexander Falk: Seit September sitzt er in U-HaftJindrich Novotny

Als er zum ersten Mal in den Knast wandert, verklärt der Unternehmer Alexander Falk das noch als „Abenteuerurlaub“, als Gelegenheit zur inneren Sammlung „wie in einem Kloster“. Er boxt die Zellenwand blutig. Macht Klimmzüge. Arbeitet als Gefängnisgärtner. Wälzt nebenbei Klassiker wie Victor Hugos „Die Elenden“, jene berühmte Geschichte eines von der Justiz geknechteten Aufrechten.

2018 saß der Hamburger Firmenerbe, Ex-Internetmillionär und Kurzzeitbankier dann erneut in U-Haft. Zum ersten Mal dorthin gebracht hatte ihn eine Betrugsstrafsache im Kontext der New Economy, nun warf die Justiz ihm im selben Fall gar „versuchte Anstiftung zu einem Tötungsdelikt“ vor. Hat Falk einen Killer beauftragt? Die Staatsanwaltschaft musste einige Vorwürfe fallen lassen. Übrigblieb die Anklage wegen Anstiftung zu gefährlicher Körperverletzung. Das Frankfurter Landgericht sah das als erwiesen an und verurteilte Falk zu einer Haftstrafe von vier Jahren und sechs Monaten.

Es ist eine Wendung, mit der seine Lebensgeschichte endgültig die epische Tiefe von Hugos Roman hat. Schon die Anfänge passten dazu. Falk wächst als Spross von Nachkriegsaufsteigern auf, die den großen hanseatischen Dynastien nacheifern. Vater Gerhard geht gern mit dem Filius surfen. Er stirbt beim Strandsegeln auf Sylt, als der Sohn neun Jahre alt ist: Herzinfarkt. Falk studiert wenig, surft viel. Kaum hat er Verantwortung für die väterliche Firma, fällt er harsche Urteile über sie: „unmodern“, „ein Horror“. 1996 stößt er den Kartenverlag für 50 Mio. D-Mark ab. Bald werde niemand mehr gedruckte Pläne brauchen, analysiert er früh wie richtig.

Falk steckt das Geld in frühe Internetfirmen, bringt eine davon für rund 200 Mio. Euro Erlös an den Neuen Markt. Kurz vor dessen Niedergang stößt er das Unternehmen an eine Londoner Firma ab. Zuvor bläst er die Umsätze künstlich auf, weshalb er 2008 zu vier Jahren Haft und später zu 209 Mio. Euro Schadensersatz verurteilt wird.

Nach seiner Freilassung kehrt er zurück in seine Altonaer Stadtvilla. Just dort nimmt er am 4. September 2018 um 9.30 Uhr seinen Tee ein, als Zivilpolizisten zugreifen. Die erneute Festnahme hat mit der alten Sache zu tun: Die Justiz verdächtigt Falk, einen Auftragstäter gedungen zu haben, der 2010 einem Frankfurter Wirtschaftsanwalt ins Bein schoss. Dieser hatte für den Londoner Käufer von Falks Firma die Schadensersatzklage vorangetrieben.

Die Justiz stützte sich auf die Aussage eines ehemaligen Knastgenossen von Falk. Über einen Mittelsmann soll Falk ein Brüderpaar aus der Türkei für das Attentat angeheuert haben. Der Unternehmer hat die Vorwürfe stets abgestritten. Die beiden Brüder sagten vor Gericht nicht aus, ihr Aufenthaltsort ist unbekannt.

Hauptperson

Alexander Falk wird 1969 in Hamburg geboren. 1986 erbt er den vom Vater gegründeten Stadtplanverlag mit der berühmten Patentfaltung, den er mit 26 verkauft. Bei einem späteren Geschäft bläst er künstlich Umsätze auf und wird wegen versuchten Betrugs verurteilt.