Corona-Krise Welche Corona-Maßnahmen gelten in anderen europäischen Ländern?

In Frankreich gilt eine breite Maskenpflicht.
In Frankreich gilt eine breite Maskenpflicht.
© Jan Huebner / IMAGO
Zahlreiche europäische Länder greifen zu schärferen Maßnahmen, um die Corona-Pandemie einzudämmen. Welche Regeln gelten wo? Ein Überblick

Deutschland befindet sich mitten in der zweiten Welle der Corona-Pandemie. Seit Anfang November gelten wieder schärfere Maßnahmen : Gastronomie- und Kulturbetriebe mussten erneut schließen, Hotels dürfen keine Touristen mehr beherbergen, es gelten Kontaktbeschränkungen. Auch in anderen europäischen Ländern spitzt sich die Situation zu. Welche Länder greifen zu welchen Maßnahmen?

Italien

Schon zu Beginn der Pandemie war Italien besonders heftig betroffen. Auch jetzt steigen die Infektionszahlen dort wieder stark an: Zuletzt verzeichnete das Land mehr als 35.000 neue Infektionen am Tag, auch die Zahl der täglichen Todesfälle stieg zuletzt wieder deutlich an auf 580 (Stand: 11.11.).

In Italien gilt derzeit eine strenge Maskenpflicht: in geschlossenen Räumen, in öffentlichen Verkehrsmitteln und überall dort, wo kein ausreichender Sicherheitsabstand eingehalten werden kann. Auch im Freien muss in weiten Teilen ein Mund-Nasen-Schutz getragen werden. Zudem muss ein Abstand von mindestens einem Meter eingehalten werden – beim Gruppensport sind es zwei Meter.

Die italienische Regierung legte am 3. November in einem Dekret drei Risikostufen fest. Die geltenden Regeln variieren – wie teilweise auch in Deutschland – je nach Situation in den Regionen des Landes. Es gibt jedoch auch Vorschriften, die für ganz Italien gelten: So mussten Kultureinrichtungen wie Theater, Konzerthäuser und Kinos wieder schließen, ebenso wie Diskotheken. Auch Sportveranstaltungen, Feiern, Festivals, Messen und andere Großveranstaltungen sind verboten. Für private Haushalte gilt eine dringende Empfehlung, auf Partys zu verzichten. Die wohl drastischste Maßnahme ist die Ausgangssperre, die zwischen 22 Uhr abends und 5 Uhr morgens gilt. In diesem Zeitraum dürfen sich nur noch Menschen draußen aufhalten, die beispielsweise zum Arzt müssen oder arbeiten gehen. Zudem können die Behörden bestimmte öffentliche Orte nach 21 Uhr schließen, wenn es wahrscheinlich ist, dass sich dort eine Menschenansammlung bildet.

Hotels dürfen weiterhin Touristen aufnehmen, solange sie sich an strenge Hygienemaßnahmen halten und den Sicherheitsabstand gewährleisten. In Regionen mit einem geringen Risiko dürfen Gastronomiebetriebe weiter zwischen 5 Uhr morgens und 18 Uhr öffnen. An einem Tisch dürfen nur vier Personen sitzen, es sei denn, sie stammen aus einem Haushalt, dann sind mehr erlaubt. In Regionen, in denen ein mittleres oder hohes Risiko gilt, müssen die Betriebe schließen. In beiden Fällen dürfen Speisen bis 22 Uhr außer Haus verkauft und ausgeliefert werden. Für das Reisen innerhalb von Italien gelten ebenfalls Regelungen abhängig vom Risikostand: Bei geringem Risiko kann man problemlos zwischen den Regionen reisen, für Reisen von oder aus Regionen mit einem höheren Risiko müssen wichtige Gründe vorliegen.

Schweden

Schweden ist seit Ausbruch der Corona-Pandemie für seinen Sonderweg bekannt. Während viele Länder schon drastische Beschränkungen verhängten, lief das Leben in Schweden weitgehend ohne Einschränkungen weiter. Nun steigen auch in Schweden wieder die Infektionszahlen – 4160 Fälle meldete das skandinavische Land zuletzt. Zuletzt starben in Schweden drei Personen pro Tag an einer Corona-Infektion (Stand: 11.11.).

Einen Sonderweg geht Schweden weiterhin: Bislang gibt es keine Pflicht, in der Öffentlichkeit oder in öffentlichen Verkehrsmitteln einen Mund-Nasen-Schutz zu tragen. Auch Veranstaltungen mit bis zu 50 Teilnehmern sind weiterhin erlaubt – bis zu 300 Teilnehmer, wenn das Publikum sitzt und die Teilnehmer mindestens einen Meter Abstand halten. Hotels bleiben geöffnet, müssen sich aber an Hygieneregeln halten – ebenso wie Gastronomiebetriebe. Hier dürfen maximal acht Personen an einem Tisch sitzen. Die Bundesregierung stuft Schweden ab Sonntag als Risikogebiet ein.

Frankreich

Frankreich meldete zuletzt mehr als 22.000 neue Corona-Fälle am Tag. Täglich sterben dort derzeit 1220 Menschen an Corona (Stand: 11.11.).

Seit dem 30. Oktober gelten auch in Frankreich verschärfte Maßnahmen. So muss an geschlossenen öffentlichen Orten in jedem Fall eine Maske getragen werden. Für alle über 11 Jahren gilt zudem eine Maskenpflicht an allen öffentlich zugänglichen, geschlossenen Orten, in öffentlichen Verkehrsmitteln, in Restaurants, Cafés und Bars. Auch in der Schule sind Masken vorgeschrieben – nicht jedoch in Kindergärten. Zudem soll grundsätzlich ein Meter Sicherheitsabstand eingehalten werden.

Generell sind in Frankreich Veranstaltungen mit mehr als sechs Personen verboten. Hotels, Gastronomiebetriebe, Museen und andere Kulturerbestätten müssen seit dem 30.10. geschlossen bleiben. Frei umherreisen kann man in Frankreich derzeit nicht, es sind nur Reisen aus wichtigen Gründen erlaubt. Aus der EU darf man jedoch weiter nach Frankreich einreisen. Für Reisende von außerhalb des Schengen-Raums gilt: Sie müssen bei der Einreise einen negativen PCR-Test vorlegen.

Großbritannien

In England, Wales, Schottland und Nordirland gelten jeweils unterschiedliche Vorschriften. Großbritannien verzeichnete zuletzt mehr als 33.000 neue Infizierte und 563 Todesfälle an einem Tag (Stand: 13.11.).

In öffentlichen Verkehrsmitteln, Supermärkten und Krankenhäusern muss eine Maske getragen werden. In England gilt seit dem 5. November bis vorerst zum 2. Dezember zudem ein Lockdown, der die Schließung der Gastronomiebetriebe, Kulturstätten, Sport- und Freizeiteinrichtungen umfasst. Auch zahlreiche Geschäfte im Einzelhandel müssen schließen – geöffnet bleiben dürfen nur Supermärkte und ausgewählte, als notwendig eingestufte Geschäfte. Die Wohnung dürfen die Menschen nur aus einem „triftigen Grund“, wie einem Arztbesuch, oder der Arbeit verlassen. Treffen sind nur mit einer weiteren Person aus einem anderen Haushalt erlaubt und müssen an der frischen Luft stattfinden. Hotels sind geschlossen, Touristen dürfen derzeit nicht einreisen. Schulen und Universitäten sind weiterhin offen.

In Schottland wird seit dem 2. November ein fünfstufiges Maßnahmenpaket umgesetzt. Die Verwaltungseinheiten werden in Stufen eingeordnet und die Einstufung einmal pro Woche angepasst. Je nachdem, in welcher Stufe sich ein Ort befindet, gelten unterschiedliche Maßnahmen. In Wales wurde der Lockdown dagegen am 9. November beendet: Geschäfte und Gastronomiebetriebe durften wieder öffnen, ebenso wie Schulen. In Nordirland wiederum wurden bis vorerst zum 20. November scharfe Maßnahmen verhängt. Ein Mund-Nasen-Schutz ist Plicht in öffentlichen Verkehrsmitteln und Geschäften. Restaurants sind geschlossen und dürfen nur noch außer Haus verkaufen. Auch in ihrer eigenen Wohnung dürfen sich die Menschen nicht mehr mit anderen Haushalten treffen, auch private Übernachtungen sind verboten. Im eigenen Garten darf sich aber mit bis zu sechs Angehörigen aus zwei Haushalten getroffen werden, solange die Abstands- und Hygieneregeln eingehalten werden.

Seit dem 7. November müssen sich Reisende aus Deutschland für 14 Tage in Quarantäne begeben, wenn sie nach Großbritannien einreisen wollen. Touristische Reisen nach England sind derzeit nicht erlaubt.

Österreich

Österreich vermeldete zuletzt 3839 neue Corona-Infektionen am Tag. Täglich starben dort zuletzt 35 Menschen an einer Corona-Infektion (Stand: 11.11.).

Eine Maskenpflicht gilt in Österreich unter anderem in Lebensmittelgeschäften, in öffentlichen Verkehrsmitteln, und Veranstaltungen, die in Innenräumen stattfinden. Zudem muss auf öffentlichen Plätzen ein Mindestabstand von einem Meter eingehalten werden. Seit dem 3.11. sind alle Veranstaltungen verboten. Es dürfen sich nur noch sechs Menschen treffen, die aus maximal zwei Haushalten stammen dürfen – hinzukommen dürfen maximal sechs Minderjährige. Hotels dürfen in Österreich seit dem 3.11. nur noch Geschäftsreisende aufnehmen, aber keine Touristen mehr. Restaurants und andere Gastronomiebetriebe dürfen ihre Waren nur außer Haus verkaufen oder liefern. Museen und Theater sind geschlossen, ebenso wie Fitness-Studios und Schwimmbäder. Auch die österreichischen Skigebiete sind für die breite Öffentlichkeit geschlossen.

Zudem gilt eine Ausgangssperre zwischen 20 Uhr abends und 6 Uhr morgens. In diesem Zeitraum dürfen die Menschen nur noch aus wesentlichen Gründen nach draußen, wenn sie zum Beispiel arbeiten gehen. Ob man nach Österreich ohne negativen Coronatest einreisen darf, hängt davon ab, wo man sich in den letzten zehn Tagen aufgehalten hat. War man beispielsweise nur in Deutschland, so darf man ohne Einschränkungen einreisen.


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